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sábado, 13. abril 2024
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Vorwerk – 200 Jahre 

Unternehmensgeschichte einer Familie

Von Karla Berndt

1872 Mitbegründung der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Kosmos durch Vorwerk.

Vor zwei Jahrhunderten, am 1. September 1823, gründete der visionäre deutsche Unternehmer Georg Friedrich Vorwerk in Hamburg zusammen mit seinem Partner Michael Christopher Hochgreve die Firma Hochgreve & Vorwerk, die Baumwolle aus England und Leinen aus Deutschland exportierte sowie Kaffee, Tabak, Zucker und Gewürze vor allem aus Lateinamerika importierte. Daneben baute der Unternehmer auch eine eigene Reederei auf, unter anderem mit dem Segelschiff «Christiane», so genannt zu Ehren seiner Frau Christiane de Voß (1809-1885), mit der er 13 Kinder hatte. Seit 1957 erinnert die Vorwerkstraße in St. Pauli an Georg Friedrich Vorwerk.

Der Handel mit Chile und Lateinamerika war für das Unternehmen so wichtig, dass Georg Friedrich Vorwerk, inzwischen alleiniger Eigentümer, 1847 in Valparaíso die Tochtergesellschaft Vorwerk & Co. gründete, die zunächst als verlängerter Arm der deutschen Muttergesellschaft fungierte und sich auf den Import von Maschinen aus Deutschland und den Export von Kupfer und Salpeter spezialisierte. Letzteres war wegen seiner Verwendung zur Herstellung von Schießpulver und Düngemitteln von großer Bedeutung. Mit der 1883 in Wuppertal gegründeten Firma Vorwerk, die heute in Chile das Küchengerät Thermomix anbietet, gibt es weder familiäre noch geschäftliche Verbindungen.

Hamburger Familienunternehmen bis 1934

Vorwerk wurde zu einem der führenden Hamburger Handels-unternehmen dieser Zeit und wuchs weiter, dank seiner Allianzen mit deutschen Unternehmen, darunter Krupp, das ab 1909 die chilenische Armee während des Pazifikkriegs mit Rüstungsgütern belieferte, und dank seiner Beteiligung am Bankgeschäft dieser Zeit, indem es mit Banken in London und Hamburg zusammenarbeitete.

Der Hamburger Kaufmann Georg Friedrich Vorwerk (1793-1867)

In diesen Jahren zieht sich Walter Vorwerk, der Enkel von Georg Friedrich Vorwerk, aus dem Unternehmen in Valparaíso zurück, kehrt mit seiner chilenischen Frau Margarita Arnolds nach Hamburg zurück und lädt 1927 seinen Schwiegersohn Paul Joachim Crasemann ein, Vorwerk-Partner zu werden. Paul Joachim gelingt es, von den damaligen Vorwerk-Partnern als «primus inter pares» («der Erste unter Gleichen») anerkannt zu werden.

Mitarbeiter von Vorwerk in Chile. Erste Reihe, Dritter von links: Maximilian Vorwerk, Geschäftsinhaber und Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens Vorwerk

Während des Zweiten Weltkriegs war Vorwerk als hundertprozentig internationales Handelsunternehmen von den Beschränkungen betroffen, die den deutschen Unternehmen von den Alliierten auferlegt wurden. Dazu kamen die Auswirkungen der Entdeckung des synthetischen Salpeters nach dem Haber-Bosch-Verfahren. Das Unternehmen war schließlich gezwungen, seinen Betrieb in Deutschland im Jahr 1934 zu schließen. Trotz der Schließung der Betriebe in ihrem Heimatland passte sich die Tochtergesellschaft in Chile an und gründete eine Waschanlage für Wolle aus Magallanes, da sie bereits ein etabliertes Woll-Exportgeschäft in Valparaíso besaß.

Vertretung von Hapag Lloyd und Gründung von Vorbeza

1954 trat der Sohn von Paul Joachim Crasemann, Malte Crasemann, Bauingenieur der Universidad de Chile, in das Unternehmen ein und übernahm die Vertretung der Lurgi (Metallgesellschaft AG), die sich unter anderem mit dem Vertrieb von Anlagen und Technologien für den Buntmetallbergbau beschäftigt. So gelang es Vorwerk, die meisten Kupferhütten in Chile zum Kauf von Gasaufbereitungs- und Schwefelsäureanlagen von Lurgi zu bewegen, was dem Unternehmen ein wichtiges Zusatzgeschäft bescherte. 

Experten von Vorwerk schulen in einem chilenischen Bergbauunternehmen Mitarbeiter vor Ort an Schweißgeräten der Marke Leister.

Nach dem Krieg, im Jahr 1951, verlegte Vorwerk seinen Sitz von Valparaíso nach Santiago und erhielt die Vertretung der Reederei Hapag Lloyd für die gesamte südamerikanische Pazifikküste, was 1952 zur Gründung der Firma Ultramar führte. Später sollte eine Partnerschaft mit der führenden deutschen Kupferhütte Norddeutsche Affinerie (heute Aurubis AG) den Export von chilenischen Mineralien ermöglichen, ein Vorhaben, das von der Caja de Crédito Minero, dem Vorläufer der heutigen Enami, unterstützt wurde.

Als in Chile die Caja Reaseguradora gegründet wurde, um die Vorschriften für die Rückversicherung der dortigen Versicherer zu erfüllen, gelang es Vorwerk unter Führung von Friedrich Vorwerk, die Ausschreibung für den englischen Rückversicherungsmakler Willis Faber & Dumas zu gewinnen. Unter der Leitung seines Sohnes Matias Vorwerk wurde die Versicherungsmaklerfirma Vorbeza gegründet und eine neue Exportabteilung für Hagebutten eingerichtet, die hauptsächlich nach Deutschland und Schweden geliefert wurden. Vorwerk übernahm auch die Vertretung der Wollfirma Fuhrmann & Co. in Bremen, an die Vorwerk die in Chile gekaufte Wolle nach der Schließung der Wollwaschanlage in Valparaíso weiter exportierte.

Handelsvertretungen mit mehr als 20 Firmen

1985 begann Andreas Vorwerk mit der exklusiven Vertretung der Schweizer Marke Leister, weltweit führender Hersteller von geosynthetischen Thermofusionsanlagen. Anschließend wurde 1998 ein Exklusivvertrag mit dem deutschen Unternehmen Renolit, einem Spezialisten für die Herstellung von Geomembranen, unterzeichnet.

Seit 2006 vertritt Vorwerk mehrere führende europäische Marken im Bereich der Automatisierung von Bargeld-Management-Prozessen, wie Cima aus Italien sowie die deutschen G&D und CountR.

Die Bark «Christiane» der Reederei des Unternehmers Georg Friedrich Vorwerk.  Ölbild von Lorenz Petersen (1850)

Heute hat Vorwerk Handelsvereinbarungen mit mehr als 20 führenden Unternehmen weltweit und bietet ein breites Spektrum von Abdichtungslösungen für den Bergbau, das Bauwesen und die Landwirtschaft bis hin zu fortschrittlichen Hotmelt-Technologien. Die Produkte von Vorwerk haben sich zu wichtigen Pfeilern in großen Bergbauprojekten sowie beim Bau von Metrostationen in Santiago, Universitäten, Kulturzentren und chilenischen Häfen entwickelt.

Vorwerk hat sich zu einem führenden Anbieter von Ausrüstung, Wissen und Expertise in der Kunststoff-Thermofusionstechnik entwickelt und unterstützt die Bergbauindustrie auf ihrem Weg zur digitalen Transformation. Die exklusive Vertretung der weltbekannten Schweizer Marke Leister hat die Lieferung von Kunststoffschweißgeräten und anderen wichtigen Werkzeugen an Bergbaustandorte und Industrieprojekte ermöglicht.

Vorwerk ist seit Jahren führend in der Bargeldberarbeitung in Chile und bietet Lösungen für Supermärkte, Banken, Casinos, Geldtransportunternehmen und andere Branchen. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen auf die Bereitstellung von Selbstbedienungslösungen für den Einzelhandel durch integrierte Autopay- und intelligente Transaktionssysteme.

Das Engagement von Vorwerk beschränkt sich nicht nur auf den Verkauf von Produkten. Die technischen Dienstleistungen, die von den von Vorwerk vertretenen Marken unterstützt werden, garantieren einen außergewöhnlichen Service zu jeder Zeit und in ganz Chile, mit mehr als 3.000 Wartungsdiensten pro Jahr rund um die Uhr.

Das Unternehmen Vorwerk sieht sich aber nicht nur als Hersteller von Produkten und Anbieter von Dienstleistungen. Nach der Philosophie von Maximilian Vorwerk, Geschäftsinhaber und Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens, steht der Mensch im Mittelpunkt der Firma. Vertrauen und solide Beziehungen sind für ihn die Grundlage für langfristige, nachhaltige Ergebnisse und einen Beitrag zur Gesellschaft, Kreativität und Innovation sicherten langfristig erfolgreiche Ökosysteme. Nach zwei Jahrhunderten Geschichte schreite Vorwerk mit dem Elan und der Vision einer neuen Generation weiter voran. Daher ist Maximilian Vorwerk überzeugt, dass die Welt von heute die Möglichkeiten biete, weiter zu wachsen, sein Team weiterzuentwickeln und zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.

Firmen der Vorwerks seit 1823 

1823 Gründung der Firma Hochgreve & Vorwerk, Hamburg 

1847 Gründung der Firma Otto Uhde & Hünicken, Valparaíso (Chile). Im selben Jahr Gründung der Hapag, unter Beteiligung der Firma Hochgreve & Vorwerk 

1867 Seit diesem Jahr nennt sich die Firma Hochgreve & Vorwerk Vorwerk Gebr. & Co., Hamburg 

1872 Mitbegründung der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Kosmos durch Vorwerk Gebr. & Co. sowie Adolph Vorwerk. Im selben Jahr Erweiterung der Gesellschaft zur Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Kosmos 

1901 Die Kosmos-Linie bildet eine Betriebsgemeinschaft mit der Hapag 

1934 Auflösung von Vorwerk Gebr. & Co. als Familienfirma, Hamburg. Fortführung unter «Abteilung Vorwerk» beim Bankhaus Conrad Hinrich Donner 

1942 Löschung der Firma Vorwerk & Co. Fortführung unter Lavadora de Lanas S.A., Valparaíso 

1945 Umgründung der Lavadora de Lanas S.A. in die Firma Vorwerk y Cia. S.A. 

1951 Verlegung des Firmensitzes von Valparaíso nach Santiago 

1952 Mitgründer der Schiffahrts-Agentur Ultramar Agencia Marítima Ltda., zusammen mit Albert von Appen und Skalweit & Co. 

1960 Löschung der Firma Vorwerk Gebr. & Co. im Handelsregister, Hamburg 

1998 Firmenteilung in Vorwerk y Cia. S.A. und M. Vorwerk Comercio Global Ltda., Santiago.

Fotos: Vorwerk

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