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Irmelin Slomans Fund 

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Ein historischer Schatz aus der Salpeterzeit

Irmelin Sloman, Urenkelin von Henry B. Sloman, sichtet das historische Material aus der Salpeterzeit. 
Foto: Silvia Kählert

Irmelin Sloman ist eine Urenkelin von Henry Brarens Sloman. Ihr Vater Hans Jürgen Sloman hinterließ ihren beiden Geschwistern und ihr bei seinem Tod 2007 rund 150 Kisten. Was diese für einen wertvollen geschichtlichen Schatz enthielten, wurde der gebürtigen Hamburgerin mit chilenischen Wurzeln erst vor drei Jahren deutlich, als sie nach dem Tod ihres Bruders begann, die Kisten zu öffnen. 

Irmelin Sloman machte einen erstaunlichen Fund: «Ich entdeckte Glasnegative ab 1860, Fotos und Filme, die die Lebenssituation der Arbeiter und Angestellten in den Sloman´schen Oficinas zeigen. Anhand des Bildmaterials lässt sich nicht nur der Prozess der Salpetergewinnung nachvollziehen, die historischen Fotografien zeigen auch das Leben der Salpeterarbeiter und ihrer Familien in der Freizeit und an Feiertagen. Die Aufnahmen wurden in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Es gibt aus dieser Zeit selbst in Chile kein vergleichbares Bildmaterial.» Von vielen dieser Motive ließ Henry B. Sloman auch Postkarten erstellen, «denn die europäischen Angestellten in den Salpeterwerken konnten nur auf dem postalischen Weg mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben».

Deutsch-chilenische Vorfahren

Irmelin Sloman war fasziniert von dem, was sie vorfand: «Es war, als ob ich durch eine Falltür in eine andere Zeit gefallen bin, es zog mich an wie ein Magnet.» 

Sie hat selbst chilenische Wurzeln. Ihre Mutter Gerda Sloman, geborene Busse Grauenhorst, war Deutsch-Chilenin und stammte aus Valparaíso. Irmelin Slomans Eltern lernten sich kennen, als ihr Vater einige Jahre in Chile arbeitete. Ihre beiden Geschwister wurden in Santiago geboren, sie selbst in Hamburg, als ihre Familie nach Deutschland zurückgekehrt war. Irmelin Sloman hat die chilenische Staatsangehörigkeit.

Als kleines Kind und später 1997 hat sie ihre Großmutter Alli Busse in Santiago besucht. Nach vielen Jahren ist sie 2021 nach Chile zurückgekehrt, um die Atacamawüste zu erleben und die Orte kennenzulernen, wo ihr Urgroßvater väterlicherseits gelebt und gearbeitet hatte. Sie ist zwar nicht zweisprachig aufgewachsen, «aber mein spanischer Wortschatz ist recht groß und ich kann auch Vorträge auf Spanisch halten. Nur meine Grammatik ist manchmal etwas ungewöhnlich…», ergänzt sie lachend.

Material vom Verfall bedroht

Aber das, was Irmelin Sloman in den Kisten fand, «ist chilenische Nationalgeschichte». Sie habe wohl gerade noch rechtzeitig das Material gerettet, das in einer Garage und einer alten Scheune gelagert war: «Bisher ist alles noch erhalten, aber es muss dringend bald digitalisiert und restauriert werden. Es war wohl ein Wink des Schicksals, dass ich noch gerade rechtzeitig die Kisten geöffnet habe.» Es sei ein unsortiertes Sammelsurium von verschiedenen Dokumenten und Bildern, die zuerst gesichtet und dann geordnet werden mussten. 

Die Familie Sloman hat das Chilehaus 1985 verkauft – «es war für die Familie finanziell nicht möglich, das Gebäude in Schuss zu halten, heute gehört das Chilehaus einer Immobilienfirma und ist in sehr gutem Zustand», wie die Urenkelin des Bauherrn feststellt. 

Die Salpeterwerke der Slomans wurden Anfang der 1930er Jahre enteignet. Weitere Besitztümer gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Von dem großen Vermögen ihres Urgroßvaters sei in ihrem Teil der Familie nichts übriggeblieben. Irmelin Sloman ist freischaffende Sängerin. Ihre Unterrichts-
tätigkeit hat sie zurückgestellt, als sie den Nachlass entdeckte, um rechtzeitig zum 100. Jubiläum des Chilehauses das Material ansatzweise aufzuarbeiten. Damit einher geht die Erstellung eines Archivs. «Es ist höchste Zeit: Wenn das Material nicht bald fachmännisch bearbeitet wird, werden einige Dokumente verloren gehen.»

Um die vom Verfall bedrohten Dokumente ab 1898 für ein künftiges Archiv, für Forschung und Museen zu erhalten, ist es nötig, dass sich Restauratoren und andere Experten damit befassen. In Chile wird daher gerade die Fundación Henry B. Sloman gegründet (Henry B. Sloman Stiftung). 

Wer Interesse hat, das Projekt zu unterstützen, der kann sich an Irmelin Sloman wenden: 

mail@chilehaus-saga.de

Bildband und Konzerte mit historischen Fotos

Die Urenkelin von Henry B. Sloman setzt sich mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, für den Erhalt des kulturellen und geschichtlichen Erbes ihrer Familie ein. Sie gibt im Mai einen rund 280-seitigen Bildband heraus, der bisher noch nicht veröffentlichte historische Fotografien und persönliche Dokumente der Familie Henry B. Sloman enthält und damit einen Einblick in die Geschichte zeigt, die mit dem Chilehaus verbunden ist. 

Die Künstlerin gibt zu diesen Themen auch Konzerte mit Musik verschiedener Genres, dazu werden die Fotos projiziert. «Die historischen Bilder lassen in Kombination mit den Liedern der Menschen auf den Fotos die Salpeterzeit wieder lebendig werden, so wird das Publikum in die Zeit der Salpeterära entführt», erklärt sie. Dazu gehören eine Kap-Hoorn-Umseglung, das Leben der Salpeterarbeiter in der Atacama Wüste oder das Leben der Seeleute an Bord der Großsegler. Auch der Bildband wird Musik enthalten.

Auf ihrer Internetseite www.chilehaus-saga.de (www.travesia-del-salitre.de) kann man sich auf dem Laufenden halten, wie Irmelin Sloman die Geschichte dieser Epoche aufarbeitet. Dazu erklärt sie: «Es ist ein Puzzle, von dem ich noch nicht weiß, wie es aussehen soll, wenn es fertig ist. Und es fehlen Steinchen…»

Eins weiß sie aber gewiss: «Nach Chile werde ich zurückkehren. Ich bin hier bei meinem letzten Besuch auf großes Interesse und große Wertschätzung für die Arbeit meines Urgroßvaters gestoßen und was die Geschichte dieser Zeit betrifft. Ich möchte die Geschichte, die mein Material erzählt, gerne weitergeben»

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