HomeGemeinschaftDag von Appen erhält den CMA Jim Lawrence Commodore Award 2026

Dag von Appen erhält den CMA Jim Lawrence Commodore Award 2026

Unternehmensgeschichte – Ein Lebenswerk in der internationalen Schifffahrt

Dag von Appen fue distinguido el 12 de marzo con el Jim Lawrence Commodore Award 2026, convirtiéndose en el primer empresario sudamericano en recibir este reconocimiento. El premio destaca su labor en la consolidación de Ultranav como una de las compañías navieras más prestigiosas del mundo. En entrevista con Cóndor, explica cómo las raíces alemanas de su familia han influido tanto en su trayectoria profesional como en su compromiso con la sociedad.

Dag von Appen (rechts) erhält den Commodore-Award-Hut von seinem Vorgänger Todd Clough.
foto: CMA

«Alles, was wir im Laufe der Jahre erreicht haben, war eine gemeinsame Leistung», betont Dag von Appen im Cóndor-Interview ausdrücklich. Der Commodore Award gelte nicht ihm allein, sondern allen Mitarbeitern, Führungskräften, Partnern und Verwaltungsratsmitgliedern von Ultranav und Navigator Gas. Der Verweis auf die gemeinsame Leistung spiegelt zugleich die Unternehmenskultur wider, die Ultranav seit Generationen prägt. 

Vom kleinsten Tanker zur weltweiten Schifffahrtsgruppe

Unter Dags Führung wuchs Ultranav von einer Flotte mit rund 100 Schiffen im Jahr 2002 zu einer global tätigen Schifffahrtsgruppe mit mehr als 400 Schiffen im Jahr 2023 heran. In diesem Jahr wurde auch die seit langem vorbereitete Nachfolge vollzogen, wie Dag berichtet: «Ich übergab die Führung an meinen neun Jahre jüngeren Bruder Per von Appen, der seither Executive Chairman von Ultranav ist. Per verfügt über eine langjährige Erfolgsbilanz, große Erfahrung in der Schifffahrt und war in jeder Hinsicht bereit, diese wichtige Verantwortung zu übernehmen.» Seitdem ist Dag Mitglied des Verwaltungsrats von Ultranav und Vorsitzender von Navigator Gas. Heute beschäftigt die Gruppe rund 1.000 Mitarbeiter an ihren Standorten in 20 Ländern sowie etwa 3.000 Seeleute an Bord ihrer Schiffe.

Die Wurzeln der heutigen Ultranav-Gruppe reichen bis ins Jahr 1952 zurück, als Albert von Appen in Valparaíso die Schifffahrtsagentur Ultramar gründete. Acht Jahre später folgte mit der Gründung von Ultragas der Einstieg in die eigene Schifffahrt und damit der Beginn jener Entwicklung, aus der die heutige Ultranav-Gruppe hervorging. «Damals baute Albert den kleinsten Gastanker der Welt – mit nur 90 Kubikmetern Kapazität und einer Länge von 23 Metern –, um Punta Arenas mit Gas von der Tierra del Fuego zu versorgen», erklärte John Lindquist, Chairman der Connecticut Maritime Association (CMA) in seiner Laudatio auf Dag von Appen, den er als eine Führungspersönlichkeit bezeichnete, «die die Vision ihrer Familie weitergeführt hat». 

Deutsche Wurzeln und starke Werte

Dag (rechts) mit seinem Vater Sven von Appen

Als Albert 1952 Ultramar gründete, war er 51 Jahre alt. Der Kapitän stammte aus Blankenese bei Hamburg, das bei seiner Geburt im Jahr 1901 noch ein eigenständiger Ort an der Elbe war. Die Anfänge des Unternehmens waren bescheiden: sieben Mitarbeiter arbeiteten in einem kleinen Büro. Schon damals prägte Albert die Unternehmenskultur mit klaren Grundsätzen, wie Dag bei der Preisverleihung am 12. März in Stamford unterstrich: «Von Anfang an wurde das Unternehmen auf einfachen Prinzipien aufgebaut: Unternehmergeist, Teamarbeit und starke Werte.»

Wie wichtig die Familie, die deutsche Herkunft und die damit verbundenen Werte für ihn waren, hebt Dag auch im Gespräch mit dem Cóndor hervor. Seinen Großvater Albert hat er noch persönlich erlebt. Dessen humorvolle Aufforderung ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben: «Wachse schnell, damit du mich nach Valparaíso als Chauffeur fahren kannst, um gemeinsam Schiffe und Kapitäne zu besuchen.»

Griseldis Burose und ihr Vermächtnis

Er und seine drei Geschwister Sylvia, Birgit und Per besuchten die Deutsche Schule Santiago. Eine prägende Rolle spielte dabei ihre Mutter Griseldis Burose. «Sie hat uns mit viel Liebe erzogen und uns die deutsche Sprache und Kultur nahegebracht», erinnert sich Dag. Sie habe ihm und seinen Geschwistern Werte wie Zielstrebigkeit, Disziplin, Beharrlichkeit und Gründlichkeit weitergegeben – Eigenschaften, die er bis heute als wichtigen Teil seines deutschen Erbes betrachtet. «Sie vermittelte uns, unseren Weg konsequent zu verfolgen, um unsere Ziele zu erreichen.»

Der erste Tanker des Unternehmens – damals der kleinste Gastanker der Welt –, den Albert von Appen bauen ließ.
foto:  Ultranav

Die gebürtige Deutsche kam 1958 als Mitarbeiterin der Lufthansa nach Chile und heiratete 1962 den aus Hamburg stammenden Sven von Appen, einen Sohn von Albert von Appen. Mit ihrer 1985 gegründeten Stiftung People Help People förderte Griseldis den Bau von Schulen, Internaten und Gesundheitseinrichtungen in der Araucanía und eröffnete damit Tausenden jungen Menschen bessere Bildungs- und Zukunftschancen in Chile. Heute leitet Isabel Piedrabuena, die Ehefrau von Dag, die Stiftung People Help People, die in der Region Los Ríos jeweils eine Schule in Panguipulli und Pullinque betreibt.

Vorbilder und Verantwortung

Nach dem Studienabschluss der Betriebswirtschaftslehre an der Universidad de Chile sammelte Dag zunächst fünf Jahre Berufserfahrung in Unternehmen in London, Hamburg und Oslo. Anschließend kehrte er nach Chile zurück. «Ich bin dann quasi vom Nord- zum Südpol gewechselt und übernahm die Ultramar-Niederlassung in Punta Arenas.»

Ebenso wie sein Großvater waren auch sein Vater Sven und sein Onkel Wolf für ihn wichtige Vorbilder, wie er betont: «Nicht nur durch ihren Unternehmergeist, sondern auch durch ihre Haltung in schwierigen Zeiten. Beide übernahmen 1971 von Albert von Appen die Führung der Ultranav-Ultramar-Gruppe in einer wirtschaftlich und politisch äußerst herausfordernden Phase Chiles.»

Ein tiefer Einschnitt bedeutete für Dag von Appen das Jahr 2002: «Als mein Vater mir im Alter von 68 Jahren die Führung von Ultranav übergab, war das für mich eine große Herausforderung. Er war damals noch voll tätig, kraftvoll und motiviert — und dennoch hatte er die Größe und Weitsicht, Verantwortung an die nächste Generation weiterzugeben.»

Wachstum durch Diversifizierung und Vertrauen

Unter der Führung von Dag von Appen entwickelte sich Ultranav von einer starken lateinamerikanischen Reederei zu einer global aufgestellten und diversifizierten Schifffahrtsgruppe. Dabei setzte der Unternehmer auf eine Strategie der Expansion, Spezialisierung und Partnerschaften. «Wir sind überzeugt, dass Widerstandsfähigkeit nicht daraus entsteht, stehenzubleiben, sondern neue Unternehmen aufzubauen, international zu expandieren, über verschiedene Segmente hinweg zu diversifizieren und mit vertrauenswürdigen Partnern zusammenzuarbeiten», erklärte Dag in seiner Rede bei der Preisübergabe. Während seiner Amtszeit baute die Gruppe ihre Aktivitäten weit über Chile hinaus aus und erschloss Märkte in Nord- und Südamerika sowie weltweit.

Gleichzeitig wurde das Unternehmen in zahlreiche Schifffahrtssegmente diversifiziert. Zu den Aktivitäten gehören heute Gastanker, Massengutfrachter, Rohöl- und Produkttanker, Chemikalientanker, Schlepper, Offshore-Versorgungsschiffe sowie Wellboats für den Transport und die Behandlung von lebendem Lachs. «Unser Ansatz war stets, dass jedes Geschäft von starken Teams mit echter Marktkompetenz geführt werden muss. Diversifizierung bedeutete für uns nie, von allem ein bisschen zu machen. Vielmehr ging es darum, gemeinsam mit talentierten Kolleginnen und Kollegen sowie starken Partnern spezialisierte Unternehmen aufzubauen», betonte Dag am 12. März. Heute umfasst die Ultranav-Gruppe rund ein Dutzend Schifffahrtsunternehmen. Ohne Navigator Gas einzurechnen, betreibt sie weltweit rund 330 Schiffe sowie etwa 100 Schlepper und Offshore-Versorgungsschiffe.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Strategie war der Aufbau starker kommerzieller Plattformen und langfristiger Partnerschaften. «Dadurch können wir gemeinsam mit unseren Partnern größere Flotten betreiben und unsere Präsenz sowie unsere Marktanteile in den Zielmärkten stärken», sagte der Unternehmer. Ein Beispiel dafür ist Navigator Gas, das 2021 durch die Zusammenführung der Gastankeraktivitäten von Ultranav und Navigator entstand und heute 56 spezialisierte Gastanker betreibt. Ultranav ist weiterhin ein bedeutender Aktionär des an der New York Stock Exchange (NYSE) notierten Unternehmens.

Katya von Appen (untere Reihe), Bernardita Carvallo (Ehefrau von Henrik von Appen), Antonia Mujica (Verlobte von Sven von Appen) und Isabel Piedrabuena; Cristóbal Cabello (obere Reihe, Ehemann von Katya), Henrik, Sven und Dag von Appen
foto: privat

Die Bedeutung von Vertrauen als Grundlage spiegelt sich auch im Leitmotiv der Gruppe wider: «A Partner You Can Trust» – «Ein Partner, dem man vertrauen kann.» Dieses Verständnis hob auch Todd Clough, Träger des Commodore Awards 2025, hervor. Er beschrieb Dag von Appen in seiner Rede bei der Preisverleihung als eine Führungspersönlichkeit, die «für ihren kooperativen Geist und ihre besonnene Führung geschätzt wird» und die verstehe, «dass die Schifffahrt ein globales Geschäft ist, das auf Vertrauen, langfristigem Denken und verantwortungsvollem Umgang mit Menschen und Umwelt basiert».

Dazu gehören für den 63-Jährigen auch der Teamgedanke sowie die Wertschätzung der Mitarbeiter. Im Gespräch mit dem Cóndor verwies er auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie. Diese habe vor allem die Besatzungen auf den Schiffen betroffen, von denen viele aufgrund weltweiter Reisebeschränkungen monatelang, teilweise mehr als ein Jahr lang, nicht von Bord gehen oder ihre Familien sehen konnten: «Umso größer ist mein Respekt vor der Einsatzbereitschaft der Seeleute und Mitarbeiter gewesen, die den Betrieb unter schwierigsten Bedingungen aufrechterhielten.»

Engagement für die deutsch-chilenische Gemeinschaft

Neben seiner mehr als 40 Jahre währenden Karriere in der internationalen Schifffahrt engagierte sich Dag ehrenamtlich über Jahrzehnte in Institutionen der deutsch-chilenischen Gemeinschaft. Seine deutsche Herkunft spielte dabei stets eine wichtige Rolle. «Ich hatte das Bedürfnis, für das, was ich empfangen habe, etwas zurückzugeben», beschreibt er seine Motivation.

Über viele Jahre war er in verschiedenen Vorständen, Stiftungen und Bildungsinstitutionen tätig. Eng verbunden fühlte er sich der Corporación Chileno-Alemana de Beneficencia (CCAB) und der Clínica Alemana, deren verschiedenen Vorständen er von 2004 bis 2025 angehörte: «In dieser Zeit entwickelte sich insbesondere die Zusammenarbeit zwischen der CCAB, der Clínica Alemana und der Universidad del Desarrollo (UDD) zu einer sehr erfolgreichen Partnerschaft im Bereich der medizinischen Ausbildung. Aus dieser Kooperation entstand die Fakultät für Medizin Clínica Alemana–UDD, die heute mit Studiengängen wie Medizin, Krankenpflege, Zahnmedizin, Physiotherapie, Medizintechnologie, Ernährungswissenschaften und Hebammenkunde zu den angesehensten Ausbildungszentren für Gesundheitsberufe in Chile zählt.» Als ebenso große Errungenschaften der CCAB zählt Dag den Aufbau der fünf Hogares Alemanes in Vitacura, Valdivia, Osorno, Puerto Varas und Chicureo.

Aus diesem Engagement entstand auch seine langjährige Tätigkeit im Vorstand der Universidad del Desarrollo. Darüber hinaus engagierte sich Dag über viele Jahre in der Fundación del Mar, im Consejo Chileno para las Relaciones Internacionales (CCRI) sowie in den Verwaltungsräten von Ultramar, Gasmar, der Mathiesen-Gruppe und weiteren internationalen Unternehmen. Bei allen diesen Aufgaben standen für den Schifffahrtsunternehmer «Verantwortung, langfristiges Denken und die Förderung der nächsten Generation im Mittelpunkt».

Die «Cabo Victoria» ist ein 113.000-Tonnen-Tanker von Ultranav, der 2017 in Südkorea gebaut wurde
foto:  Ultranav

Die vierte Generation

Werte, die auch sein privates Leben prägen. Am Tag der Preisverleihung würdigte Dag «die wichtigste Partnerschaft meines Lebens: meine Frau Isabel». Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: «Nach so vielen Jahren in der Schifffahrt hat sie wahrscheinlich mehr Geduld bewiesen als jeder meiner Geschäftspartner jemals aufbringen musste.» Das Ehepaar hat drei Kinder: Katya, Henrik und Sven von Appen. Alle drei besuchten die Deutsche Schule Santiago.

Katya studierte Betriebswirtschaft an der Universidad Adolfo Ibáñez und absolvierte anschließend einen Master in International Management in Sydney. Sie sammelte internationale Berufserfahrung in Hamburg, Kopenhagen und den USA im Bereich Schifffahrt. Katya leitet heute das Family Office von Dag von Appen.

Henrik gehörte über viele Jahre zu den erfolgreichsten chilenischen Alpinskifahrern, erreichte im Weltcup mehrfach Platzierungen unter den besten 20 und nahm an drei Olympischen Spielen teil. In diesem Jahr beendete er seine Sportlerkarriere. Der studierte Betriebswirt wird künftig im Familienunternehmen tätig sein. 

Der jüngste Sohn, Sven von Appen, war acht Jahre ebenfalls als professioneller Skirennfahrer aktiv. Wie sein Bruder Henrik studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universidad de Chile und arbeitet seit dem Ende seiner Sportlerkarriere im Jahr 2024 bei der Investmentbank BTG Pactual.

Trotz des Generationswechsels im Unternehmen ist für Dag von Appen eines unverändert geblieben: «Der Unternehmergeist, die Teamarbeit und die starken Werte, die unser Unternehmen von Anfang an geprägt haben, sind bis heute tief in unserer Kultur verankert und leiten jede neue Generation.»

Anmeldung zum Cóndor-Newsletter

Wir senden Ihnen den regelmäßig erscheinenden Newsletter mit unseren Textempfehlungen zu.

- Werbung -

Mehr Lesen