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sábado, 13. abril 2024
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Wenn die Bäume in Sanssouci sterben

«Das tut schon weh»

Park Sanssouci um 1900 auf einer Postkarte: Seither sind die meisten Bäume verschwunden.

Millionen Touristen zieht es zu den Sehenswürdigkeiten im weltberühmten Park Sanssouci. Nicht nur dort, sondern in historischen Parks überall in Deutschland sind alte Bäume geschädigt. Hat das grüne Erbe im Zuge des Klimawandels noch eine Zukunft?

Potsdam (dpa) – Unbesorgt ist Asja Feilbach nicht unbedingt, wenn sie durch die Gärten von Sanssouci führt. «Das Herz blutet», sagt sie. Die erfahrene Parkführerin in Sanssouci lenkt den Blick auf tote Buchen. Es sind nur noch kahle Stämme übrig. An einer alten, aber ziemlich kaputten Eiche auf dem Ruinenberg soll der Heldbockkäfer seine Fraßspuren hinterlassen haben.

Keine gesunde Buche mehr

Ein Schild am Anfang eines Weges im Park Sanssouci
Fotos: dpa

Im weltbekannten Park Sanssouci in Potsdam, ein Touristenmagnet, geht es gerade auch zum Unesco-Welterbetag am 4. Juni bei Besucher-Führungen um die Folgen des Klimawandels, um das große Baumsterben. Ist die historische Anlage von Friedrich des Großen, die seit langem auf der Welterbeliste steht, in Gefahr?

«Ein Großteil unserer Bäume wird absterben», meint Gartenarchitekt Sven Kerschek in Potsdam, der die Parks seit langem betreut und früher Chefgärtner war. «Das tut schon weh. Ich habe auch schon bei Klima-Führungen geweint, es ist emotional ganz schwierig zu verarbeiten.»

In historischen Parks überall in Deutschland sind nach Erkenntnissen des Wissenschaftlers Norbert Kühn vor allem alte Bäume geschädigt. «Große Bäume ertragen die Dürre nicht.» Kühn, Professor am Institut für Landschaftsarchitektur der Technischen Universität Berlin, wertet in einem Forschungsprojekt derzeit Daten zur Baum-Vitalität aus 60 Parkanlagen bundesweit aus. Er schätzt, dass 50 bis 80 Prozent der Bäume Schäden aufweisen. «Der Klimawandel ist nicht allein verantwortlich, aber er spielt eine entscheidende Rolle.»

Viele Eichen und Buchen sind in den denkmalgeschützten Parks in Potsdam um die 150 Jahre alt oder älter. Auch an Birken und Linden zeigten sich Auswirkungen des Klimawandels, sagt Kerschek. «Es ist überall deutlich zu sehen.» Die Warnschilder «Vorsicht Astbruch», die früher meist nur nach heftigen Stürmen an Parkeingängen angebracht wurden, hängen dort inzwischen das ganze Jahr. Wer mit Gärtnern im Park Sanssouci über Folgen des Klimawandels plaudert, hört schnell, dass der Pflegeaufwand immer höher werde, aber auch Gärtner fehlten.

Wegen der Hitzesommer und großer Trockenheit müssen mehr und mehr Bäume gefällt werden. Im Schlosspark Babelsberg waren es nach Angaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in diesem Jahr bisher 155. Bei vielen anderen werden die Kronen beschnitten. «Ich habe in Babelsberg fast keine Buche gesehen, die gesund ist», sagt Kerschek. Im wesentlich größeren Schlosspark Sanssouci mit insgesamt rund 26.000 Bäumen müssen laut Stiftung in diesem Jahr gut 90 Bäume gefällt werden.

«Viel experimentieren»

Die Gärtner der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die unter großem Spardruck steht, setzen teils neue Bewässerungsmethoden um. Sie experimentieren, wie das Nachpflanzen von Gehölzen Erfolg bringen kann. Auch eine eigene Anzucht von Bäumen ist geplant.

Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Fachleute vor allem von einer neuen Branitzer Baumuniversität in Cottbus, die der Bund mit fünf Millionen Euro fördert. Sie soll im kommenden Jahr entstehen und gilt als größtes Modellprojekt der Bundesregierung für den Erhalt historischer Gärten im Klimawandel. Die ersten «klimaangepassten» Eichen, darunter die in Südeuropa verbreitete Zerr-Eiche, haben die Gärtner bereits im Branitzer Park gepflanzt, ein Gartenkunstwerk des 19. Jahrhunderts von Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871). «Nadelbäume wie die Fichte und die Lärche werden nicht mehr gut funktionieren, die Eiche schon», ist Forscher Kühn überzeugt.

Für geschützte Gartendenkmale wie den Park Sanssouci, den der bedeutende Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné (1789-1866) gestaltete, ist eine Anpassung an den Klimawandel aber keine leichte Aufgabe. «Man kann nicht einfach eine Kastanie setzen, wenn bei Lenné oder Pückler eine Eiche dort stand», meint der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur Stefan Schweizer. «Es wird viel experimentiert werden müssen», auch wegen des Risikos, dass bei neuen Baumarten neue Schädlinge auftauchten.

Schweizer sieht die Gefahr, «dass wir unser kulturelles Erbe verlieren». Auch der Potsdamer Gartenexperte Kerschek ist überzeugt: «Der Gesamteindruck des Gartens wird sich verändern.» Aber nicht nur der Klimawandel macht den Erhalt des Welterbes schwieriger und den Revierleitern in Sanssouci Sorgen. Neben sterbenden Bäumen, verbrannten Wiesen und niedrigen Wasserständen gehörten auch Müllberge und Vandalismus zu den alltäglichen Herausforderungen im Park, wie es in der Ankündigung für einen Spaziergang im Juli heißt.

Branitzer Baumuniversität – größtes Projekt zum Erhalt historischer Gärten
Schloss Branitz
Foto: Von Jörg Blobelt, CC BY-SA 4.0, 
Schloss Branitz
Der Fürst-Pückler-Park Branitz ist ein von Fürst Hermann von Pückler-Muskau ab 1846 gestalteter Landschaftspark in Branitz. Der Fürst gründete im gleichen Jahr die Branitzer Baumuniversität. Diese Baumschule lieferte bis 1945 in der Historischen Schlossgärtnerei Pflanzen, die an den kargen Boden der Lausitz angepasst waren. Sie machen bis heute den Bestand der 25.000 Bäume im Innenpark aus.

Besonders die alten Bäume im Park leiden unter der extremen Trockenheit und Hitze, was sie anfälliger für Schädlinge und Krankheiten macht. Deshalb starben in den letzten Jahren im Branitzer Park bereits hunderte Bäume ab. 

Von 2022 bis 2024 wird die neue Branitzer Baumuniversität aufgebaut, die Deutschlands größtes Modellprojekt zum Erhalt historischer Gärten im Klimawandel ist. Dort sollen neue Methoden der Gehölzvermehrung genutzt werden. 

Quelle: www.pueckler-museum.de

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