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domingo, 19. mayo 2024
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«Vielen Dank, liebe Mami»

Spezialausgabe – Muttertag

«Schafft den Ehrentag der Mutter» hat Anna Marie Jarvis gefordert. Es war ihre eigene Mutter, deren Leistung die US-Amerikanerin unvergesslich machen wollte. Ann Maria Reeves Jarvis gab in ihrer Kirchengemeinde im US-Bundesstaat West Virginia Gesundheits- und Hygienekurse, um die damals hohe Säuglingssterblichkeit zu senken. Der Einsatz von Tochter Anna sorgte dafür, dass ihr Todestag, der 9. Mai, von Präsident Woodrow Wilson 1914 zum Muttertag und nationalen Feiertag erklärt wurde. Bis heute ist das Bedürfnis groß, an diesem Tag herauszustreichen, warum die eigene Mutter für uns wichtig war und ist, wie die folgenden Beiträge zeigen.

«Ein Vorbild dafür, dass nichts unmöglich ist»

Von Francisca Gray Mödinger, Leiterin der Marketing-Agentur GrayLab in Llanquihue

Meine Mutter ist sicherlich eine besondere Persönlichkeit, die uns durch ihr eigenes Beispiel etwas beigebracht hat. Sie hat uns immer wieder gezeigt, dass man Dinge mit harter Arbeit, Anstrengung und Geduld erreichen kann.

Sie ist eine hartnäckige Frau, die in der Lage ist, alles zu erreichen, was sie sich vornimmt, und das durch viel Mühe und Ausdauer. Sie hat uns gelehrt, dass wir keine Angst davor haben sollen, eine Sache in Angriff zu nehmen, einfach «den Sprung ins kalte Wasser» zu wagen und auch mal Risiken einzugehen, dass wir nicht zögerlich sind, wenn wir neue Projekte angehen wollen, die uns zur Erfüllung unserer Träume führen werden, dass wir das Leben genießen sollen und dass der Sinn für Humor ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist.

Sie ist ein Mensch von unglaublichen menschlichen Qualitäten, die auf alle zugeht und nicht zögert, sich für etwas einzusetzen, was sie als sinnvoll erachtet.

Als Kinder haben wir miterlebt, wie meine Mutter es immer wieder geschafft hat, jedes Hindernis zu überwinden, das ihr das Leben in den Weg gelegt hat. Aus diesem Grund – wahrscheinlich ohne es zu wissen – ist sie ein Vorbild für uns dafür geworden, dass nichts unmöglich ist, dass man eine Familie haben kann, einen Job, Unternehmerin sein kann, im Vorstand eines Sportvereins sitzen, Veranstaltungen organisieren kann und reisen und eine Menge anderer Aktivitäten, die das Leben meiner Mutter wie einen unglaublichen Abenteuerroman erscheinen lassen.

Für all dies und noch viel mehr – vielen Dank, Mama!

Francisca Gray Mödinger und ihre Mutter Carmen Gloria Mödinger Münzenmayer

«Ihr Leben lang Musikpädagogin»

Von Patricia Rodríguez Seeger, Pianistin und Titularorganistin der Erlöserkirche

Meine Mutter, Gertrud Seeger, ist ihr Leben lang Musikpädagogin gewesen – für Klavier, musikalische Früherziehung, theoretische Musikfächer, aber größtenteils für die Blockflötenlehre. Als solche erlebte ich sie während meiner Kindheit – sowohl ihren Unterricht mit Privatschülern bei uns zu Hause als auch an der Musikschule, der Escuela Moderna, wo ich meine ganze Schulzeit als Klavierschülerin verbracht habe.

Als junge Erwachsene, nach meinem Studienaufenthalt in Deutschland, kam ich zurück zur gleichen Musikschule, diesmal fünf Jahre lang als Kollegin meiner Mutter. Ein weiterer gemeinsamer Treffpunkt mit ihr ist das Chorleben:

Seit ihren Jugendjahren hat sie im Singkreis mitgesungen und mich ab und zu als Kind zu diesen Chorproben mitgenommen, wo ich mitten unter den vielen Erwachsenen mitsingen durfte – dank meiner erworbenen Kenntnisse des Noten-Lesens.

Während meiner Universitätszeit haben wir auch gemeinsam beim Coro Sinfónico der Universidad Chile eine Zeit lang zusammen gesungen. Dort war sie über 20 Jahre lang Chormitglied.

Und zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass ich meiner Mutter und der damaligen Sekretärin Carla Wagemann, meinen bereits über 30 Jahre währenden Job an der Erlöser- und Pauluskirche zu verdanken habe, wo ich zurzeit noch arbeite.

Dank, liebe Mami, für all das, was ich von dir erhalten habe, natürlich auch die deutsche Sprache!

Patricia Rodríguez und ihre Mutter Gertrud Seeger

Worte und Delikatessen

Von Leonor Abujatum, Mitarbeiterin der Abteilung Wirtschaft und Zusammenarbeit der 

Deutschen Botschaft in Santiago

Im Jahr 1984, an einem verschneiten Januartag, wurde ich als zweite Tochter von Karla Berndt in Leipzig geboren. Zu dieser Zeit arbeitete sie im Verlag für die Frau und bei einer Nachrichtenagentur, und so kam es, dass meine frühen Lebensjahre geprägt waren vom «musikalischen» Klappern der Schreibmaschine – was meine Liebe zu Wörtern, Sprache und Literatur ganz sicher beeinflusst hat! Eine unserer Gemeinsamkeiten ist, dass wir es genießen, den Tag mit einem guten Buch im Bett ausklingen zu lassen. Übrigens: Sie als Journalistin mit Sternzeichen Fisch und ich als Steinbock-Philologin gehören beide laut ayurvedischer Lehre zum Pitta-Dosha, wie wir neulich bei einem Kochkurs herausfanden.

Ein weiterer Punkt, der uns schon lange verbindet, ist unsere Leidenschaft für die Gastronomie. Jetzt, da wir fast Nachbarn sind, treffen wir uns gerne spontan bei Filippo auf ein Eis, essen beim arabischen Sajj zu Mittag oder besuchen Weinverkostungen auf der Plaza Ñuñoa. Diese gemeinsame Liebe zur Küche zeigt sich auch darin, dass sie Gastrokritikerin ist und ich über fünfzehn Jahre in diesem Bereich gearbeitet habe. Wenn wir zusammen deutsche Weihnachtsmärkte erkunden, in Patagonien unterwegs sind oder durch das Lastarria-Viertel schlendern, besteht immer die Gefahr der Völlerei!

Mama: Ich bewundere deine Beharrlichkeit und Kreativität, dein Organisationstalent, deine punkige Ader… und zweifellos ist deine Quarktorte «von-Ricotten» die leckerste del mundo mundial!

Leonor Abujatum mit Mutter Karla Berndt

«Eine goldene Kindheit und Jugendzeit»

Von Klaus Schmidt-Hebbel Dunker, Ökonom

Ich verdanke meiner Mutter Gisela Dunker Fonck eine goldene Kindheit und Jugendzeit. Natürlich trug auch mein Vater Hermann Schmidt Hebbel dazu bei, aber meine Mutter spielte die Hauptrolle im Elternhaus. Meine Mutter verströmte Liebe an uns Kinder und an viele andere Menschen in der Familie, Kirche und im Freundes- und Mitarbeiterkreis. Immer optimistisch und fröhlich, eroberte sie die Herzen ihrer Mitmenschen im Fluge. 

Gisela war eine moderne, liberale und weltoffene Europäerin, die mir die Türen öffnete, zur Gedankenwelt (durch ihre reiche Korrespondenz mit Freunden, Familie und Theologen in Deutschland, USA und Chile), zu neuen Büchern (hauptsächlich Neuerscheinungen des deutschen Buchmarkts) und zur Natur (ihre geliebten Blumen in Santiago und an der Küste).

Wie hätte sich mein Leben ohne meine Mutter Gisela entfaltet? Ganz anders, viel schwerer. Deswegen denke ich häufig an sie, besonders nach ihrem Tode. In großer Dankbarkeit und in der Hoffnung, ihr vielleicht in unseren Zwischenleben oder unseren nächsten Leben noch einmal begegnen zu können.

Deshalb ende ich mit diesem Gedicht von Karin Oberdorfer:

Mutter

Wenn Du noch eine Mutter hast –

dann fass nach diesem Glück mit beiden Händen.

Schenke ihr all deine Liebe, die du vermagst –

das Glück wird dann nie enden.

Sie wird in deinem Herzen sein –

dir Wärme schenken wie ein Sonnenschein.

Klaus Schmidt-Hebbels Mutter Gisela Dunker Fonck

«Ein froher und lebensmutiger Mensch»

Von Monika Friederichs, Vorsitzende des Vorstands der 

deutschsprachigen Gemeinde Sankt Michael

Meine Mutter, Mami für mich, ist diejenige, von der ich alles, was ich jetzt bin, gelernt habe. Sie hat mich und meine Schwester immer angespornt, etwas im Leben zu werden und uns so erzogen, dass wir uns überall anpassen konnten. Die beste Kinderstube waren die vielen Sprichwörter, die sie uns mitgegeben hat: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.» Oder: «Was sollen die Leute von mir denken, wenn du mit schmutzigen Schuhen in die Schule gehst». «Oben hui und unten pfui«, wenn wir ein Loch im Strumpf hatten.

Das Kochen, Nähen und allerlei Tipps fürs Leben wurden mir von Kindesbeinen beigebracht.

Sie ist ein Vorbild, da sie ihre Kindheit und Jugendzeit im Krieg und in der Nachkriegszeit erlebt hat – und trotzdem zu einem frohen und lebensmutigen Menschen geworden ist.

Ich kann dem Himmel nur danken, dass ich sie noch immer neben mir habe!

Monika Friederichs und ihre Mutter Eva Drieschner

«Eine hervorragende Geschichtenerzählerin»

Von Walter Krumbach, Cóndor-Redakteur

Meine Mutter war  eine hervorragende Geschichtenerzählerin. Damit verbinde ich heute noch unvergessliche Kindheitserinnerungen. Sie erzählte mir täglich Märchen der Brüder Grimm, wobei sie toll dramatisieren konnte und die Stimmen der beteiligten Figuren grandios nachahmte. Eine Meisterleistung von ihr war «Der Wolf und die sieben Geißlein», bei der die alte Geiß, ihre Kinder und der böse Wolf stimmlich so gut charakterisiert waren, dass ich das Geschehen wie einen Film vor Augen hatte. Meistens fragte sie, bevor sie begann, welche Geschichte ich hören wollte. Ich antwortete immer: «Der Wolf und die sieben Geißlein», worüber sie sich wunderte. Warum ständig das gleiche? Es ging mir eben nicht um die Erzählung an sich, sondern wie sie sie gestaltete.

Als ich um die sechs war, brachte der Weihnachtsmann unserer Familie einen kostbaren Dual-Plattenspieler, dazu LPs mit Beethoven-Sinfonien, von Arturo Toscanini dirigiert, und Mozarts «Zauberflöte», in der damals als musterhaft geltenden Einspielung aus dem Jahr 1936 unter Thomas Beecham. Die Box mit den drei Scheiben und dem zweisprachigen, von Jorge Dahm übersetzten Text, steht heute noch in meinem Regal. 

Mutti erklärte mir die Bedienung des Plattenwechslers. Ich war jedes Mal fasziniert davon, wie der Tonarm automatisch sanft und millimetergenau auf den Plattenrand herabsank und daraufhin die Musik erklang. Der Umgang mit diesem Spielzeug hatte eine intensive Beschäftigung mit der klassischen Musik zur Folge, die nicht nur eine meiner Haupttätigkeiten in der Freizeit ist, sondern auch in meinem Berufsleben eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Dafür bin ich meiner Mutter besonders dankbar. 

Gudrun Krumbach mit Walter

«Familie zusammengehalten»

Von Matthias Kählert, Kommunikation Gropius-Bau, Berlin

Als ich sieben Jahre alt war, erzählte meine Mutter mir, dass ich ein drittes Geschwisterkind bekomme. Als ich 21 war, erzählte sie mir, dass sie mit meinem Vater und meinem kleinen Bruder nach Santiago zieht. 

Ich kann mich gut an die beiden Gespräche erinnern, weil sie mich sehr beeindruckt haben. Im Rückblick ist mir noch klarer, wie mutig und aufgeschlossen meine Mutter gegenüber dem Leben mit allen seinen Wendungen und schweren Entscheidungen ist. Aber ich habe es auch als Kind und junger Erwachsener gespürt. Ich glaube, das hat mich stark geprägt und mir Halt gegeben, wenn ich unsicher war.

Was mir auch geholfen hat ist, dass sie unsere große Familie, meine Eltern und uns vier Geschwister, immer zusammengehalten hat. Ich finde, wir haben ein großes Glück, so eine tolle Familie mit vielen verschiedenen Menschen zu haben, die sich alle verstehen – und das verdanken wir vor allem meiner Mutter. 

Ich erlebe sie bei meiner Arbeit beim Kondor Junior nicht nur als engagierte Redakteurin, sondern auch als eine engagierte Mutter und Ehefrau.

Wie sie das alles schafft, weiß ich nicht, aber es beeindruckt mich jeden Tag!

Matthias und Silvia Kählert

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