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Tuesday, 13. January 2026
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Porträt – Martina Held

Agraringenieurin

Ein Leben zwischen Erbe, Verlust und Neubeginn

El anhelo de libertad, pero también la búsqueda de serenidad marcaron su vida. Martina Held ha vivido duros golpes del destino y, una y otra vez, ha tomado las riendas para afrontar los desafíos. «Sueños, esperanzas, desilusiones… Hakuna Matata», dice cuando mira su vida en retrospectiva. La expresión proviene del suajili. Para ella es una actitud que significa «bailar bajo la lluvia, encontrar fuerzas y levantarse cada día de nuevo».

«Ich bin auf dem Land aufgewachsen, und dank dessen konnte ich meinen Entdeckerdrang stillen. Oft verschwand ich ganze Tage lang. Mit Stiefeln an den Füßen erkundete ich Flüsse, Sümpfe und Wälder in der Nähe des Llanquihue-Sees – ein Gebiet voller Abenteuer. Und zu Hause waren die Zimmer voller Bücher, und politische sowie wirtschaftliche Gespräche prägten den Alltag», erzählt Martina Held beim Rückblick auf ihre Kindheit und Jugend in der Nähe von Purranque.

Sie wuchs in einer Familie auf, die tief in den deutschen Traditionen Südchiles verwurzelt war, wie sie erzählt: «Wir wurden liebevoll erzogen, mit Respekt, mit christlichem Glauben und mit deutschen Traditionen. Lesen, Musik und ein gesunder Lebensstil waren selbstverständlich.»

Martina wurde 1960 als Tochter von Maria Höchtl und Emil Held geboren. Ihr Vater ist der Namensgeber des Emil-Held-Archivs, der wichtigsten Sammlung der deutsch-chilenischen Geschichte. «Mit meinem Vater hatte ich ein sehr gutes Verhältnis», erinnert sie sich. Sie stammt aus der zweiten Ehe ihres Vaters, der im Jahr ihrer Geburt fast alle politischen Verantwortungen abgegeben hatte, um sich seiner neuen Familie und dem landwirtschaftlichen Betrieb zu widmen. «Wir hatten einen sehr liebevollen Vater, der sich Zeit für uns nahm. Schließlich war er schon 62 Jahre alt, als ich geboren wurde. So begleitete ich ihn oft zur Feria, zum Viehmarkt, auch zum Pflanzen von Bäumen – eine andere Leidenschaft von ihm -, zum Schreinern, Schmieden und zur Arbeit im Gemüsegarten. Auf dem Land mit Pferd oder zu Fuß.» 

Viel Zeit verbrachte Emil Held mit seiner Sammlung im Keller des Hauses der Familie. Auch Martina und ihre jüngere Schwester halfen mit «beim Ordnen, Aufräumen und Säubern der Dokumente. Geschichte hat mich schon immer interessiert, und ich habe meinem Vater schon damals viele Fragen gestellt».

1971, als sie elf Jahre alt war, verließ die Familie Chile. «Meine Eltern erhielten Drohungen, dass sie enteignet werden sollten – vor allem auch die wertvolle Dokumentensammlung meines Vaters.» Zunächst ging es nach Bayern. «Meine Mutter stammte aus München, und wir lebten ein Jahr in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen», erinnert sie sich. «Da hat es mir gut gefallen. Die Berge, die Freiheit, in die Natur zu gehen, und die Menschen – sie waren offen und herzlich.» Nach einem Jahr zog die Familie nach Leutershausen an der Bergstraße, wo Martina und ihre Schwester drei Jahre lang ein katholisches Mädchengymnasium besuchten.

1975 kehrte die Familie zurück nach Purranque. Nach ihrem Schulabschluss an der Deutschen Schule Osorno 1979 begann Martina ihr Studium der Agrarwissenschaften an der Universidad Austral de Chile in Valdivia. «Das war meine Welt – Pflanzen, Erde, Fleisch, Milchwirtschaft und Verwaltung. Wachstum.» 1986 heiratete sie und zog mit ihrem Mann nach Punta Arenas und Puerto Natales. Zurück in Purranque ließen sie sich im Landhaus ihrer Eltern nieder. «Ich arbeitete in einem landwirtschaftlichen Unternehmen, gründete eine Milchproduktion, mein Mann führte einen Eisenwarenhandel. Es waren schöne, aber auch anstrengende Jahre.»

Dann kamen schwere Schicksalsschläge: «1993 starb meine geliebte Mutter, ein Jahr später mein Bruder Rudy. Und 1996 verlor ich im fünften Schwangerschaftsmonat ein Baby.» Kurz darauf starb ihr Vater mit 98 Jahren. «Ein Jahr später verstarb mein Ex-Mann. Ich musste das große Haus meiner Eltern verkaufen, um Schulden zu begleichen, rettete dadurch aber den Rest des Landes. Dort konnte ich mir dann auch ein neues Zuhause aufbauen.»

Sie beschloss, in die Politik zu gehen: «Ich wollte etwas bewegen und wurde Gemeinderätin inPurranque. Es war eine intensive, lehrreiche Zeit.»

Nach einer weiteren Beziehung wurde ihr drittes Kind geboren. «Ich arbeitete als Beraterin für Bewässerung und Drainage, züchtete Vieh und kämpfte jeden Monat, um alle Ausgaben zu decken. Oft lag ich nachts wach – aber Hakuna Matata: Irgendwie ging es immer weiter.»

2004 wurde ihr Leben erneut erschüttert: «Bei meinem 13-jährigen Sohn wurde ein Tumor an der Wirbelsäule entdeckt. Nach einer Notoperation war er querschnittsgelähmt und es begann das Martyrium der Behandlungen in Santiago. Sieben Monate lang ertrug mein tapferer Sohn Chemo- und Strahlentherapie. Ich war immer bei ihm. Freunde halfen mir.» Er wurde gesund und lernte wieder zu gehen: «Anfang 2005 konnten wir als Familie wieder ein normales Leben führen.»

Martina blickt mit Gelassenheit auf ihr Leben: «Jedes Kapitel war intensiv, schmerzhaft, spannend und bereichernd. Und zweifellos hat mir der Satz „Laissez faire, laissez passer“ geholfen, jeden Moment anzunehmen, ihn als Chance zu sehen.»

Wichtig ist ihr, «eine solide, gute Beziehung zu jedem meiner drei Kinder zu haben, was zweifellos zu meinem inneren Wohlbefinden beiträgt und mir Hoffnung auf familiäre Stabilität und Zugehörigkeit in Zukunft gibt».

Heute lebt sie wieder auf dem Land in Purranque, wo sie sich um Haus, Garten und eine kleine Schafwirtschaft kümmert: «Irgendwie habe ich versucht, mein Erbe nicht zu verlieren, sondern mehr daraus zu machen, was zusammen mit der Aufgabe, Kinder aufzuziehen, nicht so einfach war.» Sie hat neue Projekte und einen liebevollen Partner, ein ehemaliger Schulkamerad: «Ich sehe, wie sich Kreise schließen – Geschichte, Politik, Nachbarn, Archive. Alte Menschen, neue Menschen. Alles verbindet sich: Vergangenheit und Gegenwart. Das ist Identität. Das ist Geschichte.».

Foto: privat

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