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jueves, 18. abril 2024
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Zum 450. Geburtstag von Christoph Scheiner

Jesuitenpriester, Physiker und Astronom

Christoph Scheiner, 1725. Er beschäftigte sich zudem viel mit der Anatomie des Auges und atmosphärischen Phänomenen. So untersuchte er den optischen Aufbau des Auges und erkannte, dass auf der Netzhaut das Bild auf dem Kopf steht.

Vor 450 Jahren kam Christoph Scheiner in Markt Wald in Schwaben zur Welt. Nach dem Besuch einer Jesuitenschule trat er dem Orden bei und wurde einer der bedeutendsten Astronomen der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts.

Oh, unschöne Flecken!

Die Sonne strahlend, thronend über allem, verehrt – hat Flecken?! Jesuitenpater Christoph Scheiner schaut mehrmals durchs Teleskop, ehe er es glaubt und veröffentlicht. Sehr zum Leidwesen von Galileo Galilei, der das auch gerne als Erster entdeckt oder zumindest publiziert hätte. Ist das Taubendreck? Asche? Ruß? Pater Christoph Scheiner, Professor für Mathematik, Hebräisch und Astronomie am Ingolstädter Jesuitenkolleg, ist gereizt. Schon wieder! Schon wieder schwarze Flecken, wo nur Glanz und Klarheit sein sollte. Liegt es am Teleskop, dem unerhörten Wunderwerk, das Hans Lippershey, ein aus Wesel stammender holländischer Brillenmacher, erst drei Jahre zuvor erfunden hat? Gut möglich. Christoph Scheiner hatte das Fernrohr nachgebaut, verbessert und hoch oben im Turm der Jesuitenkirche aufgestellt.

Scheiners Beobachtung von Sonnenflecken

Doch irgendwas stimmt nicht mit dem Instrument. Scheiner zerlegt es, putzt das Rohr, reinigt die Linsen, prüft den Papierschirm, der das Sonnenbild am Augenende auffängt – alles tadellos. Aber warum dann die dunklen Male? Das gibt keinen Sinn. 

Immer wieder schnauft Scheiner, den Talar gerafft, Dampfwolken blasend, die engen Turmstufen hoch, beobachtet, rechnet, zeichnet, notiert. Die Male sind da! Sündschwarz und deutlich. Wie kann das sein? Das widerspricht allem, was die Schrift bezeugt, allem, was Aristoteles weiß und die Kirche glaubt. Der Pater ist verwirrt. Bislang war er Theologe und Forscher in einem, bislang waren Offenbarung und Natur zwei verschränkte Lehrwerke, die sich wechselseitig erklärten: Zeigte sich Gott in der Bibel im Gewand des Wortes, war er zugleich zeichenhaft sichtbar im Kleid der Dinge; zusammen formten Schrift und Welt die eine unteilbare Wirklichkeit Gottes. Und jetzt? Bedeuten diese Flecken, dass er künftig entweder Theologe oder Forscher ist? Dass es fortan zwei und mehr Wirklichkeiten gibt, die auseinandertreiben? 

Andererseits, was er da am 11. März 1611 erstmals und danach immer wieder gesehen hat, ist zweifellos wahr. Obendrein ist die Sonne sicher gar nicht besudelt. Was er zunächst für Flecken hielt, sind gewiss nur Kleinstplaneten, die das unberührte, makellose Gestirn umkreisen. Und wahr ist auch, dass Scheiner ein kleines, winziges, verzeihliches bisschen stolz ist auf seinen Fund. So packt er am Ende alles in drei lange, mit Zeichnungen, Tabellen, Berechnungen gespickte Briefe an einen Freund, der die Neuigkeit 1612 gedruckt unter einem Pseudonym erscheinen lässt.

Eine spannende Zeit

Scheiner wurde 1573 geboren, trat 1595 dem Jesuitenorden bei und war von 1610 bis 1617 Professor an der Universität Ingolstadt. Er hatte dort den Lehrstuhl für Mathematik und Astronomie inne. 

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Christoph Scheiner im schlesischen Nysa (Neisse). Dort ist er 1650 im Alter von fast 75 Jahren verstorben.

Es war eine spannende Zeit – ein Jahr zuvor hatte Johannes Kepler sein revolutionäres Buch «Astronomia Nova» veröffentlicht. Im gleichen Jahr richtete Galileo Galilei als erster das von ihm verbesserte Fernrohr zum Himmel. Seine Beobachtungen und Keplers theoretische Überlegungen über die Bewegung der Himmelskörper verhalfen dem heliozentrischen Weltbild zum Durchbruch und veränderten unseren Blick auf den Kosmos und das Bewusstsein über unseren Platz im Universum. 

Die Deutungen der Sonnenflecken waren vielfältig. Galileo hielt sie für Wolken auf der Sonne, Scheiner für kleine Planeten, die die Sonne umkreisten, und der deutsche Arzt und Astronom Johannes Fabrizius für Schlackehaufen auf der brennenden Sonne. 

Ein wichtiges Ergebnis aus dem 19. Jahrhundert war die Entdeckung, dass die Häufigkeit der Sonnenflecken einem elfjährigen Zyklus unterworfen ist. Dass magnetische Vorgänge in der Sonne für die Flecken verantwortlich sind, erkannten Wissenschaftler erst im 20. Jahrhundert. Je stärker die Sonnenaktivität, desto mehr Flecken sind auf ihrer Oberfläche sichtbar. Die fortlaufenden Untersuchungen der Sonnenflecken fanden im späteren 17. Jahrhundert ein jähes Ende, weil zwischen 1640 und 1700 Sonnenflecken nur noch sehr selten auftraten.

Wer ist der wahre Entdecker?

Gelegentliche Berichte über Sonnenflecken gibt es aus allen Epochen, beispielsweise schon vom Ende des Jahres 813. Das wurde als ein böses Omen gedeutet: Im folgenden Januar starb nach kurzer Krankheit Karl der Große. Vielleicht hat auch Galileo Galilei von solchen Beobachtungen gewusst, als er sein neues Fernrohr mit 32-facher Vergrößerung im Jahre 1610 auf die Sonne richtete. 

Galileo war jedoch nicht der einzige Beobachter der Sonnenflecken. Der Engländer Thomas Harriot hatte diese schon vor ihm mit einem Teleskop beobachtet, und mit Christoph Scheiner entstand ein Streit, wer sie als erster entdeckt habe. Weder Scheiner noch Galileo nahmen Notiz davon, dass Johannes Fabricius beiden mit der ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung über Sonnenflecken im Juni 1611 zuvorkam. Und allen kam wiederum Johannes Kepler zuvor, der 1607 die Sonne mit einer Lochkamera beobachtete und einen Sonnenfleck bemerkte, den er aber für den Planeten Merkur hielt, der gerade vor der Sonne vorbeizog…

Systematische Untersuchungen der Sonnenflecken 

Diese führte Scheiner ab 1611 und Galileo ab 1612 durch. Beide benutzten dabei die Projektionsmethode: Statt geschützt durch einen Farbfilter durch das Teleskop zu schauen, betrachteten sie das Bild der Sonne, das von einem Fernrohr auf einem Blatt Papier entworfen wird. Durch Nachzeichnen des Umrisses der Sonne und der Lage der Flecken kann man zeigen, dass sich die Flecken über die Sonnenscheibe hinweg bewegen. So wurde entdeckt, dass die Sonne mit einer Umdrehungsdauer von etwa 28 Tagen rotiert.

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