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jueves, 9. febrero 2023
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Ein Mann der 15. Deutschen Feuerwehrkompanie

Pablo Cortés – neuer Superintendant der Feuerwehr Santiago

Pablo Cortés de Solminihac
Foto: Deutsche Feuerwehrkompanie

Zum ersten Mal seit 150 Jahren, seit dem Bestehen der Feuerwehr Santiago, erhält ein Angehöriger einer von einer Einwanderergemeinschaft gegründeten Feuerwache den höchsten Verwaltungsposten des Superintendanten. Pablo Cortes wird also für die nächsten Jahre über Verwaltung, Personal und Finanzen zu entscheiden haben.

Feuerwehr wird seit jeher mit einer Tätigkeit verbunden – und das nicht nur in Chile, sondern in   der weiten Welt: Es werden uns tapfere   junge Männer gezeigt – immer nur Männer -, die gleich Helden dem Feuer mit Wasser zu Leibe rücken. Gibt es dabei etwas zu retten, handelt es sich stets um eine  Frau, die in letzter Minute aus einem brennenden Haus getragen wird. Der Hauptfehler liegt eben gerade in der Vorstellung, die Feuerwehr immer nur mit Feuer und Wasser zu verbinden, obwohl heutzutage das Feuer nur eine zweite oder sogar nur eine dritte Rolle im Aufgabengebiet einer Feuerwehr spielt. In den Medien werden weiterhin hauptsächlich diese Rettungsaktionen bei Feuer gezeigt, statt die Aufgaben, die inzwischen wirklich eine Feuerwehr herausfordern und die Leistungen, die heutzutage genauso Frauen – trotz der veralteten Vorstellungen – in der Lage sind zu erbringen.

Diese und viele andere Aufgaben erwarten den neuen Superintendanten der Gesamtfeuerwehr Santiago, Pablo Cortés de Solminihac, Angehöriger der 15. Freiwilligen Feuerwehrkompanie zu Santiago. Pablo Cortés ist Betriebswirt und trat der 15. Deutschen Kompanie im Jahre 1988 während seines Studiums bei. Nach Studienabschluss begann er seinen beruflichen Werdegang zunächst im Konzern der CMPC, leitete für dieses chilenische Unternehmen mit internationaler Präsenz  15 Jahre einen Zweigbetrieb in Montevideo, Uruguay, um dann  in ein Unternehmen  der Gruppe Solari zu wechseln. Auch hier wiederum ist er seit mehr als 15 Jahren in ganz Südamerika aktiv, reiste in unserem Kontinent von Süd nach Nord. Nun ist er schon ein wenig sesshafter geworden und leitet das bekannte Einkaufszentrum Mall  Plaza.

Trotz solcher Verpflichtungen beruflicher Art blieb Pablo Cortés zeitlebens seiner «15.» treu, begann ganz unten als Adjutant, kletterte die Offizierslaufbahn empor, bekleidete Ämter wie Schatzmeister, Disziplinarrat und Direktor, um schlieβlich in den Vorstand der Gesamtfeuerwehr von Santiago zu wechseln, die ihn zum General-Schatzmeister, Vizesuperintendant und letztendlich zum Superintendant wählte.

Die neuen Aufgaben werden Pablo Cortes voll in Anspruch nehmen, viele Stunden seiner Freizeit wird er  opfern müssen, denn auch diese Tätigkeit erfolgt im Rahmen  seiner freiwilligen, unbezahlten  Leistungen, unabhängig von seiner  beruflichen Arbeit in der Mall Plaza. Seine Familie, seine Kinder werden ihm viele Stunden des Fernbleibens entschuldigen müssen.

Für die wachsenden technischen Aufgaben sind neue Fahrzeuge mit Ausrüstung zu beschaffen. Immerhin kostet ein neues Rüstfahrzeug nach Euro-Norm an die 1,5 Millionen Euro, und davon fehlen mehrere. Dienstvorschriften und Disziplinarregeln, teils bis zu 150 Jahre alt, müssen seit dem Eintritt von Frauen neu verfasst werden, Schlafräume und hygienische Einrichtungen wurden teilweise bereits umgebaut, andere, manche technisch veraltet, sind neu zu errichten. Das Verhältnis der Frauen zu den Männern im Feuerwehrdienst bedarf neuer Regeln. Für Pablo Cortés gibt es also allerhand zu tun.

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