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miércoles, 21. febrero 2024
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Porträt – Gordan Nikolic

Leiter des Insalco

Junge Menschen für die duale Ausbildung begeistern

Gordan Nikolic leitet seit August 2022 das Instituto Superior Alemán de Comercio, das Insalco in Vitacura. Die duale Berufsausbildung kennt er aus eigener Erfahrung: Im baden-württembergischen Heidenheim absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Als Berufsschullehrer und nun als Insalco-Leiter ist es ihm ein großes Anliegen, Jugendlichen die Vorteile und Chancen der dualen Ausbildung zu vermitteln.

Gordan Nikolic ist in Kroatien geboren und in Baden-Württemberg aufgewachsen.               Seine eigentliche Heimat ist somit das Schwabenland geworden, wie auch seine leicht schwäbische Klangfärbung verrät. Bis zum elften Lebensjahr ist er in Crailsheim bei Schwäbisch-Hall aufgewachsen. In Heidenheim an der Brenz machte er seinen Realschulabschluss und daraufhin eine Bankausbildung.

Während seiner Ausbildung wurde ihm bald klar, dass er studieren wollte. Die Bank stellte ihn frei und innerhalb von zwei Jahren machte er sein Abitur. Dann entschied sich der 22-Jährige aber eine andere Berufsrichtung einzuschlagen, mit er schon früh geliebäugelt hatte: «Bereits in der Realschule hatte ich daran gedacht, Lehrer zu werden. Das ist für mich auch eine Art von Berufung.» Während seiner dualen Ausbildung besuchte er selbst die Berufsschule und es gefiel ihm der Gedanke, junge Menschen auf die Berufswelt vorzubereiten: «Es hat mich gereizt, junge Menschen, die im Alter um die 16 Jahre alt und noch auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sind, zu unterstützen, ihre persönliche Richtung zu finden.» 

Daher entschied er sich für den Studiengang der Wirtschaftspädagogik an der Universität Hohenheim in Stuttgart und wählte als Zweitfach Geschichte/Politik. Das anschließende anderthalbjährige Referendariat führte ihn wieder zurück an den Ort, wo sein Elternhaus steht, nach Heidenheim. Es folgten 13 Jahre, in denen Gordan Nikolic an der John-F.-Kennedy-Schule in Esslingen als Berufsschullehrer arbeitete und die Fächer Spezielle Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen sowie Geschichte/Politik unterrichtete. 

Auch im Nachhinein hat der Pädagoge seine Berufswahl nicht bereut: «Mir wurde von den Schülern zurückgemeldet, dass sie viel aus meinem Unterricht mitnehmen, den strukturierten Aufbau gut finden und mein konsequentes Handeln schätzen.» Es gehe in der Schule auch um Persönlichkeitsentwicklung und «da können wir als Lehrer einen entscheidenden Beitrag leisten», ist Gordan Nikolic überzeugt. «Das eigene Verhalten, wie Pünktlichkeit oder Gewissenhaftigkeit, das man den Jugendlichen tagtäglich vorlebt, vermittelt ihnen Normen und Werte.»

Das spiegele sich auch in manchem Lebensweg seiner ehemaligen Schüler wider, wie der Berufsschullehrer im Februar bei der Teilnahme an der Didacta, der Bildungsmesse in Stuttgart, feststellen konnte. Er habe eine ehemalige Schülerin wiedergetroffen, die bei der Mercedes-Benz Group AG eine Ausbildung für Büromanagement absolviert hatte. Nun habe sie selbst die Aufgabe übernommen, Auszubildende für das Unternehmen anzuwerben: «Es ist schön zu sehen, wie sich die Persönlichkeit junger Menschen weiterentwickelt hat und wie mancher Lebensweg durch die Ausbildung geprägt wird.» 

Gordan Nikolic spürte nach 13 Jahren Tätigkeit an der Kaufmännischen Schule, dass er etwas Neues in seinem Beruf ausprobieren, neue Erfahrungen machen wollte. «Ein Kollege war inzwischen in São Paulo am deutschen Berufsbildungszentrum tätig. Mit ihm traf ich mich jedes Jahr, wenn er in Stuttgart zu Besuch war.» Er habe ihn auf die Idee gebracht, sich für den Auslandsschuldienst zu bewerben. Motiviert habe ihn dabei der Spruch: «Wenn einer eine Reise tut, hat er etwas zu erzählen.» 

Es gibt weltweit zehn deutsche Berufsschulen – die Stellen sind rar gesät. Doch Gordan Nikolic hatte Glück: «Im Januar 2021 habe ich mich beworben und im November wusste ich bereits, dass es nach Chile gehen würde.» In Gesprächen stellte er dann fest, dass viele Menschen in seinem Umfeld schon Erfahrungen in dem Andenland gemacht hatten – und das waren ausschließlich positive. Im Rückblick meint er: «Es war die richtige Entscheidung. Allein die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, der Aus- und Umzug in ein fremdes Land, die ersten Spanischkurse – das ist alles eine Bereicherung für meine Frau und mich!» Auch eine Reise in den Süden, wo das Ehepaar unter anderem Chiloé und Pucon, kennenlernte, hat ihnen das bestätigt.

Mit viel Elan und Enthusiasmus hat sich der Insalco-Leiter daher von Anfang für die Duale Ausbildung in Chile engagiert. Die Berufsschule in Vitacura arbeitet aktuell mit 32 Betrieben zusammen, dazu gehören auch renommierte und internationale Unternehmen wie Kühne+Nagel oder Ultramar. Die Zahl der kooperierenden Betriebe wachse kontinuierlich, allein dieses Jahr seien zehn hinzugekommen. Auch unter den Jugendlichen spreche sich mehr und mehr herum, dass ihnen die duale Ausbildung des Insalco gute Chancen biete: «Dieses Jahr bilden wir 32 neue Studenten aus und haben somit aktuell 68 Studenten.»

Die letzte Zeit sei der Zertifizierungsprozess durch den Consejo Nacional de Educación durchgeführt worden: «Das heißt, sowohl wir als Schule als auch die mit uns kooperierenden Betriebe haben auf diesem Weg die Qualität verbessert. Anfang dieses Jahres erlangte das Insalco schließlich die institutionelle Autonomie und der Prozess geht jetzt in die zweite Runde, was eine weitere Qualitätssteigerung bedeutet.»

Bald kommt nicht nur beruflich, sondern auch privat eine Lebensveränderung auf den Insalco-Leiter zu, wie er hocherfreut berichtet: Noch in diesem Monat erwarten Gordan Nikolic und seine Frau Martina Familienzuwachs.

Foto: privat

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