25.6 C
Santiago
6.6 C
Berlin
Sunday, 7. December 2025
HomeGemeinschaftDeutsche SpracheInsalco-Absolvent und DHBW-Student Diego Güell 

Insalco-Absolvent und DHBW-Student Diego Güell 

Spezialausgabe – Estudiar en países de habla alemana

«Mehr Freiheiten, aber auch mehr Selbstdisziplin»

Diego Güell estudia desde septiembre «Wirtschaftsingenieur-
wesen» en la Dualen Hochschule Baden- Württemberg (DHBW) en Mannheim. Tras terminar sus estudios en el Colegio Alemán de Santiago, realizó una formación profesional en Insalco y desde marzo del año pasado trabaja en Alemania.

iego Güell studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg 
Mannheim.
foto: privat

Welche Erwartungen hattest du an deinen Aufenthalt in Deutschland?

Ich hatte erwartet, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Daher erschien mir der Weg, ins Ausland zu gehen als der richtige. Inzwischen ist der Fortschritt deutlich spürbar – daher würde ich sagen, dass sich meine Erwartungen erfüllt haben, auch wenn der Weg noch lange nicht zu Ende ist.

Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt bin ich wirklich weit weg von zu Hause?

Mehrmals. Zum Beispiel, wenn ich morgens Lust auf eine «Marraqueta con Palta» zum Frühstück habe – oder wenn ich Fotos von Freunden und der Familie sehe, die gemeinsam etwas unternehmen, und ich weiß, dass ich in Chile sicher dabei wäre. Es ist so etwas wie Heimweh.

Was hat dich in den ersten Tagen oder Wochen am meisten überrascht?

Im Alltag hat mich überrascht, wie ähnlich wir Menschen uns sind. Trotz der mehr als 12.000 Kilometer Entfernung, der unterschiedlichen Kulturen und Bildungssysteme, habe ich festgestellt, dass es viel mehr Gemeinsamkeiten und weit weniger Unterschiede gibt, als ich dachte.

Gleichzeitig halte ich diese Erkenntnis für äußerst wertvoll: Trotz großer sozialer, kultureller oder wirtschaftlicher Unterschiede gibt es immer verbindende Elemente, die Brücken zwischen Menschen oder Gruppen schlagen können – eine Grundlage für gegenseitig bereichernde Beziehungen. Das vergessen wir, glaube ich, oft.

Warum hast du dich entschieden, in Deutschland zu studieren?

Zwei Faktoren waren für mich ausschlaggebend. Erstens hatte ich bereits gewisse Deutschkenntnisse, was mir den Zugang zu einem Studienplatz erleichterte.

Zweitens interessierte mich das duale Studienmodell, das in Deutschland entstanden und hier stärker verbreitet ist als irgendwo sonst auf der Welt.

Wie unterscheidet sich das Studium in Deutschland von dem in Chile?

Ich finde, das deutsche System bietet mehr Freiheiten, verlangt aber zugleich ein höheres Maß an Selbstdisziplin. Das Studium ist stärker auf Eigenverantwortung ausgelegt, und oft entscheidet eine einzige Prüfung darüber, ob man ein Fach besteht oder nicht – das erfordert eine sehr strukturierte Arbeitsweise.

Wie war die Wohnungssuche für dich?

Ein glücklicher Umstand hat vieles erleichtert. Dennoch ist die Wohnungssuche – besonders, wenn man das System nicht kennt, wie ich – eine Herausforderung. Man muss lernen, was eine Schufa, die Auskunft über die Kreditwürdigkeit gibt, ist – und dass eine leere Schufa für Ausländer immerhin besser ist als eine schlechte. 

All das war anstrengend, aber auch lehrreich. Diese Erfahrungen haben mein Selbstvertrauen gestärkt. Rückblickend erscheinen mir diese schwierigen Momente heute fast wie ein Wimpernschlag.

Was gefällt dir am Leben in Mannheim besonders?

Die hervorragende Vernetzung und Erreichbarkeit finde ich besonders angenehm. Außerdem schätze ich die Vielfalt – sei es bei den Jobmöglichkeiten oder bei den vielen Sprachen, die man an einem einzigen Tag hören kann.

Gibt es Dinge, die dich anfangs irritiert oder überrascht haben?

Die Bürokratie empfinde ich als besonders mühsam – alles auf Papier, per Post, langsam und extrem unflexibel. Es ist frustrierend, eine beglaubigte Kopie per Post schicken zu müssen, obwohl das betreffende Dokument digital offiziell gültig ist. Solche Situationen treten häufiger auf, als man erwarten würde.

Anmeldung zum Cóndor-Newsletter

Wir senden Ihnen den regelmäßig erscheinenden Newsletter mit unseren Textempfehlungen zu.

- Werbung -

Mehr Lesen