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Tuesday, 19. May 2026
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Bildung und Beruf

Insalco-Leiter Marcus Reineke zum neuen Ausbildungsgang

«Kaufmann für Digitalisierungsmanagement» – für alle Branchen relevant

Marcus Reineke es desde agosto director del Insalco. Estudió Ciencias Económicas y Alemán para la docencia profesional en la Bergische Universität–Gesamthochschule Wuppertal y en el año 2000 rindió el segundo examen estatal. En la entrevista con Cóndor habla sobre sus planes para el Insalco, así como sobre las oportunidades del nuevo programa de formación «Kaufmann für Digitalisierungsmanagement».

Was hat Sie motiviert, Leiter des Insalco zu werden?

Nach mehr als 25 Jahren an einem Kaufmännischen Berufskolleg in Düsseldorf, davon viele Jahre in Leitungspositionen, möchte ich nun etwas Neues kennenlernen: ein anderes Land, einen anderen Kontinent, eine andere Kultur, ein anderes Bildungssystem. Und es ist ein großes Abenteuer für die ganze Familie: für meine Frau, die auch hier unterrichtet, und für unsere beiden Kinder (12 und 14), die jetzt die Deutsche Schule Santiago besuchen.

Welche besonderen Stärken sehen Sie in dieser Berufsschule und ihrem Team?

Den engen Kontakt zu den Schülern und Unternehmen sowie die Zusammenarbeit und der direkte Austausch in einem kleinen Team.

Welche kurzfristigen Prioritäten haben Sie sich für das erste Jahr gesetzt?

Für mich ist es erstmal wichtig, hier anzukommen und viel kennenzulernen und zu beobachten. Und wenn ich mir ein etwas besseres Bild gemacht habe, auch eigene Ideen zur Unterrichtsgestaltung und Organisation einzubringen. Daneben wird ein Schwerpunkt sicherlich die Einführung des neuen Bildungsgangs «Kaufmann für Digitalisierungsmanagement» sein. 

Was möchten Sie langfristig für das Insalco erreichen?

Das duale System der Berufsausbildung noch stärker in Chile bekannt zu machen und dadurch auch noch mehr Studenten und Unternehmen für das Insalco zu gewinnen.

Gibt es Pläne, das Insalco  stärker in regionale oder internationale Bildungsnetzwerke einzubinden?

Die Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort könnte wahrscheinlich noch intensiviert werden, zum Beispiel durch gemeinsame Projekte. International haben wir schon viele Kooperationen mit deutschen Universitäten und Berufsschulen, die wir weiter pflegen werden. Eine Kooperation mit meiner bisherigen Schule in Düsseldorf, dem Walter-Eucken-Berufskolleg, möchte ich auch etablieren, da es hier im Bereich Spedition und Groß- und Außenhandel viele Überschneidungen gibt.

Was genau versteht man unter dem Ausbildungsberuf «Kaufmann für Digitalisierungsmanagement»?


Der Kaufmann für Digitalisierungsmanagement ist ein seit 2020 in Deutschland anerkannter Ausbildungsberuf, dessen Ziel es ist, kaufmännisches Wissen und IT-Know-how zu verbinden. Die Auszubildenden lernen dabei, digitale Geschäfts- und Arbeitsprozesse zu analysieren, zu optimieren und neue digitale Lösungen einzuführen. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und IT, also zwischen «Technik» und «Organisation».

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen werden die Auszubildenden in diesem Programm erlernen?

Die Auszubildenden erwerben IT-Grundlagen wie Netzwerke, Datenbanken, IT-Sicherheit und Cloud-Technologien. Sie beschäftigen sich mit Datenmanagement, also der Erfassung, Auswertung und Interpretation von Daten. Ein weiterer Bereich ist das Prozessmanagement, bei dem es um die Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen geht. Auch das Projektmanagement spielt eine Rolle, insbesondere die Planung, Umsetzung und Kontrolle von Digitalisierungsprojekten. Hinzu kommen kaufmännische Kompetenzen wie Kostenrechnung, Controlling und Vertragswesen. Darüber hinaus werden Fähigkeiten in Kommunikation und Beratung vermittelt, beispielsweise Bedarfsanalyse, Präsentation von Lösungen und Anwenderschulung. Schließlich gehört auch der Bereich Recht und Compliance dazu, also Datenschutz (DSGVO), IT-Recht und Urheberrecht.

Der «Kaufmann für Digitalisierungsmanagement» wird der fünfte Ausbildungsgang sein, den das Insalco anbietet.

Wie unterscheidet sich dieser Ausbildungsgang von einer klassischen kaufmännischen Ausbildung?

Neben den klassischen kaufmännischen Inhalten wie Kaufvertragsrecht, Arbeitsrecht oder Konjunkturpolitik bietet dieser Ausbildungsgang viele spannende Themenfelder. Der Technikanteil ist deutlich stärker, mit Fokus auf IT-Systeme, Softwarelösungen und digitale Tools. Außerdem steht die analytische Arbeit im Vordergrund, also Datenanalyse und Prozessoptimierung anstelle rein administrativer Aufgaben. Durch die Projektorientierung werden mehr praxisnahe Digitalisierungsprojekte umgesetzt, statt sich nur auf Routineaufgaben zu beschränken. Zudem übernehmen die Auszubildenden eine Schnittstellenrolle mit direktem Austausch zu IT-Abteilungen, Entwicklern und externen Dienstleistern.

Warum wurde entschieden, gerade jetzt diesen Ausbildungsgang einzuführen?

Der Ausbildungsberuf entspricht dem Wandel in den Unternehmen und ist ein sehr moderner kaufmännischer Bildungsgang. Die Digitalisierung macht diese Ausbildung besonders aktuell.

Welche Berufsfelder und Karrieremöglichkeiten eröffnen sich Absolventen danach?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Absolventinnen und Absolventen können als IT-Projektmanager und Projektmanagerin, Prozessmanager und Prozessmanagerin in Industrie und Verwaltung, Datenanalyst und Datenanalystin oder IT-Consultant arbeiten. Auch Tätigkeiten im Bereich Digitale Transformation oder Change Management sind denkbar. Zusätzlich stehen verschiedene Fortbildungen offen, zum Beispiel als Fachwirt für Informations- und Telekommunikationstechnik oder ein Studium wie Bachelor in Wirtschaftsinformatik oder Digital Business.

Wie wird die digitale Kompetenz in den Unterricht integriert – eher theoretisch oder praxisnah?

Optimalerweise praxisnah, kombiniert mit theoretischen Grundlagen. Dazu gehören Projektarbeiten mit realen Unternehmensaufgaben, die Nutzung echter Unternehmenssoftware wie ERP-Systeme, zum Beispiel SAP oder CRM-Tools, die Simulation von Digitalisierungsprojekten sowie Workshops zu aktuellen IT-Trends wie Künstliche Intelligenz oder Cloud-Technologien.

In welchen Unternehmen werden die Auszubildenden arbeiten können?

Sie reichen von IT-Dienstleistern über Industrieunternehmen, Handels- und Logistikunternehmen bis hin zu Banken und Versicherungen. Auch Behörden und öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen  –  zum Beispiel Krankenhäuser mit Digitalisierungsprojekten – oder Start-ups im Tech-Bereich kommen infrage. 

Welche technischen Ressourcen (Hardware, Software, Plattformen) stehen für den neuen Bildungsgang zur Verfügung?

Zur Verfügung stehen Betriebssysteme wie Windows, Schüler-Arbeitsplätze mit PCs, Office- und Kollaborationstools wie Google Workspace, ERP-Systeme wie SAP sowie E-Learning-Plattformen wie Google Classroom.

Wie werden Lehrkräfte auf die Anforderungen dieses neuen Berufsbildes vorbereitet?

Die Lehrkräfte nehmen an Fortbildungen in IT-Themen wie Cloud, IT-Sicherheit, Datenanalyse, Prozessdigitalisierung, Programmiersprachen und Datenbanken teil. Zusätzlich werden Schulungen in moderner Didaktik durchgeführt, etwa zu Design Thinking, Projektarbeit oder agilem Arbeiten. Schließlich werden Netzwerke mit Unternehmen und der Auslandshandelskammer (AHK) gebildet.

Welche Erwartungen haben Sie persönlich an den neuen Ausbildungsgang?

Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Ausbildungsgang eine deutlich größere Zahl von Unternehmen erreichen werden, weil der Digitalisierungskaufmann für jede Art von Unternehmen interessant ist.

Die Fragen stellte Silvia Kählert.

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