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Zum 200. Todestag von André-Jacques Garnerin 

Der erste Fallschirmsprung der Moderne

Garnerin und Citovenne Henri

Er war ein Luftfahrtpionier und der Erfinder des rahmenlosen Fallschirms. 1797 gelang André-Jacques Garnerin nachweislich der erste Sprung mit einem Fallschirm aus einem Heizluftballon in Paris, seine Frau Jeanne-Geneviève Labrosse wurde zwei Jahre später die erste Fallschirmspringerin der Welt.   

«Ich war kurz davor, die Leine zu zertrennen, die mich zwischen Himmel und Erde hielt… mit meinen Augen versuchte ich diesen großen Raum zu erfassen, der mich von dem Rest der Menschheit trennte. Dann stürzte ich hinab in die Tiefe mit einem Tempo, das durch die plötzliche Entfaltung meines Fallschirms unter Kontrolle gebracht wurde», so beschreibt André-Jacques Garnerin später seinen Sprung mit einem Fallschirm am 22. Oktober 1797 aus dem Korb eines Heizluftballons über dem Parc Monceau in Paris. 

Dieser erste offiziell anerkannte Fallschirmsprung der Geschichte erfüllte nicht nur einen langen Traum der Menschheit, sondern entwickelte den Traum vom Fliegen seit den ersten Entwürfen von Fallschirmen und Flugobjekten eines Leonardo Da Vinci fort. Garnerins Fallschirmsprung zeigte aber gleichzeitig die Gefahren auf: Da sich am Scheitel seines Fallschirms keine Öffnung befand, strömte die verdichtete Luft über den Rand des Schirms und verursachte dabei eine gefährliche, starke Pendelbewegung. Dieser Sprung aus 953 Meter Höhe und seine Landung in eine ihn bewundernde Menschenmenge brachte dem damals 28-Jährigen Ruhm ein und machte ihn zu einer Legende. Er brachte fünf Jahre später eine Scheitelöffnung am Fallschirm an, wie ihn sein Freund, der Astronom Jérôme Lalande, geraten hatte. Wie aber kam Garnerin zu diesem bedeutenden Sprung?

Fallschirmentwürfe in Kriegsgefangenschaft

Fallschirmsprung von André-Jacques Garnerin 1797 (Sammelkarte von etwa 1890)

André-Jacques Garnerin kam am 31. Januar 1769 in Paris zur Welt. Als junger Mann studierte er Physik. Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Jean Baptiste Olivier lernte er beim Heizluftballonpionier Jacques Charles die Kenntnisse zu deren Herstellung. 1787 unternahm er seine erste Ballonfahrt von Metz aus. Ihr folgte drei Jahre später eine Fahrt in einem einfachen selbstgebastelten Heizluftballon. 

Während der Napoleonischen Kriege wurde er 1793 Inspekteur in der französischen Armee. Dort förderte er die Nutzung von Heißluftballonen für militärische Zwecke. Bald erhielt den Auftrag mit den alliierten Gegnern Frankreichs zu verhandeln. Da aber diese nicht die Französische Republik als offiziellen Verhandlungspartner anerkannten, geriet Garnerin in Kriegsgefangenschaft britischer Truppen und wurde drei Jahre lang auf der Festung Buda in Ungarn inhaftiert. Während seiner Gefangenschaft tüftelte er an einem Fluchtplan. So begann er mit dem Entwurf von Fallschirmen, mit deren Hilfe er sich eine Flucht aus seiner Haft erhoffte. Dazu sollte es dann zwar nicht mehr kommen, aber seine Begeisterung am Ballonfliegen und die Idee des Fallschirms sollten ihn weiterhin begleiten, als er aus der Haft entlassen wurde und nach Frankreich zurückkehrte.

Der erste Fallschirmsprung aus 1.000 Meter Höhe 

Zurück in Frankreich unternahm er mehrere Ballonfahrten und vollzog dann am besagten 22. Oktober 1797 den ersten offiziell bestätigten Fallschirmsprung der Moderne. Sein rahmenloser, regenschirmgeformter Fallschirm bestand aus Leinen mit einem Durchmesser von 7 Meter. Als sein Wasserstoffballon auf fast 1.000 Meter stieg, kletterte er in den Korb und trennte dann den Fallschirm vom Ballon. Aufgrund der fehlenden Belüftungsöffnung am Scheitel des Fallschirms, führte sein Sprung zu wilden Pendelbewegungen. Er landete dann aber in seinem durchgeschüttelten Korb unverletzt etwa 800 Meter von der Stelle entfernt, wo der Heizluftballon aufgestiegen war. Als er dann zum Ausgangspunkt seines Flugs im Parc Monceau geführt wurde, feierte eine begeisterte Masse seinen Triumph. 

Ballonfahrt mit Passagierin 

Zeichnung von Garnerin aus dem Jahr 1797: Der erste von ihm entworfene Fallschirm

Nach seinem ersten Fallschirmsprung war Garnerin bereit für sein nächstes Projekt. Er kündigte den Zeitungen an, dass er für seinen zweiten Sprung eine Frau als Passagierin mitnehmen wollte. Diese Ankündigung kam aber nicht gut bei den Autoritäten an, sodass die Polizei eine einstweilige Verfügung gegen seinen zweiten Sprungversuch aus einem Ballon verhängte. Als Grund wurde angeführt, dass der geringere Luftdruck, einen negativen Effekt auf die inneren Organe der Frau ausüben könnte. Nachdem jedoch der Innenminister und Polizeiminister sich beraten hatten, erteilten sie schließlich die Erlaubnis. 

Fortan sollte es kein Problem darstellen, wenn zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts in einem Ballon gemeinsam aufsteigen. Zudem wurde die auserwählte Frau, Citovenne Henri, über mögliche Risiken informiert. Obwohl sie nicht die erste Frau war, die in einem Ballon flog, wurde ihr Flug am 8. Juli 1798 mit Garnerin zum großen Event. So berichtete man über sie als die erste Frau, «die den Mut hatte, sich selbst den Luftregionen anzuvertrauen». Ihr Ballon hob nördlich von Paris ab, flog knapp 30 Kilometer und landete dann bei Goussainville ohne jegliche Vorfälle. 

Die erste Fallschirmspringerin und die «Venus im Ballon»

Noch mehr Aufmerksamkeit erlangte dann aber Jeanne-Geneviève Labrosse. Sie hatte sich 1797 unter den Menschen, die den Flugpionier im Parc Monceau gefeiert hatten, befunden, traf ihn später persönlich und schrieb sich als seine Schülerin ein.  Am 10. November 1798 flog sie dann mit ihm in einem Ballon. Sie wurde schließlich die erste Frau, die allein in einem Heizluftballon aufstieg und am 12. Oktober 1799 die erste Fallschirmspringerin (in einem Korb) der Geschichte. Dieser «Korb-Fallschirmsprung» erfolgte auf ungefähr 900 Meter Höhe. 

Aus der Schülerin wurde dann später die Frau Garnerins. 

André-Jacques Garnerin (1769-1823)

Auch seine Nichte Elisa begann schon mit 15 Jahren mit dem Ballonfliegen und vollzog von 1815 bis 1836 insgesamt 39 Fallschirmsprünge. Die Warnung der Ärzte, «bei solch gewagten Sprüngen könnte der Druck der Luft den zarten Organen eines jungen Mädchens gefährlich werden», ignorierte sie. 

Mit tollkühnen Kunststücken verstand sie es, ihr Publikum zu beeindrucken. Bei der Siegesfeier der Alliierten nach dem endgültigen Sieg gegen Napoleon 1815 in Paris imponierte sie dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. mit ihrem Sprung aus 1.000 Meter Höhe, als sie unversehrt auf einem Stoppelfeld landete und sich dem König und den Zuschauern keck mit dem um ihre Hüften gebundenen Fallschirm präsentierte. Elisa wurde als «Venus im Ballon» eine Förderin des Fallschirmsprungs. 

Der «französische Aeronaut»

Am 18. Oktober 1802 füllte Jeanne-Geneviève Garnerin im Namen ihres Ehemannes das Patentformular für «ein Gerät, dass parachute [Fallschirm] genannt wird, welches den Fall des Korbs verlangsamte, nachdem der Ballon platzt. Seine lebenswichtigen Organe sind eine Stoffkappe, die den Korb trägt, und ein Holzkreis unterhalb und außerhalb des Fallschirms, der dazu dient, ihn beim Aufstieg offenzuhalten: 

Er muss seine Aufgabe im 

Moment der Trennung vom Ballon erfüllen, indem er eine Säule aus Luft aufrechterhält». Der Fallschirm hatte nun signifikante Verbesserungen erfahren, die mehr Stabilität garantierten. 

Von jetzt an wurden die Ballonfahrt und das Fallschirmspringen international gefördert. André-Jacques Garnerin wurde offiziell zum französischen Aeronaut (Luftfahrer) ernannt und besuchte 1802 mit seiner Frau offiziell England. Am 5. Juli unternahm er seinen ersten Ballonaufstieg in dem Land mit dem britischen Verwalter und Maler Edward Hawke Locker. Dort flogen die beiden 24 Kilometer bevor sie in Chingford, nördlich von London, landeten. Das Ehepaar vollzog mehrere Demonstrativflüge im Heizluftballon und am 21. September 1802 machte Garnerin einen Rekordsprung aus 2.500 m Höhe in London. 

Es folgten nun weitere Flüge im Ausland. So unternahm am 14. April 1803 das Ehepaar einen Aufstieg in Berlin zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelms III. und dessen Gemahlin Königin Luise. Am 3. und 4. Oktober 1803 flog der Franzose mit einem Heizluftballon die Entfernung von 300 Kilometer auf der Strecke von Moskau bis Polova und am 22. und 23. November 1807 legte er die Strecke von 395 Kilometer von Paris nach Clausen zurück (damals noch Teil der Französischen Republik). 

Garnerin vollzog an die 200 Sprünge in verschiedenen Ländern. Er meinte, dass das Militär für eine schnellere Kommunikation zwischen den Truppen Heizluftballone einsetzten sollte. 

Die Luftfahrt war seine Leidenschaft und bestimmte auch sein Schicksal, als er am 18. August 1823 in Paris einen Ballon befüllte und dabei von einem Balken erschlagen wurde. Ihm zu Ehren trägt seit 1960 der Garnerin Point, eine Landspitze in der Antarktis, seinen Namen.

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