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jueves, 23. mayo 2024
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300 Jahre Immanuel Kant

Der große deutsche Philosoph, der das Denken revolutionierte

Immanuel Kant (1724-1804)

Immanuel Kant gilt nicht nur als einer der wichtigsten Vordenker der Aufklärung. Auch 300 Jahre nach seinem Geburtstag am 22. April 2024 haben seine Gedanken zu Frieden, Freiheit und Eigenverantwortung nichts von ihrer Aktualität verloren. Seine Philosophie der Vernunft war für den großen Gelehrten aber nicht nur reine Theorie. Wenn man sich mit seiner Biografie befasst, wird deutlich, dass er auch nach seinen eigenen Überzeugungen gelebt hat.

Immanuel Kant hat die Welt verändert – ohne selbst viel von ihr gesehen zu haben. Der Philosoph hat den Großraum Königsberg, seine Heimat in Ostpreußen, nie verlassen. Auch wenn er keine Reisen machte und nicht heiratete: Das von ihm verbreitete Bild eines zurückgezogenen, seltsamen Professors und Junggesellen wird ihm nicht gerecht. 

Ein langweiliger Kauz war er ganz und gar nicht, im Gegenteil: Kant war außerordentlich gesellig und pflegte bis ins hohe Alter viele Freundschaften. Als Student war er ein passionierter Kartenspieler und verdiente sogar einen Teil seines Lebensunterhalts mit Billard. Belesenheit und ein trockener Humor zeichneten ihn aus, er galt als galant und elegant. 

Der heimatverbundene Hochschulprofessor

Wohnhaus Kants in Königsberg (Grafik aus der Illustrierten Zeitung von 1844)

Der spätere Gelehrte wurde am 22. April 1724 in Königsberg als viertes von neun Kindern in eine Handwerksfamilie geboren, die in einfachen, fast ärmlichen Verhältnissen lebte. Allein schon, dass er in einer Zeit, in der die Herkunft das Berufsleben vorherbestimmte, diesen sozialen Aufstieg schaffte, zeigt seine Begabung und selbstbewusste Persönlichkeit. Geprägt wurde diese von seiner geliebten Geburtsstadt Königsberg, die zu Lebzeiten ein bedeutendes geistiges Zentrum Europas mit einer hervorragenden Universität darstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf ihren Trümmern Kaliningrad als Teil der russischen Sowjetunion und als sozialistische Musterstadt errichtet, die heute, zwischen Polen und Litauen gelegen, nichts mehr mit der preußischen Stadt von damals gemein hat.

Im Alter von acht Jahren kam Immanuel Kant dank eines Stipendiums an das Friedrichskollegium, später besuchte er bereits mit 16 Jahren die Albertus-Universität Königsberg. Der junge Mann interessierte sich sehr für Naturwissenschaften und Philosophie.

Nachdem Immanuel Kant seine Mutter bereits mit 13 Jahren verloren hatte, starb sein Vater vor Abschluss seines Studiums 1746. Er verließ – zum ersten und letzten Mal – Königsberg, um als Hauslehrer im heutigen Nordwestrussland sowie später im heutigen Polen zu arbeiten. 

Denkmal des Philosophen in seiner Heimatstadt Königsberg, heute Kaliningrad (Bildhauer: Christian Daniel Rauch)
foto: CC BY-SA 2.5

1754 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und beendete sein Studium. Parallel dazu verfasste er sein erstes wichtiges Werk der «Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels». Aus dem schon damals bekannten Wissen schloss er richtig, dass das Universum sehr viele «Welteninseln» (Galaxien) umfasst und damit wesentlich größer ist, als damals angenommen wurde. Aufgrund dieser Arbeit erhielt er 1755 eine Lehrtätigkeit in Königsberg. Der junge Gelehrte gab begeistert sein breites Wissen in zehn Fächern, unter anderem Logik, Moralphilosophie und Theologie, an seine Studenten weiter. Nicht nur dieses: Laut Gottfried Herder, der 1762 bis 1764 Kants Vorlesungen besuchte, verbreitete der Professor mit seinem sprühenden Geist und seiner Heiterkeit Optimismus und Zutrauen, indem er seinen Schülern zurief: «Sapere aude!» – «Traue dich, selbst zu denken.»

Die «Kopernikanische Wende»

Kant bekam im Laufe der Jahre mehrere Angebote für eine Dozententätigkeit von anderen Universitäten, die er ablehnte. Endlich erhielt der 46-Jährige die von ihm angestrebte Stelle eines Professors für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg. 

«Kant und seine Tischgenossen», Gemälde von Emil Doerstling (1892/1893)

Der Wissenschaftler merkte, dass er mit seinen Kräften gut haushalten musste, um seinem Anspruch gerecht zu werden. Über Jahrzehnte arbeitete er diszipliniert nach einem festen Zeitplan: Genau um viertel vor fünf morgens ließ er sich wecken. Nach dem Frühstück bereitete er sich auf den zweistündigen Unterricht vor, der pünktlich um sieben Uhr begann. Ab neun wurde nachgedacht – bis 15 Minuten vor eins. Mittags nahm er an Tischgesellschaften teil, die manchmal bis zum späten Nachmittag zusammenblieben. Schlag zehn Uhr ging Kant ins Bett. 

Die Schrift, die Kants Weltruhm begründete, «Die Kritik der reinen Vernunft», erschien 1781. Diese bildete den Wendepunkt in seiner Arbeit, der so revolutionär war, dass er auch als «Kopernikanische Wende» in Kants Philosophie bezeichnet wird. Kant war zu diesem Zeitpunkt 57 Jahre alt. In kurzen Abständen folgten dann seine Hauptwerke. Nach und nach begann er sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Nur bei seinen abendlichen Spaziergängen um genau sieben Uhr konnten ihn seine Anhänger, die «Kantianer», erspähen.

Erinnerungstafel an der Pregel-Brücke in Kaliningrad mit Zitat von Kant:
«Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der besternte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.»
foto: Rybec, CC BY-SA 2.0

Anfang Oktober 1803 erlitt er einen Schlaganfall. Vier Monate später, am 12. Februar 1804, starb Immanuel Kant im Alter von 80 Jahren. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er beim Königsberger Dom beigesetzt.

Buchempfehlungen: Otfried Höffe: Der Weltbürger aus Königsberg, Immanuel Kant heute – Person und Werk. 2023. Marix Verlag/Verlagshaus Römerweg; Claudia Blöser: Immanuel Kant – Wissenswertes über Leben und Wirken des großen Philosophen. 2023. Reclam-Verlag.

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