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Porträt – Víctor Bielefeldt

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Manager bei Funk und Fernsehen

Vom Radioregisseur zum Fernsehintendanten

Foto: privat

Sein Traum als Kind war, als Tontechniker im Rundfunk Karriere zu machen. Der Wunsch ging in Erfüllung, obwohl er damals nicht auf die Idee gekommen wäre, dass er es zum erfolgreichen Generaldirektor eines Fernsehkanals bringen würde. 

Schon als kleiner Junge hörte er gern Radio. In den 1950er Jahren gab es Kindersendungen, in denen Märchen erzählt wurden und anspruchsvolle Hörspiele, die sogenannten «Radioteatros», die literarische Vorlagen bearbeiteten und diese mit Geräuschkulisse und Musikeinlagen darboten. Víctor war um die sieben Jahre alt, als er bei Radio Balmaceda eine Kindersendung und in Radio Corporación die «Show del abuelito Carlos» besuchen durfte.

Zuhause spielte er Radio und fertigte aus Karton ein Rundfunkmodell mit Sendesaal, Tontechnikerraum und Verwaltungsbereich. Als junger Erwachsener lud ihn ein Freund ein, Radio Cruz del Sur zu besuchen. Víctor durfte jeden Sonntag eine Sendung aus der Tonregie beobachten, bis eines Tages der Techniker ihn aufforderte, eine Platte aufzulegen: «Zitternd nahm ich den Tonarm. Er wog kaum anderthalb Gramm, viel weniger als unserer daheim. Er flog nach oben und ging auseinander. Es war eine Katastrophe!» Trotzdem durfte von nun an Víctor sonntäglich Hand anlegen und eine Art Praktikum absolvieren.

Nach anderthalb Jahren, in denen er bei verschiedenen Sendern hineinschaute und sich theoretisch bildete, machte er seine Lizenz als Tontechniker. Mit dem Ausweis in der Hand konnte er nun den erträumten Beruf ausüben. 

Die Tätigkeit in der Tonregie genügte dem ruhelosen jungen Mann jedoch nicht. Er produzierte Programme und ging als Reporter regelmäßig mit einem Tonbandgerät nach Las Vizcachas, um über die Autorennen zu berichten. 

Damit nicht genug, trieb es ihn zum noch jungen, aber aufblühenden Fernsehen, das damals die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregte. Ebenso interessierte ihn Film und Werbung. Rückblickend meint er, und ein gewisser Ton der Genugtuung ist unüberhörbar: «Bevor ich 40 war, hatte ich in all diesen Medien gearbeitet». 

Mitte der 1970er Jahre – Bielefeldt war in der Tontechnik des Fernsehkanals 9 der Universidad de Chile für die Musikeinlagen zuständig – stellte der Verkaufsleiter beim Durchsehen der letzten Umfrage fest, dass bei Beginn des Abendfilms die Einschaltziffern abstürzten. Nichtsahnend meinte Bielefeldt: «Das kommt daher, weil vor dem Film ein Sprecher redet, manchmal zwei, manchmal fünf Minuten, um die Zeit einzuhalten. Da schalten die Zuschauer ab.» Der Manager war von der Aussage dermaßen beeindruckt, dass er den Generaldirektor überredete, dem jungen Tonmeister die Sendeleitung zu übergeben. Von einem Tag zum anderen musste Bielefeldt sich einarbeiten: «Es war ein Kraftakt, denn außer der Gesamtübertragung mit den Programmen und der Werbung, war ich für den Filmverkehr zuständig. Das musste alles koordiniert werden!»

Die Riesenaufgabe änderte von Grund auf Bielefeldts Sicht auf die Branche. Er hatte nunmehr einen Gesamteindruck über die Koordination der verschiedenen Instanzen, die im Geschäft mitspielten, und welche Rolle und Bedeutung ihnen zukam.

Der nächste große Schritt war die Übernahme des Fernsehsenders der Universidad Católica Valparaíso, den er zu einem kritischen finanziellen Zeitpunkt machte. Die Räumlichkeiten in Valparaíso wurden geschlossen und der neue Leiter musste ein modernes Studio im Stadtteil Agua Santa in Viña del Mar entwerfen und bauen lassen. Der Kanal strahlte zunächst täglich anderthalb Stunden Dokumentarfilme aus, aber mit dem Erfindungsgeist Bielefeldts und seiner Mitarbeiter entstanden später so erfolgreiche Sendungen wie «Pipiripao», «El show del profesor Rossa» und «El camino del inca». 

Nach sieben Jahren kündigte Bielefeldt Ende der 1980er, um einem Ruf aus Honduras zu folgen, wo der Inhaber eines Senders ihn als künstlerischen Leiter engagierte, um Übertragungen wie zum Beispiel das Musikfestival der Organización de Televisión Iberoamericana (OTI) zu produzieren. Über ein Dutzend Jahre arbeitete er insgesamt in Mittelamerika in verschiedenen Fernsehkanälen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat unterrichtete er an der Universidad Uniacc, wo er außerdem einige technische Projekte der audiovisuellen Abteilung übernahm. 

Im Jahr 2011 kehrte er ein letztes Mal nach Honduras zurück, um die Produktionsleitung eines Fernsehsenders mit modernster Technologie zu übernehmen. Nach drei Jahren entschloss der unermüdliche Manager sich endgültig in Chile niederzulassen. Die Kriminalität hatte in Mittelamerika dermaßen zugenommen, dass an einen ruhigen Lebenswandel nicht mehr zu denken war. 

Heute tritt Víctor Bielefeldt etwas leiser, was durchaus nicht bedeutet, dass der umtriebige Mann sich nun zur Ruhe gesetzt hätte. In seiner gemütlichen Wohnung hat er seinen Internetrundfunksender Radio Víctor aufgebaut, an dem er täglich seiner Leidenschaft als Tontechniker nachgeht (siehe Reportage in unserer Ausgabe vom 17. März). Und sobald die Zeit es ihm erlaubt, spielt er mit seiner elektrischen Eisenbahn. «Die Züge haben mir schon immer gefallen», versichert er, «weshalb ich mir im Laufe der Jahrzehnte eine Märklinanlage zusammengekauft habe». Bielefeldt entschied sich dabei nicht für die typische H0-Spur, sondern für das winzige Z-Format, das ihm ermöglicht, auf einer Fläche, die etwa der Hälfte eines Pingpong-Tisches entspricht, vier Züge über Bahnhöfe und Brücken, durch Tunnels und an Gebäuden herumflitzen zu lassen. «Es ist ein ungemein fesselndes Hobby, das einen entspannt und manchmal auch Ärger verursacht», lacht er, «wenn zum Beispiel der Lokführer einen Fehler begeht und es zu einem Zusammenstoß kommt!»     

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