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viernes, 12. julio 2024
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Deutsche Filme zur Wiedervereinigung

Stasi-Wanzen, Spreewaldgurken und Coca-Cola für die Arbeiterklasse

Die Wiedervereinigung Deutschlands war ein Ereignis, das nicht nur politische Auswirkungen hatte. Nach dem Mauerfall entstanden zum Beispiel zahlreiche Filme, die das Thema nicht allein in seiner dramatischen Dimension behandelten, sondern zum Teil auch humorvoll sich mit der Zeit unmittelbar davor und mit den Folgen beschäftigten.

«Das Leben der Anderen»

«Das Leben der Anderen»: Hauptmann Wiesler (Ulrich Mühe) hört Christa-Maria Sieland und Georg Dreyman auf dem Dachboden ab.

Einen tiefen Eindruck hinterließ «Das Leben der Anderen» (2006) von Florian Henckel von Donnersmarck, eine dramatische Schilderung der Überwachung des (fiktiven) Bühnenautors Georg Dreyman (Sebastian Koch), dessen Wohnung von Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) verwanzt wird. Wiesler hört die Gespräche zwischen Dreyman, seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) und ihren Besuchern im Dachgeschoss ab und stellt bald überrascht fest, dass das Unternehmen sich nicht in erster Linie aus politischen Gründen gegen Dreyman richtet, sondern weil der Kulturminister (Thomas Thieme) ihn ausschalten will, da er ein ganz persönliches Interesse an Christa-Maria hat. 

Wiesler, der bisher ein loyaler Stasi-Funktionär war, ist tief enttäuscht und verschweigt nun in seinen Berichten wertvolle Informationen, da ihm ein solidarisches Verhalten gegenüber Sieland und Dreyman wichtiger ist als die Treue zu dem Minister und seinen Machenschaften. Donnersmarcks Schilderung des DDR-Alltags, und besonders die Weise, wie ihre Bürger hilflos der Willkür der Parteifunktionäre ausgeliefert waren, erregte auch jenseits der deutschen Grenzen Aufsehen. Der Film erhielt 2007 den Oscar als beste fremdsprachige Produktion. 

«Good Bye, Lenin»

«Good-Bye Lenin»: Alexander (Daniel Brühl) pflegt seine Mutter (Katrin Sass) nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus

Der bekannteste Wende-Film ist wahrscheinlich «Good Bye, Lenin» (2003) von Wolfgang Becker, der als Tragikkomödie konzipiert ist, aber während seines Verlaufs einen eher bitteren Einblick in die Folgen der gewaltsamen deutsch-deutschen Trennung und das trostlose Dasein der Ostdeutschen gibt. Der Streifen erzählt vom Schicksal einer Familie in Ost-Berlin. 

Christiane Kerner (Katrin Sass), hat sich nach der Trennung von ihrem Mann dem Sozialismus verschrieben und beteiligt sich hingebungsvoll an Wohltätigkeitsarbeiten. Sie erhält eine Einladung zur Feier des 40. Jahrestages der DDR im Palast der Republik. Bei der Hinfahrt gerät sie in eine Gegendemonstration, die die Polizei brutal niederschlägt. Dabei beobachtet sie, wie ihr Sohn Alexander (Daniel Brühl) festgenommen wird. Christiane erleidet einen Herzinfarkt. Sie liegt monatelang im Koma, erfährt also nichts von den tiefgreifenden Veränderungen, die nun eintreten. Der Arzt hält ihre Kinder an, ihr jedwede Aufregung zu ersparen, um sie nicht unnötig, lebensgefährlichen Situationen auszusetzen. 

Alexander gaukelt ihr nach ihrer Heimfahrt DDR-Lebensumstände vor, als sei nichts passiert. Er besorgt ihre Lieblingsfressalien wie Spreewaldgurken und lässt junge Pioniere am Krankenbett Lieder singen. Als sie erstaunt beobachtet, wie ein riesiges Coca-Cola-Transparent vor dem Fenster aufgespannt wird, produziert er mit einem Freund eine Nachrichtensendung auf Video. Christiane erfährt, dass die DDR die Formel des Getränks in den 1950er Jahren entwickelte. Später wurde sie von Kapitalisten in den Westen geschleust und dank eines Abkommens wird jetzt die berühmte Flüssigkeit wieder daheim hergestellt.

Die filmische Umsetzung des Themas der autoritären DDR mit der Bespitzelung ihrer Bürger und der Todesdrohung beim Versuch der «Republikflucht», hat freilich zur Folge, dass bei diesen Filmen ein gutes Quäntchen Ironie, Sarkasmus und Zynismus unvermeidlich sind. Daher muss hervorgehoben werden, dass der verständnisvolle Blick auf die hin und her gerissenen Menschen eindeutig den Vorrang hat.

Fotos: Archiv

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