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Saturday, 6. June 2026
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30 Jahre Internationaler Tag der indigenen Völker der Welt

«Nicht über uns ohne uns»

En todo el mundo viven alrededor de 476 millones de personas indígenas en más de 90 países. Las Naciones Unidas proclamaron el Día Internacional de los Pueblos Indígenas del Mundo para recordar la diversidad cultural, una larga historia de marginación y para hacer un llamamiento a tomar en serio los conocimientos de las comunidades indígenas y su derecho a la autodeterminación. Desde 1995, este día se celebra cada 9 de agosto.

Besonders lebhaft geht es auf Rapa Nui im Februar beim Tapati Festival zu. Dann erwachen alte Traditionen und Riten der Osterinsel.
Foto T photography/ Shutterstock.com

«Nicht über uns ohne uns» ist ein politischer Leitsatz – nicht nur ein Spruch. Er bringt eine zentrale Forderung indigener Bewegungen weltweit zum Ausdruck: Entscheidungen, die indigene Völker betreffen, dürfen nicht ohne deren Zustimmung und Mitbestimmung getroffen werden. Ursprünglich geprägt von der Behindertenrechtsbewegung, wurde der Satz zu einem globalen Motto für marginalisierte Gruppen, die nicht länger fremdbestimmt, sondern selbst gehört werden wollen.

Eine Geschichte von Widerstand  und Überleben

Indigene Völker gehören zu den ältesten Gemeinschaften dieser Erde. Ihre Sprachen, Weltanschauungen und Lebensweisen spiegeln eine enge Verbundenheit mit der Natur und der jeweiligen Region wider – sei es in den Wäldern des Amazonas, den Savannen Afrikas, dem arktischen Eis oder den Anden Südamerikas. Doch Kolonialismus, Vertreibung, Zwangsassimilation und wirtschaftliche Ausbeutung haben tiefe Spuren hinterlassen. In vielen Fällen wurden indigene Gemeinschaften systematisch entrechtet – politisch, kulturell und ökonomisch. Trotz alledem haben sie überlebt. Sie haben sich organisiert, Rechte erkämpft und eigene Bildungsmodelle entwickelt. Der Welttag – ins Leben gerufen durch die Vereinten Nationen im Jahr 1994 – will genau das sichtbar machen: die Resilienz, aber auch die strukturellen Ungleichheiten, denen indigene Völker weiterhin ausgesetzt sind.

Globale Probleme, lokale Folgen

Ob Klimakrise, Artensterben oder Rohstoffhunger – indigene Territorien sind oft besonders betroffen. Studien zeigen, dass etwa 80 Prozent der biologischen Vielfalt der Erde in indigenen Gebieten liegt. Doch diese Schutzräume sind bedroht durch Abholzung, Bergbau, Staudammprojekte oder Agrarkonzerne.

Zugleich sind indigene Gemeinschaften häufig Vorreiter nachhaltiger Praktiken. Sie kennen die Wälder, Böden und Wasserkreisläufe besser als viele moderne Experten – nicht als abstrakte Ressource, sondern als lebendige Mitwelt. Ihr Beitrag zum Klimaschutz und zur Erhaltung der Biodiversität wird inzwischen auch von internationalen Organisationen betont. Dennoch bleibt ihre Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen oft marginal.

Sprache, Identität und Bildung

Viele indigene Sprachen gelten heute als gefährdet oder vom Aussterben bedroht – mit ihnen verschwindet nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sondern ein ganzer Wissensschatz. Sprache ist Trägerin von Geschichte, Ritualen, Weltbildern. Wenn indigene Kinder keine Möglichkeit haben, ihre Muttersprache zu sprechen oder zu lernen, geht ein Teil ihrer Identität verloren. Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Immer mehr indigene Gemeinschaften setzen auf zweisprachige Bildungssysteme, revitalisieren ihre Sprachen, fordern kulturelle Autonomie und eigene Medienformate – vom Radio bis zu TikTok. 

Der Welttag in Chile

Der Welttag der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt findet auch in Chile zunehmend Aufmerksamkeit. Über zwei Millionen Menschen im Land identifizieren sich heute als Angehörige eines indigenen Volkes, das entspricht rund 12,8 Prozent der Bevölkerung (Volkszählung 2017). Der Großteil gehört dem Volk der Mapuche an, doch auch Aymara, Rapa Nui, Quechua, Kawésqar und andere Gruppen sind Teil der kulturellen Vielfalt Chiles.

Denkmal der Yámana in Ushuaia
Foto: Moncay

Der Welttag erinnert an ihre Geschichte und daran, wie wenig Raum ihre Stimmen noch immer im politischen, sozialen und medialen Diskurs einnehmen. Zwar wurde in der neuen Verfassung von 1980 erstmals anerkannt, dass es indigene Völker in Chile gibt – doch rechtlich garantierte Selbstbestimmung, territoriale Autonomie oder kollektive Landrechte sind bis heute keine Realität. 

Die Debatte um eine neue chilenische Verfassung hatte bei vielen indigenen Gruppen zunächst Hoffnung geweckt: Die erste verfassungsgebende Versammlung (2021–2022) beinhaltete erstmals reservierte Sitze für indigene Vertreter. Der daraus hervorgegangene Entwurf war auch als «plurinational» konzipiert – ein historischer Schritt. Viele indigene Organisationen äußerten Enttäuschung, trotzdem gibt es Fortschritte wie mehr Sichtbarkeit in den Medien, zweisprachige Schulprogramme und indigene Radiosender.

Ein Blick auf die Zukunft

Der Welttag der indigenen Bevölkerungsgruppen erinnert daran, dass Chile nicht einsprachig und schon gar nicht homogen ist. Die Anerkennung indigener Rechte ist kein symbolischer Akt – sie ist Grundvoraussetzung für ein demokratisches, gerechtes und nachhaltiges Zusammenleben. Denn viele der aktuellen Herausforderungen – vom Schutz der Wälder bis zur gerechten Wasserverteilung – lassen sich nicht lösen ohne das Wissen, die Perspektiven und die aktive Beteiligung indigener Völker. So ist der 9. August mehr als ein Gedenktag. Er ist ein Spiegel. Und eine Frage: In welchem Land wollen wir leben – und wer darf es mitgestalten?

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