Direktorin des Konservatoriums der Universidad Austral
«Ich bin ein Kind der Schule des 20. Jahrhunderts»
La directora del Conservatorio de la Universidad Austral de Valdivia se hizo cargo del importante centro de formación musical en el complejo período post-pandemia. Pianista y organista por vocación, además acompaña los cultos de la Iglesia Luterana de la ciudad de los ríos.
Gegen Ende des Jahres 2017 erkrankte Hugo Pereira, der Organist der evangelischen Kirche Valdivia, sodass er seine Aufgabe nicht wahrnehmen konnte. Er bat Eva Muñoz, ihn zu vertreten. Die Pfarrerstochter, die seit ihrer Kindheit mit Kirchenmusik und der lutherischen Liturgie vertraut ist, sprang für ihn ein. Da Hugo Pereiras Gesundheitszustand sich bedauerlicherweise verschlechterte, konnte er sein Amt nicht wieder übernehmen und Eva Muñoz wurde seine Nachfolgerin.

Die Musikerin «hegte eine besondere Zuneigung zur Kirche, zu ihrer Lehre und ihrer Art, mit der Gesellschaft in Verbindung zu treten», wie sie es selbst sagt. Sie entdeckte, «dass die lutherische Kirche eine Lehre und eine Denkweise besitzt, die der Kunst als Ausdruck der spirituellen Entwicklung des Menschen einen besonderen Stellenwert beimisst, was ich selbst erleben durfte».
So war ihre Verbindung mit der Gemeinde fast eine Selbstverständlichkeit. Eva Muñoz begleitet an der wertvollen Detlef-Kleuker-Orgel nicht nur die sonntäglichen Gottesdienste, sondern gibt auch mit dem Kirchenchor, den Andrea Báez leitet, Konzerte. In diesen Veranstaltungen spielen die Musiker ein breitgefächertes Repertoire, das sie sich in der Zeit mit Hugo Pereira angeeignet haben und «das von der traditionsreichen Musik Bachs und Händels bis zu lateinamerikanischen Weisen und Kirchenliedern anglikanischen und nordamerikanischen Ursprungs reicht».
Eva Muñoz war gerade einmal fünf Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal ans Klavier setzte. Dies geschah ganz spontan und daraufhin begann sie, sich das Spielen auf dem Instrument zunächst autodidaktisch anzueignen. Im Elternhaus wurde viel musiziert, was für sie eine gute Unterstützung war, und sie motivierte, ihren Weg weiterzuverfolgen. Mit 13 erhielt sie Klavierstunden und bald darauf kam Musiktheorie hinzu: «Meine Eltern gaben mir grünes Licht, womit sie meinem Schulstudium eine zweitrangige Stellung einräumten.» Die Entscheidung für die Musik ergab sich nach der Schule von selbst. Eva meldete sich an der Universidad Austral an, wo sie ihre Ausbildung abschloss, und ihr Diplom erwarb.
Im Jahr 2004 begann sie ihre Tätigkeit als Dozentin an der Valdivianer Universität. Sie erhielt das Stipendium «Presidente de la República» und konnte in der Schweiz ein Ergänzungsstudium als Pianistin absolvieren. Damit nicht genug, absolvierte sie Diplomstudiengänge in Kammermusik und Liedbegleitung. Nach ihrer Rückkehr nach Chile nahm sie sofort wieder Kontakt zur evangelischen Kirche auf. Als die Pandemie ausbrach, nutzte sie die freie Zeit, um sich im Orgelspiel unterweisen zu lassen.
Am 1. September 2023 übernahm Eva Muñoz die Leitung des Konservatoriums der Universidad Austral zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die finanzielle Lage war für eine Abteilung, in der Studenten einzeln ausgebildet werden, nicht gut – im Gegensatz zum Beispiel zu einer juristischen Fakultät, in der ein Professor gleichzeitig für 80 Studenten Vorlesungen abhält. Als im März 2024 die Universidad Austral feststellte, welche die «defizitären» Einheiten sind, forderte sie die Leiterin des Konservatoriums zu Lehrplanerneuerungen und -vorschlägen auf. Es folgte ein anderthalbjähriger Prozess mit Besprechungen, um die Verwaltung und andere Bereiche über die Problematik und vor allem über die prekären Zustände zu informieren. Danach kamen Treffen mit allen Bereichen der Universität, um einen so ungewöhnlichen Studiengang, zu verkürzen, zu verstehen und administrativ zu koordinieren.
Dazu kam, dass «wir Kinder haben, die ausgebildet werden müssen, und wir können nicht umhin, uns außerdem verantwortungsvoll um den Teil der Schüler zu kümmern, die bereits ihren Schulabschluss haben und noch zwei oder drei Jahre bis zum Beginn eines grundständigen Studiums benötigen – im Einklang mit den Bildungs- und Entwicklungszielen unseres Landes».
Gegenwärtig betreut die Direktorin «acht Gruppen von Menschen, die ich zu begleiten versuche, um in Ruhe und Ausgeglichenheit eine Verfahrensweise zu finden und auszuarbeiten, damit sie ihr Musikstudium fortsetzen können».
Auf die Frage, wie sich diese komplexe Lage in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird, antwortet Eva Muñoz: «Ich bin ein Kind der Schule des 20. Jahrhunderts. Dennoch weiß ich, dass wir uns dem Wandel anpassen müssen, daran besteht für mich kein Zweifel. Ich bin sehr froh, dass das Programm aktualisiert wurde, denn es beinhaltet Fächer, die es den Studenten und Studentinnen ermöglichen, in der heutigen Welt erfolgreich zu sein. Denn wenn die angestrebten Bildungsziele erreicht werden, eröffnen sich ihnen beste Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft.»
Die Musikerin besitzt einen unerschütterlichen Optimismus und viel Energie. Kürzlich hat sie einen Master in Mindfulness absolviert: «Ich untersuchte die musikalische Stimulation im Zusammenhang mit Wohlbefinden und Emotionsregulation in einem akademisch-wissenschaftlichen Kontext und kam zu dem Schluss, dass die Erwartungen am Konservatorium erfüllt wurden; nicht genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber eben doch, dass ich etwas hinterlassen habe und dass ich anonym zur Entwicklung meines Landes beitragen konnte.» Keinen geringen Einfluss hatte dabei ihr Vater, der sie seit Kindesbeinen zur Pflichterfüllung anspornte, und dessen Maxime zu ihrem Leitsatz wurde: «Tochter, es muss getan werden!»
Foto: privat



