Leiterin der Bildungsstiftung Choshuenco
«Das Hauptziel nie aus den Augen verlieren»
«La pedagogía me toca muy de cerca. Es donde más se puede cambiar la sociedad, porque el progreso social sólo se consigue con una educación coherente y de calidad, y lo más importante es que empiece en la primera infancia.»

Beatriz, genannt Titi, studierte zunächst zwei Jahre lang Mathematik. Dann stellte sie fest, dass die Pädagogik eigentlich eher ihren Wünschen entsprach und wechselte das Fach: Einem Studium der Psychopädagogik folgten als Ergänzung Grundlagen der Pädagogik auf in deutscher Sprache. «Dieser Bereich liegt mir sehr am Herzen», sagt sie. «Hier kann man die Gesellschaft am meisten verändern, denn sozialer Fortschritt ist nur durch eine konstante und qualitativ hochwertige Bildung möglich und das Wichtigste ist, dass diese in der frühen Kindheit beginnt.»
Seit 15 Jahren leitet Beatriz von Appen die Bildungsstiftung Choshuenco, die Bildungszentren in ganz Chile unterstützt. Das Projekt entstand als Familieninitiative, anfänglich waren auch ihre Geschwister Marion und Richard dabei, und sollte sich auf die frühe Kindheit konzentrieren. Heute verwaltet sie – teilweise in Kooperation mit anderen Einrichtungen –- vier Kindergärten in den sozial schwachen Stadtteilen Colina, San Ramón, San Bernardo und La Pinatna.
«Wir gehören zum Netzwerk der Nationalen Behörde für Kindergärten, Junji, sind von der Regierung abhängig und erhalten Zuschüsse vom Staat. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Arbeit mit den Familien, denn für uns sind diese die Verantwortlichen für die Entwicklung von so wichtigen Grundlagen wie Ordnung, Respekt, Verantwortungsgefühl, Freude und die Stimulierung der Sprache. Ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kindergärten sind die Familienzentren. Hier begleiten und unterstützen verantwortliche Personen die Familien in diesem sehr wichtigen Erziehungsprozess in den frühen Lebensjahren. Dies hat dazu beigetragen, dass die Kindergärten besser besucht werden, da den Eltern die Bedeutung eines kontinuierlichen Bildungsprozesses bewusst wird. Aufgrund der guten Ergebnisse haben wir ein Transferprogramm ins Leben gerufen, um unser Projekt anderen Kindergärten zu vermitteln. Damit haben wir bereits mehr als 50 Kindergärten in anderen Teilen Chiles erreicht.»
Beatriz von Appen kam als Jüngste von drei Geschwistern 1968 in Santiago zur Welt. «Ich gehöre zur ersten Generation, die in Chile geboren wurde, bin mit all den wunderbaren deutschen Bräuchen aufgewachsen und habe mit meinen Großeltern, Hans und Lydia Lahres sowie Albert und Inge von Appen, Deutsch gesprochen, mit meinen Eltern Wolf und Wilma eine Mischung aus Deutsch und Spanisch.» Der Besuch der Deutschen Schule in Santiago habe sie gelehrt, dass man sich anstrengen und ständig arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen, erklärt Titi.
Jedoch fehlte es ihr damals an Unterstützung beim Erwerb sozialer Kompetenzen, die sie im Leben von grundlegender Bedeutung sieht. «Ich hatte das Glück, dass ich zu Hause viel davon lernen konnte. Mein Großvater hat entscheidend zur Entwicklung seines Sohnes zu einem erfolgreichen Unternehmer beigetragen, vor allem durch aktives Lernen in der Praxis. Mein Vater ist ein Mensch mit großen Werten und hatte immer die Vision, allen seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich beruflich weiterzuentwickeln. Noch heute trifft er sich mit ehemaligen Kollegen zum Mittagessen, um sich über das gemeinsam Erlebte auszutauschen. Meine Mutter hat Sekretärin gelernt und in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Nachdem sie geheiratet hatte, widmete sie sich der Erziehung ihrer Kinder, der Sozialarbeit und vor allem der Unterstützung meines Vaters bei all den Anforderungen, welche die Leitung eines Unternehmens wie Ultramar mit sich bringt.»
Als Mitglied des Vorstands der Asociación de Amigos de la Universidad de los Andes setzt sich Beatriz dafür ein, all jenen die Möglichkeit zu geben, an dieser Universität zu studieren, die es aus wirtschaftlichen Gründen nicht können. «Es ist erstaunlich, wie viele junge Menschen dadurch sowohl akademisch als auch geistig gewachsen sind. Ich freue mich, dazu beitragen zu können, dass viele Zugang zu einer hochwertigen Hochschulbildung und damit mehr Chancen für ihre Zukunft bekommen.»
Mit ihrem Ehemann Francisco Matte Vial, der Agronom ist, hat Beatriz sechs Kinder: Bernardita, María Ignacia, Fracisco, Benjamin, Dominga und Antonia. Die Familie lebte einige Jahre in der Schweiz, in Deutschland und Argentinien. «Die anderthalb Jahre in Hamburg, wo meine Familie väterlicherseits herkommt, waren eine besondere Erfahrung. Auch meine Eltern hatten uns vor allem Deutschland gezeigt, um uns mit der ganzen Familie dort in Verbindung zu halten.»
Sport ist ihr großes Hobby, da dieser die Familie zusammenbringt, besonders dann, wenn man ihn in der Gruppe treiben kann. «Ich hatte das Glück, ab meinem siebten Lebensjahr meine Ferien an einem wunderschönen Ort im Süden Chiles in der Nähe von Choshuenco zu verbringen, weshalb unsere Stiftung nach ihm benannt ist. Hier trifft sich die Familie, die Enkelkinder können Zeit mit ihren Großeltern verbringen. Auch gemeinsame Familienausflüge motivieren mich sehr.»
Wenn es Schwierigkeiten gibt, ist es wichtig, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren und gezielt Hilfe bei erfahrenen Personen zu suchen. «Gott sei Dank wurde ich immer von meiner Familie begleitet, von meinen Eltern und auch von Freunden. Das Wichtigste ist, dass man Hoffnung und Zuversicht hat – dann findet sich immer eine Lösung.»
Foto: privat



