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Porträt – Anne Traub Mödinger

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Sozial engagierte Juristin 

«Anstrengung wird immer belohnt»

Die herausragende Karriere von Anne Traub, Geschäftsführerin der Stiftung Familias Primero, wurde erneut gewürdigt: Nach 2019 und 2022 rangierte sie im vergangenen Jahr zum dritten Mal unter den 100 Mujeres Líderes, eine Auszeichnung, die von der Zeitung El Mercurio verliehen wird. Auβerdem erhielt sie 2019 den Preis Mujer Impacta und den Colbun Avonni Social Innovation Award sowie 2023 den Preis Mujeres Que Inspiran der Banco de Chile.

Geboren wurde Anne in Puerto Montt, besuchte dort die deutsche Schule, kam mit 18 Jahren nach Santiago, um an der Pontificia Universidad Católica Jura zu studieren und schloss mit einem Master of Business Administration (MBA) ab. «Ich habe diesen Abschluss nicht nur gemacht, um die Welt des Rechts zu verstehen, sondern auch, um kritisches Denken, Empathie und soziales Engagement zu entwickeln. Das juristische Studium bietet eine solide Grundlage, um eine Vielzahl von Problemen in der Gesellschaft anzugehen. Es ermöglichte mir, unkonventionelle Wege zu gehen und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Das Recht ist ein mächtiges Instrument für positive Veränderungen, und jeder hat die Möglichkeit, durch sein Engagement und sein Handeln etwas in der Gesellschaft zu bewirken», erklärt sie. Ihre Eltern – der Vater Chemieingenieur, die Mutter Medizintechnikerin – waren Vorbilder, sowohl mit ihren Worten als auch mit ihrem Beispiel. «Sie haben immer viel gearbeitet, aber wir haben meistens mit ihnen und meinen drei Geschwistern zu Mittag gegessen.»

Schon in der Kindheit trieb Anne viel Sport: Beim Turnen, bei Leichtathletik und Volleyball, entwickelte sie Gewohnheiten, die sie bis heute beibehalten hat. «Ein großer Teil meines Wesens ist durch den Schulsport geprägt worden, vor allem bezüglich der Disziplin.» Auch heute noch läuft sie gern, hört aber auch Musik und trifft sich am liebsten mit Leuten, die sie zum Lachen bringen. 

Ihre Nachnamen sagen es schon – Anne Traub Mödinger ist sowohl väter- als auch mütterlicherseits deutschstämmig. «Ich bewundere meinen Großvater Ewaldo Mödinger sehr. Er war ein Beispiel für Fleiß, Beharrlichkeit und Erfolg. Er war der erste Bürgermeister von Llanquihue und gründete das Familienunternehmen Cecinas Llanquihue, das sich immer durch seine Professionalität, seine Arbeitsweise und seine Spitzenleistungen ausgezeichnet hat. Auch meine Großmutter väterlicherseits ist eines meiner Vorbilder. Sie stammte ursprünglich aus Puerto Montt und kam im Alter von nur zwölf Jahren nach Santiago, weil sie an der Pontificia Universidad Católica Sozialarbeit studieren wollte und sich darauf vorbereiten musste. Ich erinnere mich immer an ihre Ratschläge über die Rolle der Frau im Leben. Sie riet uns leidenschaftlich und nachdrücklich, gute Schülerinnen zu sein, die besten Universitäten zu besuchen und zu arbeiten, um niemals wirtschaftlich von anderen abhängig zu sein. Ihr Enkelinnen habt dafür das ganze Potenzial in der Hand, es liegt nur an euch, entschlossen zu handeln», sagte sie.

Nach ersten Berufserfahrungen in der Privatwirtschaft war Anne zwischen 2007 und 2012 als Rechtsberaterin für die Ministerien für Finanzen und für soziale Entwicklung und Familie tätig und leitete das Kabinett des Beauftragten des Präsidenten für ärmere Dörfer und Stadtviertel des Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung. Hier lernte sie diese Realität aus erster Hand kennen, was ihr soziales Engagement verstärkte. «Das Hauptaugenmerk der Stiftung Familias Primero liegt auf pädagogischen Hausbesuchen, bei denen wir durch die Arbeit mit Vorschulkindern und ihren nächsten Bezugspersonen versuchen, die Fähigkeit der Eltern aufzubauen, die ganzheitliche Entwicklung des Kindes zu fördern sowie die Beziehung und Bindung zwischen beiden zu stärken. Wir sind in Chile führend bei individueller Betreuung des Lernens und der sozio-emotionalen Entwicklung in der frühen Kindheit. Wir haben auch das Projekt «Leer es poderoso» eingeführt, ein Ferienprogramm zur Förderung des Lesens für Schüler der zweiten bis vierten Klasse aus gefährdeten Verhältnissen. Bis 2024 werden wir fast 100 Gemeinden in zehn Regionen erreichen und mit rund 5.000 Familien mit beiden Methoden arbeiten. Unser größter Erfolg ist jedoch zweifelsohne die Verwirklichung eines Modells „personalisierter Interventionen“, der – zum Teil auch – virtuellen ‚Hausbesuche‘, bei denen wir die Familie in den Erziehungsprozess einbeziehen und den Eltern mehr und bessere Lern- und Erziehungsinstrumente für ihre Kinder an die Hand geben. Dieselben Mütter, die unser Bildungsprogramm durchlaufen und Engagement gezeigt haben, werden Gemeindeleiterinnen und Botschafterinnen unseres Bildungsprojekts. Sie geben Workshops für andere Frauen in ihrem Gebiet.» 

Über sich selbst sagt sie: «Ich bin sehr hartnäckig, und wenn ich der Überzeugung bin, dass ich etwas erreichen kann, dann gebe ich alles. Ich glaube fest an das Sprichwort, dass der Mensch zu 99 Prozent aus Schweiß und zu 1 Prozent aus Inspiration besteht. Anstrengung wird immer belohnt», unterstreicht sie und hofft, dass die von ihr geleiteten Bildungsprogramme in öffentliche Maßnahmen umgewandelt werden und dass auch Unternehmen die Programme aufnehmen.

Unterstützt wird sie dabei von Ehemann Matías Claro, Wirtschaftsingenieur mit einem Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der UC und einem MBA der Harvard-Universität. Das Ehepaar hat zwei Töchter, die siebenjährigen Zwillinge Sofia und Olivia. Mit den, wie Anne sagt, fröhlichen, lebenslustigen und anhänglichen Mädchen besucht sie oft ihre Arbeitsstellen vor Ort, damit sie erfahren, wofür ihre Mutter sich engagiert. 

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