«Moderate Stimmen sollten öfter gehört werden»
El periodista Benjamín Álvarez Gruber es corresponsal en Estados Unidos para la Deutsche Welle (DW) desde 2023. Recientemente animó a los cuartos medios del Colegio Alemán de Santiago —donde él se graduó el 2011— a estudiar en Alemania, compartiendo experiencias que podrían ayudar a los que quieran seguir ese camino.
Wer sich bei der Deutschen Welle über die USA informieren möchte, wird Benjamin Alvarez vermutlich bereits als Berichterstatter im Fernsehen gesehen und gehört haben. Als US-Korrespondent hat der aus Santiago stammende 32-Jährige eine außergewöhnliche Karriere im Medienbereich hingelegt. Im Cóndor-Interview spricht er über seinen eigenen Findungsweg, Entwicklungen im Journalismus und seine Arbeit in den USA.

Ist für dich Chile und Deutschland gleichermaßen Heimat?
Ich fühle mich beiden Ländern gleich verbunden. In meiner Familie wurden beide Sprachen gesprochen. Heutzutage fühle ich mich sowohl mit Blick auf die chilenischen Anden, die Frankfurter Skyline oder den Berliner Fernsehturm zuhause.
Inwiefern hat dich dein deutscher Hintergrund geprägt?
Meine Großeltern Helga und Walther Gruber legten großen Wert darauf, dass meine Schwestern Tatiana, Paulina und ich auf die Deutsche Schule Santiago gehen und bilingual aufwachsen. Regelmäßige Reisen zur Familie in Deutschland haben früh meine Verbindung zum Land gestärkt. Die Entscheidung, nach der Schulzeit fürs Studium nach Deutschland zu ziehen, lag daher auf der Hand.
Wie kam es dazu, dass du dich für ein Studium an der Universität Passau entschieden hast?
Ich war einer der vielen, der nach der Schule nicht wusste, wohin es gehen sollte. Ich studierte erst Betriebswirtschaftslehre in Marburg, merkte aber schnell, dass ich etwas anderes machen wollte. An der Universität Passau gefiel mir die Internationalität und die vielen praktischen Module beim Studiengang «Medien und Kommunikation».
Welche Interessen haben dich dazu motiviert? Gab es Menschen, die für deinen Weg wichtig waren?
Die Unterstützung meiner Eltern und meines engeren Freundeskreises war entscheidend. Ein Studium abzubrechen, um ein neues zu beginnen, war mir auch eine gute Lehre. Man findet nicht immer auf Anhieb, was man möchte. Das sollte einen aber nicht davon abhalten, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen und auch Neues zu versuchen.
Du hast nach deinem Studienabschluss an der Universität Passau im Jahr 2018 mit einem Traineeprogramm bei der Deutschen Welle in Berlin angefangen. Wie kam es dazu?
Den Sender kannte ich schon aus meiner Schulzeit. Als Student in Marburg moderierte ich eine Folge einer Reisesendung der DW. Nach zwei Praktika in der spanischen Redaktion habe ich mich auf das bilinguale Volontariat beworben und wurde angenommen.
Wie war der Anfang für dich? Kam dir zugute, dass du aus einem spanischsprachigen beziehungsweise einem lateinamerikanischen Land stammst?
Die Berichterstattung eines Mediums kann nur so divers sein wie die Menschen, die diese produzieren. So viele Nationalitäten in einem Unternehmen zu haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Über diese Erweiterung meines eigenen Horizonts bin ich sehr dankbar. Meinen lateinamerikanischen Hintergrund konnte ich in allen DW-Redaktionen, in denen ich bisher gearbeitet habe, einbringen.
Von 2021 bis 2023 warst du politischer Korrespondent in Berlin. Ist der politische Bereich ein Feld, das dich besonders interessiert?
Während meines Volontariats habe ich Einblicke in die politische Berichterstattung in unserem Hauptstadtstudio in Berlin bekommen. Als ich gefragt wurde, ob ich politischer Korrespondent werden möchte, habe ich deshalb sofort zugesagt. Dort beschäftigte ich mich speziell mit der Partei AfD und der Querdenker-Bewegung in der Pandemie-Zeit. Eine herausfordernde, aber auch lehrreiche Zeit.
Seit November 2023 arbeitest du als Korrespondent für die Deutsche Welle aus den USA. Ist damit ein Traum für dich in Erfüllung gegangen?
Das kann man so sagen! Aus einem so diversen Land in einer Zeit berichten zu können, die spannend und komplex ist, gefällt mir sehr. Wir haben hier ein wirklich tolles Team, wir ergänzen uns alle sehr gut.
US-Politik, Wahlen, internationale Beziehungen und Konflikte sowie gesellschaftliche Entwicklungen in den USA sind deine Themen. Worauf achtest du bei deiner Berichterstattung? Was fällt dir grundsätzlich leicht und was fällt dir schwer bei deiner Arbeit?
Die Nachrichtenflut, die wir in den USA erleben, ist kein Zufall – sie ist Kernstück der Kommunikation der Trump-Regierung. Statt mich von dieser Flut mitreißen zu lassen, versuche ich bewusst, Abstand zu halten. Das ist allerdings oft einfacher gesagt als getan! Was mir dagegen leicht fällt: Menschen zuzuhören. Diese unterschiedlichen Meinungen baue ich dann in unsere Berichterstattung ein.
Wie meinst du, hat sich der Journalismus in den letzten Jahren verändert?
Der Journalismus, wie auch unsere Gesellschaften, entwickeln sich rasant. Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz können in Sekunden Fotos und Videos hergestellt werden. Wir leben in einer Zeit, in der Algorithmen uns oft die eigene Meinung verstärkt widerspiegeln und andere Ansichten ausblenden. Vor allem die Standpunkte, die vehement geäußert werden, bekommen größere mediale Aufmerksamkeit. Daher sollten moderate Stimmen öfter gehört werden. Wir leben in einer komplexen Welt. Der Wunsch, alles in klare Schwarz-Weiß-Kategorien einzuteilen, ist verständlich. Doch auch die verschiedenen Grautöne sollten in der Berichterstattung nie zu kurz kommen.
Was machst du in deiner Freizeit, wie entspannst du?
Ich genieße Treffen mit Freunden, Reisen und Spaziergänge, kulturelle und politische Veranstaltungen – ja, in meiner Freizeit beschäftigeich mich auch gerne mit Politik. Ich empfinde es als ein großes Privileg, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.



