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Tuesday, 17. February 2026
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Zum 200. Geburtstag von Friedrich Bayer

Vom Farbenhändler zum Gründer eines Weltkonzerns

Aspirina, química y Leverkusen: eso es lo que hoy viene a la mente cuando se piensa en el nombre de la empresa Bayer. Pero la historia de este gigante mundial comenzó en 1825, en una pequeña casa del barrio de Barmen en Wuppertal —que en aquel entonces aún era una ciudad independiente— con un niño llamado Friedrich.

Zwischen Seide und Säure

Am 6. Juni 1825 wurde Friedrich Beyer als Sohn eines Seidenwebers geboren. Später sollte er den Namen leicht abändern – aus Beyer wurde Bayer –, um sich nicht mit einem betrügerischen Namensvetter in Leipzig verwechseln zu lassen. 

Die Textilindustrie war das Rückgrat der Region – Barmen und Elberfeld galten bald als erste Industrieregion Deutschlands. Schon als Jugendlicher schnupperte Bayer Industriekultur: Mit 14 Jahren begann er eine Lehre bei der Chemikalienhandlung Wesenfeld & Co., wo er den Umgang mit Schwefelsäure, Chlorsalz und Soda lernte. Ein junger Kaufmann mit einem Gespür für Märkte und ein feines Näschen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Mit 23 Jahren machte sich Bayer selbstständig und handelte mit Naturfarben wie Krapp-Rot und Indigo-Blau. Im selben Jahr heiratete er Caroline Juliane Hülsenbusch, die Tochter eines Schmieds. Mit ihr hatte er vier Kinder: Friedrich, Clara, Adele und Hedwig.

Sein Geschäft florierte, er exportierte bald nach London, Brüssel, Amsterdam und sogar bis nach New York. Doch die Farben waren teuer, oft instabil und nicht lichtecht. Die Lösung kam – wie so oft – durch Zufall.

Ein violetter Zufall und gefährliche Experimente

1856 gelang dem jungen englischen Chemiker William Henry Perkin eine bahnbrechende Entdeckung: Er synthetisierte aus Steinkohleteer den Farbstoff Mauvein – ein intensives Violett. Friedrich Bayer reiste Anfang der 1860er nach England und Frankreich und erkannte sofort das Potenzial dieser neuen Farbstoffe: Sie waren günstiger herzustellen, farbintensiver und haltbarer als Naturfarben. Nur – wie genau sollte man das machen?

Hier kam Johann Friedrich Weskott ins Spiel, ein Färbermeister und Chemiker aus der Nachbarschaft. Die beiden verband nicht nur Freundschaft, sondern auch der Wille zum Experiment. In der Waschküche des Hauses Bayer begannen sie 1861 mit waghalsigen Versuchen. Anstelle von Reagenzgläsern und Laborbrennern nutzten sie einen Tontopf und den Kohleofen der Familie.

Die Experimente stellten eine ernsthafte Gefährdung dar. Bei der Herstellung des Farbstoffs Fuchsin entstand giftiges Arsen – worüber sich vor allem Bayers Frau Caroline Juliane beklagte, die mitsamt den Kindern während der Testphasen regelmäßig das Haus verließ. Doch die Arbeit war schließlich von Erfolg gekrönt: Nach einem halben Jahr hielten Bayer und Weskott ein Pulver in Händen, das in Wasser aufgelöst eine leuchtend rote Farbe ergab – der Durchbruch war geschafft.

Gründung und Expansion mit System

Am 1. August 1863 gründeten die beiden die Handelsgesellschaft Friedr. Bayer & Co. – das war die Geburtsstunde des späteren Weltkonzerns Bayer. Produziert wurde anfangs auf einem Grundstück an der Berliner Straße in Barmen, gleich neben dem Wohnhaus. Die Nachbarn waren jedoch alles andere als begeistert. Die Teerfarben stanken, die Wupper färbte sich schwarz – Beschwerden häuften sich. Drei Jahre später zog Bayer die Konsequenzen und verlegte die Produktion nach Elberfeld, wupperabwärts.

Was folgte, war ein rasanter Aufstieg: Bereits 1865 knüpfte man erste Geschäftsbeziehungen in die USA. Kurz darauf folgten Werke in Russland und Frankreich. Der Erfolg beruhte nicht zuletzt auf Bayers unternehmerischem Gespür: Er war kein Chemiker, aber ein exzellenter Kaufmann, der wissenschaftliche Forschung förderte. Schon 1891 eröffnete Bayer ein wissenschaftliches Hauptlabor mit über 50 Chemikern – in jener Zeit ein Novum.

Die Produktpalette wuchs. Neben Farben produzierte man nun auch Arzneimittel, Desinfektionsmittel und bald das wohl berühmteste Medikament des Unternehmens: 1899 kam Aspirin auf den Markt – ein weltweiter Verkaufsschlager, der Bayer endgültig in die erste Liga der Chemiekonzerne katapultierte.

Früher Tod 

Friedrich Bayer erlebte die volle Blüte seines Unternehmens nicht mehr. Am 6. Mai 1880 starb er auf einer Geschäftsreise in Würzburg an den Folgen einer verschleppten Rippenfellentzündung. Er wurde nur 54 Jahre alt. Sein Partner Weskott war bereits vier Jahre zuvor gestorben.

Doch ihr Werk lebte weiter. Die Firma wurde 1881 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und wuchs unter Carl Duisberg, einem begabten Chemiker und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden, zu einem internationalen Großkonzern. 1912 zog der Hauptsitz nach Wiesdorf an den Rhein, wo aus der Fabrik ein Stadtteil wurde: Leverkusen.

Bayer – der Pharma- und Agrartechnologie-Gigant

Was mit einem Tontopf auf dem Kohleofen begann, wurde zu einem der größten Konzerne der Welt. Heute beschäftigt die Bayer AG über 90.000 Menschen in 80 Ländern. Farben spielen längst keine Rolle mehr – Gesundheit, Agrarwissenschaft und Pharma dominieren das Geschäft.

Im Jahr 2018 hat Bayer eine der folgenreichsten Entscheidungen seiner Unternehmensgeschichte getroffen – den Kauf des US-amerikanischen Saatgut- und Agrochemiekonzerns Monsanto. Nach der Übernahme «erbte» Bayer tausende von Klagen in den USA wegen Gesundheitsrisiken durch Glyphosat. Statt des erhofften Aufstiegs zum Agrarweltmarktführer kosteten die Glyphosat-Klagen Bayer Milliarden und beschädigten das Image schwer. Der Aktienkurs stürzte ab, Investoren verloren das Vertrauen. Erst mit dem CEO-Wechsel 2023 zu Bill Anderson kam Bewegung in den Konzern: radikaler Umbau, mögliche Aufspaltungen und der Versuch, Bayer neu zu positionieren – zwischen Pharmatradition und nachhaltiger Agrartechnologie..

Quelle: Franz Hendrichs, «Bayer, Friedrich», in: Neue Deutsche Biografie 1 (1953), S. 677-678; Zeitzeichen im NDR: «Friedrich Bayer: Von Naturfarben zum Chemie-Weltkonzern» (2010) 

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