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jueves, 22. febrero 2024
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Porträt – Hans Schöndorfer

Zimmerermeister und Hotelier  

Von den Alpen zur Andenrose

Hans Schöndorfer ist ein Unikum: Wer ihn einmal in seinem Hotel Andenrose in Curacautín kennengelernt hat, wird den fröhlichen Oberbayern nicht mehr vergessen. Auch nach 20 Jahren in Chile hat er seinen Dialekt und seine offene, freimütige Art nicht verloren.

«Meine Kindheit war eigentlich paradiesisch schön – im Wald, in den Bergen, in unserem Dorf konnte ich mich frei bewegen, habe die Natur genossen », erzählt Hans über das
Berchtesgadener Land. Seine Familie, die
Eltern, der Bruder und er, lebten in dem kleinen Ort Piding, 20 Kilometer von Salzburg entfernt, das bis 1806 zu Österreich gehört habe. Sein Vater führte dort eine Zimmereiwerkstatt und erwartete von seinem ältesten Sohn, dass er einmal die Werkstatt übernehme.

Dabei hat der Junge selbst gar kein großes Interesse an dem Handwerk gehabt, sondern lieber mit seiner Mutter zusammen gekocht. «Einmal, als ich etwa zwölf Jahre alt war und meiner Mutter half, ein Gulasch zuzubereiten, hat mein Vater gesagt: „Der Junge gehört aufs Dach und nicht in die Küche!“» – Eine Anekdote, die einiges vorwegnahm.

Tatsächlich habe er sich aber zunächst dem Willen seines Vaters gebeugt und eine Zimmermannslehre absolviert: «Anschließend, mit fast 19 Jahren, ging es dann aber endlich in die Welt hinaus – das Reisen war immer meine große Sehnsucht. Sechs Monate habe ich Asien erkundet und war davon zwei Monate in den Bergen Nepals unterwegs.»

Auch seinen Wunsch, sich im Tourismus zu betätigen, begann er mit Anfang 20 Jahren nach und nach zu verwirklichen: «Nachdem ich einige Jahre als Zimmermann gearbeitet hatte, haben ein Freund und ich in der Türkei mit unseren Ersparnissen eine alte Fähre gekauft, die wir dann über drei Jahre wieder als Touristenschiff flott gemacht haben.» Dann habe ihn in der Türkei ein Anruf seines Vaters erreicht: «Bitte, komme nach Hause und hilf mir, sagte er, und mir war sofort klar, dass es zuhause große Probleme geben musste.» Er erfuhr: «Es hatten sich rund eine Viertel Million Schulden in dem Zimmereibetrieb angehäuft – mein Vater war einfach kein Geschäftsmann.» Hans reiste Richtung Heimat zurück und übernahm den Betrieb – rund 13 Jahre lang: «Bis die Schulden abgearbeitet waren, die Werkstatt modernisiert und schließlich sehr gut lief.»

Dann habe ihn 2001 wieder das Fernweh gepackt. Inzwischen hatte er geheiratet und es waren seine beiden Kinder Simone und Patrick auf die Welt gekommen: «Durch einen alten Bekannten, der auch Rafting Guide war und seit vielen Jahren in Chile lebte, sind wir auf das Land aufmerksam geworden, haben recherchiert und entschieden mit eigenem Raft nach Chile zu reisen, um die Flüsse zu erkunden.» Als er das idyllische Grundstück, durch das der Fluss Cutin läuft, entdeckte, war ihm gleich klar gewesen: «Hier will ich bleiben.» Schnell ent-
schied das Ehepaar, einen Teil des Terrains zu kaufen und in Windeseile begann der Zimmermann, den Rohbau des Hauses zu errichten.
Im Jahr 2002 schließlich zog Familie Schöndorfer nach Chile und Tochter Simone kam dort in die erste und Sohn Patrick in die dritte Klasse.

Dann ereilte Hans wieder ein Schicksals-
schlag. Seine Frau verließ ihn und die zwei kleinen Kinder. «Das war für mich ein riesiger Schock», erzählt er, «erst einmal bin ich dann mit Tochter und Sohn ein Jahr lang wieder in die alte Heimat zurückgezogen.» Als sich Hans von dem Schock erholt hatte, wurde ihm klar: «Ich will wieder zurück nach Chile und wie geplant, ein Hotel eröffnen.»

Ein Name war auch bald gefunden, die Andenrose, und es wurde intensiv am Ausbau des Hauses gearbeitet. Dann sprach sich schnell herum, dass hier ein gastfreundliches Hotel zu finden war, wie Hans erzählt: «Schon 2005 stand die Pension im Lonely Planet und in anderen Führer auch, die Zahl der Gäste stieg jedes Jahr. Optimal ist, dass das Haus an die drei Nationalparks Conguillio, Nalcas-Malalcahuello und Tolhuaca grenzt. Außerdem gehören seit einigen Jahren die nahe gelegenen Skigebiete Corralco und Las Araucarias/Llaima con Vilcun zu den besten Südamerikas und das kommt mir auch zugute.» Inzwischen bietet die Andenrose 30 Betten an, es gibt vier Appartements für Selbstversorger und drei Cabañas im Garten mit Swimmingpool. Außerdem nicht zu vergessen: In Hans findet man den freundlichsten und kundigsten Berater für Touren in der Umgebung. 

Nur die Pandemie habe ihn, wie alle anderen Hoteliers, schwer getroffen: «Die Zahl der ausländischen Gäste ist gesunken. Dafür reisen aber seit einigen Jahren immer mehr vor allem junge Chilenen in die Region.»

Von 2004 bis 2015 war der Gastronom im Vorstand des Verbands Araucanía Andina aktiv, ein Zusammenschluss von sechs Gemeinden der Region. «Dort haben wir viel getan, um die Infrastruktur für den Tourismus voranzubringen.» 

Langsam denkt der 60-Jährige an die Vorsorge für den Ruhestand: Er hat einen Teil seines Grundstücks parzelliert, mit Wasseranschluss versehen lassen und will diesen Teil verkaufen. Seine Kinder haben sich schon lange ein eigenes Leben aufgebaut: Patrick arbeitet als Koch in Bayern, Simone hat studiert und will mit einem Stipendium wahrscheinlich nach Kanada oder Neuseeland gehen.

Doch Ruhe wird in seinem Leben wohl noch lange nicht einkehren. Anfang Dezember ist er mit Freunden mit dem Motorrad im Süden Chiles unterwegs gewesen: «Da ging es gleich am ersten Tag 600 Kilometer nach El Bolsón in Argentinien.» Seine chilenische Lebensgefährtin kümmerte sich währenddessen um die Gäste der Andenrose. «Dardane arbeitet als Maklerin, unsere Arbeitsgebiete überschneiden sich oft. Und wir beiden lieben auch das gemeinsame Reisen, sei es in Lateinamerika, Asien oder auch gerne in meine alte Heimat.»

Ein Stück Bayern finden auch seine Gäste in der Andenrose, nicht nur wenn Hans seinen oberbayrischen Dialekt spricht: «Ah wen I nima oibei Koch, fia a Gulasch mid Schbazn und a Glasl Bier is oiwei Zeid.»

Foto: privat

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