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Zwischen Anden und Landwehrkanal – Besuch bei Berlins Kondoren

Quien visita Alemania desde Chile y se encuentra por primera vez frente a un cóndor andino en el Zoológico de Berlín probablemente se sorprenda: ¿qué hace aquí el rey de los Andes? Sin embargo, esta majestuosa ave se ha adaptado sorprendentemente bien a Alemania y desde hace décadas forma parte de la colección de varios zoológicos del país.

Nicht nur in mehreren deutschen Zoos ist der Kondor anzutreffen – auch die AHK Chile lässt ihn derzeit durch Deutschland fliegen. Zum 110-jährigen Jubiläum der Kammer schwebt ein digitaler Kondor im aktuellen Werbefilm durch das Brandenburger Tor oder am Schloss Neuschwanstein vorbei und symbolisiert die Brücke zwischen beiden Ländern. Auch unser Cóndor begleitet seit 88 Jahren die Beziehungen zwischen Deutschland und Chile. Grund genug, die beiden gefiederten Namensvetter näher kennenzulernen und Vogelkurator Dr. Ragnar Kühne zu fragen, wie die Kondore im Berliner Zoo leben und was diese Vögel so besonders macht.

Seit 2005 leben die beiden Kondore in der «Südamerika-Anlage» am Ufer des Landwehrkanals.
foto: Silvia Kählert

Seit wann hält der Zoologische Garten Berlin Andenkondore, und wie kam es dazu?

Der Zoo Berlin hält Andenkondore bereits seit 1845 und gehört damit zu den traditionsreichsten Haltern dieser imposanten Vogelart weltweit. Die Tiere waren schon früh Teil des Tierbestandes und zählen seit Generationen zu den besonderen Attraktionen des Zoos.

Wie alt sind die Tiere, und woher stammen sie ursprünglich?

Das heutige Zuchtpaar besteht aus einem Männchen, das am 21. Juni 1988 im Zoo geschlüpft ist, sowie einem Weibchen, das am 14. Juni 1988 im Zoo Hannover geboren wurde. Beide Tiere gehören damit zu den älteren Vertretern ihrer Art in menschlicher Obhut.

Wie gestaltet sich die Haltung der Kondore im Zoologischen Garten Berlin? Gibt es dabei besondere Herausforderungen?

Die Andenkondore werden dreimal pro Woche gefüttert. Ein erwachsenes Tier erhält dabei jeweils ein Huhn oder ein Kaninchen; gelegentlich werden auch Ratten, Küken oder Rinderherz verfüttert. Um die Tiere zu beschäftigen (Enrichment), wird das Futter an unterschiedlichen Stellen der Anlage ausgelegt. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Hygiene. Futterreste müssen in der Regel am Folgetag entfernt werden, um keine unerwünschten Mitfresser anzulocken.

Der Berliner Andenkondor mit einem Jungvogel
foto: Zoo Berlin

Seit wann leben die Kondore in ihrer heutigen Anlage? Wie groß ist das Gehege, und worauf wurde bei der Gestaltung besonders geachtet?

Im April 2005 zog das Paar aus einer Voliere am Adlerfelsen in die heutige Südamerikaanlage am Uferweg des Landwehrkanals um. Die rund 1.000 Quadratmeter große und zehn Meter hohe Voliere bietet den Vögeln deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Ein zentraler Felsen dient als Ruhe- und Brutplatz. Darüber hinaus verfügt die Anlage über einen Badepool, Naturboden, Sandflächen zum Sandbaden, verschiedene Sitzwarten sowie Sonnen- und Schattenplätze. Auch kurze aktive Flüge und Gleitphasen sind möglich.

Inwiefern unterscheidet sich das Verhalten der Kondore im Zoologischen Garten von jenem in freier Wildbahn?

Im natürlichen Lebensraum nutzen Andenkondore ausgedehnte Thermikflüge und legen dabei große Distanzen zurück, hauptsächlich zur Futtersuche.  In menschlicher Obhut müssen die Tiere nicht aktiv nach Nahrung suchen und erleben Hungerphasen deutlich seltener. Entsprechend verbringen sie mehr Zeit mit Ruhen und Rasten.

Welche Beziehung haben die Tierpfleger zu den Kondoren? Gibt es individuelle Eigenheiten einzelner Tiere?

Andenkondore zeigen sich häufig sehr neugierig gegenüber Veränderungen in ihrer Umgebung. Neue Pflanzen werden untersucht oder sogar herausgerissen, und auch neue Mitbewohner werden aufmerksam beobachtet. Im Zoo Berlin fiel insbesondere das Weibchen durch ein ausgeprägtes Interesse an bodenlebenden Mitbewohnern auf. Wasservögel standen deutlich weniger im Fokus der Kondore.

Welche Rolle spielen Zoos heute für den Erhalt der Art? Arbeitet der Zoologische Garten Berlin mit internationalen Programmen zusammen?

Der Zoo Berlin beteiligt sich im Rahmen der Europäischen Zoovereinigung EAZA am Erhaltungszuchtprogramm für den Andenkondor (EEP – EAZA Ex-situ Programme). Darüber hinaus unterstützt der Zoo die mit diesem Programm verbundenen Artenschutzprojekte in den südamerikanischen Verbreitungsgebieten der Art. Dadurch leisten moderne Zoos sowohl einen Beitrag zur Sicherung einer Reservepopulation als auch zum Schutz der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum.

Erleben Besucher Andenkondore anders als andere Greifvögel? Welche Reaktionen beobachten Sie besonders häufig?

Viele Besucherinnen und Besucher sind vor allem von der Größe der Tiere beeindruckt. Besonders beim Sonnenbaden mit weit ausgebreiteten Flügeln wird die enorme Spannweite von über drei Metern deutlich. Häufig sorgen auch die auffälligen Farbveränderungen im unbefiederten Gesichtsbereich, die bei Erregung oder sozialen Interaktionen auftreten können, für Erstaunen.

Was fasziniert die Tierpfleger persönlich an Andenkondoren?

Besonders faszinierend ist die ausgeprägte Individualität der Tiere. Die Kondore reagieren unterschiedlich auf einzelne Personen und entwickeln mitunter sehr eigene Verhaltensweisen. Diese individuellen Charakterzüge machen die tägliche Arbeit mit ihnen besonders interessant.

Gibt es eine besondere Geschichte oder Anekdote über die Berliner Andenkondore?

Fern der Anden, aber ganz entspannt: Ein Kondor im Zoologischen Garten Berlin.
foto: Zoo Berlin

Eine bemerkenswerte Besonderheit des Berliner Zuchtpaares ist sein vergleichsweise später Fortpflanzungserfolg. Das erste Ei wurde erst im Alter von 19 Jahren gelegt. Die erste erfolgreiche Elternaufzucht eines Jungvogels gelang den beiden sogar erst im Alter von 25 Jahren. Dieser Zuchterfolg war nicht nur für Berlin, sondern auch für die europäische Zoopopulation von großer Bedeutung.

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