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sábado, 15. junio 2024
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Blu-Ray-Report – «Krieg und Frieden» von King Vidor

Lew Tolstois Monumentalwerk, in dem er das politische und gesellschaftliche Geschehen Russlands in der Zeit zwischen 1805 und 1812 umfassend unter die Lupe nimmt, wurde verschiedentlich für das Kino bearbeitet. Bereits 1915 verfilmte der russische Regisseur Wladimir Gardin den Stoff. Die bisher letzte Fassung produzierte die BBC 2016 als sechteilige Fernsehserie. 1966 entstand die kostspieligste – und wahrscheinlich gelungendste – Version unter der Leitung von Sergei Bondartschuk. Der Staat stellte ihm das sowjetische Heer zur Verfügung, sodass er für die Schlacht bei Borodino 120.000 Mann in Szene setzen konnte.

King Vidors Film aus dem Jahr 1956 ist im Vergleich zu Bondartschuks siebenstündigem Werk zwar eine gestrafftere Darstellung, spart jedoch weder an der Ausstattung noch an internationalen Stars. Die drei Hauptfiguren Natascha Rostowa (Audrey Hepburn), Pierre Besuchow (Henry Fonda) und Andrei Bolkonski (Mel Ferrer) kamen aus den USA, Anatol Kuragin (Vittorio Gassman) aus Italien, Napoleon Bonaparte (Herbert Lom) aus dem Vereinten Königreich, General Kutusow (Oskar Homolka) aus Österreich, Elena Kuragin (Anita Ekberg) und Sonja Rostowa (May Britt) aus Schweden. Die Mimen erbringen gute Leistungen, obwohl darunter eigentlich kein Beitrag für die Ewigkeit zu finden ist. 

Am Drehbuch feilten acht Personen, darunter der Regisseur. Sie fassten den Riesenstoff drastisch zusammen und konzentrierten die Handlung auf das Gesellschaftsleben der höheren russischen Schicht im Allgemeinen und das Verhältnis zwischen Natascha und Andrei im Besonderen.

Das Werk entstand im «VistaVision»-Breitwandverfahren, bei dem ein 35mm-Film verwendet wird, der horizontal durch die Kamera läuft, wodurch eine viel größere Fläche belichtet werden kann wie bei der üblichen vertikalen Fahrt, was im Endeffekt ein feinkörnigeres und somit gestochen scharfes Bild gewährleistet. 

Die technische Bearbeitung und Überspielung auf Blu-ray Disc lässt viele Wünsche offen. Die Bildaufbereitung ist mangelhaft, Schärfe und Korn uneinheitlich. Der Film wurde im Technicolor-Verfahren aufgenommen, was eine optimale Farbtreue garantiert, die mit der Zeit nicht nachlässt. Trotzdem wirken viele Sequenzen verblichen und bleifarben. Dazu wurde das Bild offenbar nicht restauriert, wie es ein vertikaler weißer Strich bestätigt, der über lange Minuten den Bildschirm durchquert. 

Die Tonqualität, dumpf und hallig. Sie entspricht dem Standard der 1950er Jahre. Im Vorspann wird zwar stolz angegeben: «Recorded with perspecta stereophonic sound», auf der Blu-ray Disc ist jedoch eindeutig Mono zu hören. Ebenso wird bei Szenenwechseln mitunter der Ton unsauber ausgeblendet, wodurch der Eindruck entsteht, dass eine Bildfolge der Schere zum Opfer fiel.  Es ist geradezu unverständlich, weshalb die Produzenten bei der Blu-ray an Bild- und Tonqualität sparten, wo sie doch die bestmöglichen technischen Errungenschaften der Entstehungszeit des Films zur Verfügung hatten. Somit ist das Resultat in technischer Hinsicht ein matter Abklatsch des Originals. 

Kein Bonusmaterial!   

«War and Peace», USA, Italien 1956. Regie: King Vidor. Produktion: Dino de Laurentiis. Drehbuch: Bridget Boland, Robert Westerby, King Vidor, Mario Camerini u a. Musik: Nino Rota. Kamera: Jack Cardiff. Ton: Leslie Hodgson. Schnitt: Leo Cattozzo. Mit Henry Fonda, Mel Ferrer, Audrey Hepburn, Vittorio Gassman, Herbert Lom, Anita Ekberg, Helmut Dantine, John Mills, Oskar Homolka  u. a. Spieldauer: 208 Min.  

Bild **

Ton **

Darbietung ***

Extras *

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