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jueves, 9. febrero 2023
Inicio Kultur Zum 125. Todestag von Lewis Carroll, Autor von Alice im Wunderland

Zum 125. Todestag von Lewis Carroll, Autor von Alice im Wunderland

Ein Hang zum Wahnsinn und unlogische Welten

Lewis Carroll, der Autor von<<Alice im Wunderland>>. Er ist berühmt für seine Figuren, die einen Hang zum Wahnsinn haben, und für seine Welten, in denen nicht immer die Logik gilt.

Kaum einer kennt es nicht, das erstmals 1865 erschienene Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll «Alice im Wunderland.» Es zählt zu den Klassikern der Weltliteratur. Die britische Zeitung The Guardian nahm es 2009 in die Liste der 1.000 Romane auf, die jeder gelesen haben muss. Mit seiner Befähigung für Wortspiel, (Un)logik und Fantasie schaffte es Lewis Carroll, weite Leserkreise zu fesseln.

Figuren der Erzählung «Alice im Wunderland», wie zum Beispiel die Grinsekatze, der Jabberwocky, der Märzhase und der verrückte Hutmacher, oder einzelne Episoden, wie beispielsweise die der Teegesellschaft, wurden für die Bühne, für Verfilmungen und in der Popkultur immer wieder aufgegriffen.

Der Autor der berühmten Kinderbücher «Alice im Wunderland», «Alice hinter den Spiegeln» und «Die Jagd nach dem Schnatz» (unter anderen Werken) ist der britische Schriftsteller, Fotograf und Mathematiker Lewis Carroll. Seine Werke sind bis heute populär geblieben und haben nicht nur die Kinderliteratur, sondern ebenso Schriftsteller, Surrealisten, Maler und Bildhauer sowie Musiker und Komponisten – darunter John Lennon – beeinflusst.  

Vielseitig begabt

Lewis Carroll (eigentlich Charles Lutwidge Dodg-son) wurde 1832 im County Cheshire geboren. Er war das dritte Kind, dem weitere acht folgten. Als Charles elf Jahre alt war, bekam sein Vater eine Pfarrstelle in North Yorkshire, und die ganze Familie zog in das geräumige Pfarrhaus ein, das für die nächsten 25 Jahre ihr Zuhause blieb. Der Junge wurde bis zu seinem elften Lebensjahr zu Hause unterrichtet. Seine Lernliste wurde in der Familie überliefert und ist Beweis für seinen herausragenden Intellekt. Ein Neffe berichtete, sein Onkel habe schon als kleiner Junge seinen Vater gebeten, ihm die Formeln einer Logarithmentafel zu erläutern. Mit zwölf Jahren wurde er auf eine Privatschule geschickt, wo er durch seine mathematische Begabung auffiel. In dieser Zeit verfasste er auch Gedichte in lateinischer Sprache, denen sich englischsprachige Erzählungen anschlossen. 

 

Alice und der Dodo, Zeichnung von John Tenniel (1865)

Der junge Erwachsene Charles Dodgson war etwa 1,80 Meter groß, schlank, hatte lockiges braunes Haar und blaue Augen. Im Alter von 17 Jahren hatte er an einer schweren Infektion mit Keuchhusten gelitten, die Folge war eine Schwerhörigkeit des rechten Ohrs. Die einzige ernsthafte Behinderung jedoch war das, was er als seine «Unsicherheit» bezeichnete, ein Stottern, das ihn bereits seit früher Kindheit belastete und das ihn sein ganzes restliches Leben plagte.

Dodgson besuchte ab Mai 1850 das zur Oxford-Universität gehörende College Christ Church, wo er die Fächer Mathematik, Theologie und klassische Literatur belegte. Aufgrund seiner Brillanz als Mathematiker wurde er nach Abschluss des Studiums 1855 als Tutor für Mathematik im Christ Church eingestellt; diese Position sollte er die nächsten 26 Jahre ausfüllen. Er erzielte damit zwar ein gutes Einkommen, doch die Arbeit langweilte ihn. 

Inspiriert durch Bootsausflug

Sein Dichtername Lewis Carroll, der ihn berühmt machen sollte, erschien 1856 erstmals in der Zeitung The Train, in der einige seiner Parodien veröffentlicht wurden. Dieses Pseudonym leitet sich von seinem Realnamen her: Lewis ist die anglisierte Form von Ludovicus, der latinisierten Form für Lutwidge, und Carroll ist die anglisierte Form von Carolus, dem lateinischen Namen für Charles.

Plakat zur Disney-Verfilmunf (2010)

Da er für neue technische Errungenschaften stets Interesse zeigte, erwarb Carroll 1856 eine neue Kamera zum Preis von 15 Pfund, damals eine hohe Summe. Sein bekanntestes Motiv war Alice Liddell, die Tochter des Dekans von Christ Church. Er hatte sie durch das Fenster seines Arbeitsplatzes erblickt, als sie mit ihren Schwestern im Garten des Dekanats spielte (er war 24, die kleine Alice 4 Jahre alt). So lernte er die Geschwister kennen und freundete sich mit ihnen an. Im Juli 1862 unternahm Carroll mit seinem Freund Robinson Duckworth und den drei Schwestern Lorina Charlotte, Alice und Edith Liddell einen Bootsausflug auf der Themse und erzählte eine seiner Geschichten. Als Alice Liddell den Wunsch äußerte, er möge die Geschichte aufschreiben, entstand die Inspiration zu seinem weltberühmt gewordenen Kinderbuch «Alice im Wunderland.»

Im Februar 1863 hatte Carroll das Manuskript abgeschlossen – es waren 90 Seiten in seiner peniblen kleinen Handschrift geworden. Zunächst war er unschlüssig, ob er sein Werk publizieren sollte. Er gab es in dieser Situation seinem Freund George MacDonald, der es seinen Kindern vorlas. MacDonalds Sohn Greville war so begeistert, dass er wünschte, «es gäbe 60.000 Bände» davon. Dies überzeugte Carroll. Der Verlag Macmillan nahm das inzwischen stark erweiterte Manuskript zur Veröffentlichung an. Das Buch erschien im Jahr 1865, erst unter dem Namen «Alice’s Adventures Under Ground» und dann als «Alice’s Adventures in Wonderland» mit Illustrationen des namhaften Zeichners John 

Tenniel. Es fand gleich nach seinem Erscheinen großen Anklang und viele begeisterte Leser. Dazu gehörten unter anderem der junge Schriftsteller Oscar Wilde und Königin Victoria.

Kurz vor Weihnachten fuhr er 1897 wie jedes Jahr zu seinen Schwestern nach Guildford. Er war erkältet, wie so oft, da er in seinen Räumen am Christ Church College an Heizung sparte. Um die Jahreswende verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Am frühen Nachmittag des 14. Januar 1898, vor 125 Jahren, starb Lewis Carroll an den Folgen einer Lungenentzündung.

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