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sábado, 15. junio 2024
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Porträt – Katharina Vernier

Übersetzerin und Holistische Gesundheitsberaterin

«Mich fasziniert der Mensch an sich»

Interkulturelles Lernen und persönliches Wachstum – dies sind zwei Themen, die Katharina Vernier in ihrem Leben immer wieder umgesetzt hat. Auch beruflich entwickelte sie sich stetig weiter: 

Sie ist als Holistische Gesundheitsberaterin und Übersetzerin tätig und unterstützt zurzeit den DCB-Schüleraustausch. 

Vor 15 Jahren zog die gebürtige Baden-Württembergerin mit ihrem chilenischen Mann nach Los Ángeles und inzwischen lebt die Familie mit drei Kindern in Santiago.

Katharina Vernier ist nahe der Grenze zu Frankreich aufgewachsen: Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend im idyllischen Kinzigtal im Schwarzwald, in dem kleinen Ort Strohbach/Gengenbach. Nach der Schule ging die Abiturientin als Au-Pair-Mädchen nach Avignon, um in einer Familie mit drei Jungen auszuhelfen. «Es war ein wundervolles Jahr», meint sie zurückblickend. Die französische Gastfamilie war beruflich auf den Märkten der Provence tätig, wo Oliven und andere Produkte gehandelt wurden. «Ich habe mich hauptsächlich um die Kinder gekümmert, bin viel ausgegangen und gereist.»

Ihr Interesse an der französischen Sprache und Kultur spiegelte sich dann auch in ihrem Diplom-Romanistik-Studium wider, das Betriebswirtschaftslehre, Spanisch und Französisch beinhaltete. Auch privat hat diese Zeit an der Universität Mannheim ihr Leben geprägt: Sie lernte ihren chilenischen Mann kennen, der ein Auslandsjahr an der Universität Mannheim absolvierte. «Ich habe ihn dann in Chile erst besucht und während der Semesterferien ein kurzes Praktikum beim Cóndor gemacht. Später, noch im Studium, erwarteten wir unser erstes Kind.» Das Paar entschied, dass ihre Tochter in Los Ángeles zur Welt kommen sollte, da dort die Eltern ihres Mannes wohnten und die kleine Familie gut unterstützen konnte.

Nach der Geburt ihres dritten Kindes hat Katharina Vernier sich dem Thema Gesundheit zugewandt: «Mich fasziniert der Mensch an sich, und ich liebe es, den Dingen auf den Grund zu gehen.» Im Fernstudium machte sie eine Ausbildung zur Holistischen Gesundheitsberaterin. «Dabei konzentriere ich mich auf die Kraft des Menschen, sich selbst heilen zu können. Diese Ausbildung war der Anfang eines tiefgründigen Wachstumsprozesses von mir selbst. Ich habe danach noch viele weitere Kurzausbildungen und Kurse im Bereich ganzheitliche Gesundheit gemacht.» Seit etwa zehn Jahren gibt sie selbst Beratungsstunden und organisiert mit großem Engagement auch mehrtägige «Retreats» in der Natur, erholsame Rückzugstage vom Alltag. Als ihr Schwerpunkt hat sich inzwischen die Beratung von Menschen, die ein Trauma erlebt haben, herausgebildet.

Auch ihr Talent für Sprachen entwickelte Katharina Vernier weiter: «Ich kommuniziere sehr gerne, verbinde mich mit Menschen. Inzwischen spreche ich fünf Sprachen fließend, was die Übersetzungsarbeit einfacher macht.» Diese Arbeit sei ein gutes Gegengewicht zu ihren anderen Tätigkeiten, bei denen sie viel mit Menschen zu tun habe: «Beim Übersetzen habe ich vollkommene Ruhe und arbeite alleine vor mich hin, was mir guttut.» 

Seit diesem Jahr widmet sie sich einer weiteren Aufgabe: Sie übernahm beim DCB die Koordination des Schüleraustauschs. «Junge Menschen dabei zu unterstützen, interkulturelle Erfahrungen zu machen, finde ich sehr spannend und bereichernd. Es ist so wichtig, dass wir in unserer heutigen Zeit, die extrem schnelllebig und vernetzt ist, uns einerseits global ausrichten und öffnen, uns aber andererseits auch nicht verlieren und stets unserem wahren Kern treu bleiben.» 

Beim Kontakt mit Schülern, Eltern und Lehrern in Deutschland und Chile stehen für sie «interkulturelles Verständnis und tiefer Respekt und Toleranz für das So-Sein» im Vordergrund. «Ich versuche, jeden Menschen im Einzelnen zu sehen und zu hören.» Das führe zu «einer ehrlichen Wertschätzung». Auf diesem Weg konnte Katharina Vernier für viele chilenische Schülerinnen und Schüler deutsche Gastfamilien finden. Seit Anfang Januar unterstützt sie als Betreuerin in Deutschland den DCB-Schüleraustausch.

In diesem Jahr gibt es für Katharinas Familie einen Neustart: Nach über sechs Jahren in Concepción ziehen sie nach Santiago, wo sie bereits einmal sechs Jahre gelebt hatten. Da ihr Mann wegen seiner Arbeit in Santiago fünf Jahre hin- und hergependelt ist, freut sich nun die ganze Familie wieder zusammenzukommen. Sie bedauere nur, ihre Tätigkeit beim Honorarkonsul in Concepción aufgeben zu müssen: «Diese Arbeit und die Vernetzung mit der Deutschen Botschaft hat mir viele neue Einblicke und Erfahrungen beschert.»

Ruhe, neue Energie und Ausgeglichenheit finden sie, ihr Mann und ihre Kinder auf ihrem Grundstück in der Vorkordillere bei Chillán. Dazu tragen auch ihre drei Pferde bei: «Pferde sind für mich von jüngster Kindheit an ein Anker und bedeuten für mich Lebensfreude, Harmonie und Loslassen können.» Gleichzeitig sei ihr «Campo-Projekt, eine Art Vision oder Zukunftsidee, die ich mit meinem Mann schon immer geteilt habe und bei der auch einige befreundete Familien einbezogen sind. Es ist etwas, was uns als Paar zusammenschweißt und unsere Gemeinsamkeiten betont, aber auch Raum für Zwischenmenschlichkeit bietet».

Es ist die gute Mischung, die für Katharina Vernier ein harmonisches Leben ausmacht: «neue Erfahrungen und Herausforderungen, aber auch Inseln der Ruhe, Zurückgezogenheit und Beständigkeit. Meine Neugier und mein Entwicklungsdrang sorgen manchmal dafür, dass ich gerne mal zu viel annehme oder zu schnell durchs Leben haste.» Sie sei dankbar für «das wertvolle Netzwerk an ganz speziellen Personen in meinem Leben, die mich daran erinnern und mir spiegeln, wer ich wirklich bin und was ich brauche, um glücklich zu sein».

Foto: privat

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