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Zum 750. Todestag von Thomas von Aquin

Der Gelehrte, der Glaube und Vernunft in Einklang brachte

In der Theologiegeschichte kommt man an ihm nicht vorbei: Thomas von Aquin gehört zu den größten Gelehrten des Mittelalters und prägte die katholische Theologie über Jahrhunderte. Auch jenseits der Kirchenmauern gilt der Theologe als einer der größten Philosophen und Gott-Denker des Abendlandes. Am 7. März jährte sich sein Todestag zum 750. Mal.

Thomas von Aquin (1225-1274): Im 13. Jahrhundert versuchte der Dominikanermönch die aristotelische Philosophie mit der augustinischen Theologie in Einklang zu bringen.

(PD/sik) Der wissbegierige, weltoffene und fromme Mönch dachte das große Ganze, wollte die Wahrheit erkennen und verständlich vermitteln. Er schuf mit seinen beiden Hauptwerken, der «Summa theologiae» und «Summa contra gentiles» eine grundlegende Systematisierung der lateinischen Theologie und war ein bedeutender Vertreter der Scholastik. Große Anerkennung, vor allem von Philosophen, erlangte er für seine Schlussfolgerungen aus aristotelischen Prämissen, die als «Thomismus» fortwirkten. Bis heute setzen sich auch Studenten der evangelischen Theologie mit den sogenannten «Gottesbeweisen» auseinander. Mit seinen fünf Wegen (quinque viae) wollte Thomas von Aquin zeigen, wie von der Natur der Dinge auf Gott als Ursprung der Welt geschlossen werden kann. 

Aristoteles ist der wichtigste philosophiehistorische Bezugspunkt des Thomismus.

Thomas wird Dominikaner

Auf der Burg Roccasecca, zwischen Rom und Neapel gelegen, wurde Thomas vermutlich um den Neujahrstag 1225 geboren. Seine Familie war politisch einflussreich: Seine Mutter Donna Theodora Caracciola entstammte neapolitanischem Adel und war entfernt mit Kaiser Friedrich II. verwandt. Der Vater, Graf Landulf von Aquin, sah für seinen jüngsten Sohn, wie damals üblich, eine Klerikerlaufbahn vor und schickte den Fünfjährigen in die Benediktinerabtei Montecassino, wo Thomas` Onkel Sinnibald Abt war.

Als 15-Jähriger ging Thomas zum Studium nach Neapel, das damals von geistigen Aufbrüchen geprägt war. Diese Zeit war für ihn wegweisend: Einerseits kam er erstmals mit den Schriften des Aristoteles in Kontakt und es wurde sein Interesse an der Philosophie geweckt. Und andererseits lernte er den Predigerorden kennen, der von Dominikus 1215 als Bettelorden gegründet worden war und wie auch die Franziskaner eine neue Form des Mönchseins verkörperte.

1244 trat der etwa 19-Jährige zum Entsetzen seiner Familie in den Dominikaner-Orden ein. Der 1215 gegründete Predigerorden stand für eine reformorientierte christliche Lebensweise und  – für Thomas besonders wichtig – eine gute wissenschaftliche Ausbildung. Seine Familie sah ihn als Nachfolger seines Onkels auf dem berühmten Montecassino und nicht in dem ihrer Meinung nach nicht standesgemäßen Bettelorden. Von seinen Brüdern wird er für rund ein Jahr auf den Burgen Monte Sangiovanni und Roccasecca gefangen gehalten – Thomas von Aquin lässt sich aber nicht umstimmen. Schließlich schickte der Ordensobere der Dominikaner den auffallend begabten Thomas 1245 an die Universität von Paris, dem Zentrum der theologischen Studien.

Der Meisterschüler und «stumme Ochse» 

Gründer der Universität war der schillernde, vom Papst als «Antichrist» verdammte Stauferkaiser Friedrich II. Während seines Studiums der Theologie 1245 bis 1248 begegnete der junge Mann einem der bedeutendsten Köpfe des lateinischen Westens: Albertus Magnus (um 1200-1280). Der Universalgelehrte öffnete die von den Muslimen getragene Kultur und Wissenschaft sowie den Aristotelismus fürs Christentum. 

Ziel von Albertus Magnus und später von Thomas von Aquin war es, das philosophische Weltwissen, das sie bei Aristoteles begründet sahen, mit dem christlichen Glauben in Beziehung zu bringen und die Inhalte des Glaubens durch die philosophische Begründung vernunftgemäß darzulegen – Scholastik genannt. Diese sollte die Welt, Menschen und Gott mithilfe einer rationalen Glaubenslehre erfassen und erläutern. Das brachte allerdings Konflikte mit den religiösen Autoritäten mit sich. Standen doch etliche Aussagen des Aristoteles in zunächst scheinbarem Widerspruch zur Bibel.

Eines seiner Hauptwerke «Super libros de generatione et corruptione>

1248 folgte Thomas von Aquin seinem Lehrer in das Studienhaus der Dominikaner nach Köln, wo Albert mittlerweile lehrte und Thomas sein Meisterschüler wurde. Thomas von Aquin galt als ein hoch konzentrierter, aber schweigsamer Schüler. Seine große, bullige Gestalt bracht ihm bei seinen Kommilitonen den Spitznamen «stummer Ochse» ein. Seine Vorlesungsmitschriften reichten sie voller Bewunderung untereinander weiter. Albert Magnus erkannte bereits die außerordentliche Begabung des jungen Mannes: «Dieser stumme Ochse wird mit seinem Brüllen noch in der ganzen Welt zu hören sein.» 

Berater des Papstes

Nach einer Assistentenzeit bei Albertus Magnus kehrte Thomas 1252 nach Paris zurück, wo er die Sentenzen des Petrus Lombardus kommentieren sollte. Fünf Jahre später wurde er zum Professor in Paris bestellt. Im Jahr 1259 ging er nach Rom, um zehn Jahre lang als theologischer Berater und Dozent der päpstlichen Kurie tätig zu sein. 1268 kehrte Thomas nach Paris zurück, wo er in eine sich gerade entwickelnde Lehrpolemik verwickelt wurde. Dort versprach sich sein Orden eine Stärkung der Position an der Universität und eine Klärung des für die Kirche richtigen Umgangs mit der Philosophie und Wissenschaft des Aristoteles. Letztendlich gelang es Thomas von Aquin aber nicht zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. 1272 kehrte der Gelehrte nach Neapel zurück, wo er eine theologische Akademie des Dominikanerordens gründen sollte. Dazu kam es aber nicht: 1274 starb Thomas von Aquin knapp fünfzigjährig auf dem Weg zum Konzil von Lyon in der Zisterzienserabtei Fossanova bei Neapel. 

Thomas von Aquin wurde in Paris vor allem von den Philosophen geschätzt. Seine scholastische Methode, bei der zunächst unterstützende Argumente vorgestellt werden, dann die Gegenargumente vorgebracht werden, um schließlich mittels einer rationellen Diskussion aller Argumente zu einer logischen Schlussfolgerung zu gelangen, können auch heutzutage Vorbild für gutes Debattieren sein. 

Gerahmt wird das Jubiläum seines Todestags vom 700. Jahrestag der Heiligsprechung (1323) und dem 800. Geburtstag des Thomas von Aquin (1225).

Empfohlene Biografien: Anthony Kenny, Thomas von Aquin, Freiburg/Basel/Wien: Herder 2004: Maximilian Forschner, Thomas von Aquin. München. Beck 2006. 

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