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martes, 31. enero 2023
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Porträt – Alex Strodthoff

Forstingenieur, Agrarexperte und Naturfreund

«Der Himmel ist genauso unter unseren Füßen wie über unserem Kopf»

Alex Strodthoff wurde Forstingenieur, weil er so seine Liebe zur Natur mit seinem Interesse an der Wissenschaft verbinden konnte. An der Universidad Católica erhielt er eine breit gefächerte Ausbildung, und für seine hervorragenden Leistungen wurde er mit den Preisen «Excelencia Académica» und «Mérito de la Facultad» ausgezeichnet. 

«Die Werkzeuge, die mir die Deutsche Schule in Santiago zur Verfügung gestellt hat, haben mir die Türen zu einem erfolgreichen Universitäts- und Berufsleben geöffnet. Die Sprachen, die analytischen Fähigkeiten, das Interesse sich weiterzubilden und die ständige Neugier sind, so glaube ich, zu einem großen Teil auf das zurückzuführen, was ich an der Schule gelernt habe», unterstreicht er.

«Meine deutsche Abstammung stammt aus zwei Linien: Die Strodthoffs kamen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts aus Norddeutschland nach Zentralchile. Die Raddatz hingegen wanderten bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Preußen ein und landeten im damaligen Melipulli, heute Puerto Montt. Sie ließen sich später in Puerto Varas nieder, wo ihr mit Lärchenschindeln gebautes Familienhaus noch immer steht. Mein Vater besuchte die DS in Puerto Varas und später in Concepción, mein Bruder Ronald, heute Wirtschaftsingenieur, meine Schwester Kristel, Diabetologin, und ich lernten an der DS Santiago, meine beiden Söhne besuchen die DS Temuco. Meine älteste Tochter hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte in Zukunft in Deutschland studieren, genau wie ich.» 

Als Kind verbrachte Alex seine Ferien in der Salpeterstadt María Elena im Haus seiner Großeltern mütterlicherseits, mitten in der Atacama-Wüste. «Wir haben Fußballplätze mit markierten Toren aus Altreifen angelegt, und manchmal verirrte sich der Ball in den Weiten der Pampa, getrieben von den starken Winden. Wir haben mit einem kleinen Kescher Libellen gejagt und im Loa-Fluss gebadet», erinnert er sich. «Als ich etwas älter war, fuhr ich oft in den Süden. Einmal sind wir mit Schulfreunden fast die gesamte Carretera Austral entlang geradelt.»  

Über seine Familie hat Alex Interessantes zu berichten: «Meine Großmutter väterlicherseits, Sylvia Raddatz, ist im vergangenen Juni 100 Jahre alt geworden. Mein Vater Guillermo ist Chemieingenieur und blickt auf eine lange Karriere in der Agrar- und Ernährungsindustrie zurück. Meine Mutter, Ana Maria Simunovic, ist kroatischer Abstammung. Sie wurde in der Salpeterraffinerie Pedro de Valdivia geboren und studierte Zahnmedizin an der Universidad de Chile. Sie hat im Rückenschwimmen einen Rekord aufgestellt!  Meine Eltern sind beide noch sehr sportlich und spielen aktiv Tennis im Club Manquehue.»

Nach seinem Studium absolvierte Alex Strodthoff einen Masterstudiengang an der Universität Freiburg. «Diese ist ein Pool von Wissen in verschiedenen Bereichen, und die universitäre Atmosphäre ist ideal. Abgesehen davon hatte ich gerade geheiratet. Angela kam mit mir, ohne Deutsch zu können, sie wurde sehr gut aufgenommen und beherrschte bald die Sprache.» Seiner Frau verdanke er viel von dem, was er beruflich erreichen konnte. «Sie ist die Stütze der Familie, sie hat mich bedingungslos und enthusiastisch unterstützt und mir den Raum, die Zeit und die Motivation gegeben, neue Dinge anzupacken.» 

In Chile arbeitete er zunächst beim Forstbetrieb Río Cruces. Durch die Anwendung deutscher waldbaulicher Konzepte und das Wissen über die Dynamik der einheimischen Wälder gelang ein Schritt zur nachhaltigen Bewirtschaftung. 

Seit nunmehr fast 15 Jahren ist Alex Strodthoff in der Agrarindustrie zu Hause, als Generaldirektor und Direktor für Strategie und Märkte beim Unternehmen Agrotop. Dieses produziert unter anderem Rapsöl und Haferflocken und ist heute einer der fünf größten Exporteure von Haferprodukten in der Welt. Es gelang ihm, das Unternehmen, das fast seine gesamte Produktion in Chile verkaufte, so umzuwandeln, dass es seine Produkte heute in mehr als 15 Ländern vertreibt. «Wir haben ein spektakuläres Team gebildet und arbeiten Seite an Seite mit fast 1.000 Landwirten in Chile und Unternehmen in der ganzen Welt.»

Neben seinen beruflichen Verpflichtungen ist Alex in verschiedenen Gremien, Berufsverbänden und in der Lehre tätig. Mit seiner Mitarbeit im Vorstand der DS Temuco möchte er die deutsch-chilenische Gemeinschaft unterstützen, in der er und seine Familie aufgewachsen sind. «Die Schule hat gerade ihr 135-jähriges Bestehen gefeiert. Ich freue mich zu sehen, wie sich die DS Temuco entwickelt hat, sowohl in akademischer als auch in pädagogischer Hinsicht.»

Bleibt da noch Zeit für Hobbies? «Meine Freunde haben mich als energiegeladenen Menschen eingestuft, und ich denke, sie haben recht… Für mich ist es normal, sonntags um 4 oder 5 Uhr morgens aufzustehen, um zu wandern, mit dem Kajak einen Fluss hinunterzufahren oder zu schreiben… Bergsteigen, Fliegenfischen und Flugsport machen mir am meisten Spaβ.»

«Der Himmel ist genauso unter unseren Füßen wie über unserem Kopf».  Mit diesem Spruch des US-amerikanischen Autors Henry David Thoreau identifiziert er sich. «Ich kenne Menschen, die ihr ganzes Leben darauf gewartet haben, dass die Sterne günstig stehen, um ihre Ziele zu erreichen. Aber während sie warten, unternehmen sie nicht einmal einen Versuch. Andererseits wird ein Projekt immer Motivation und Energie geben, auch in schwierigen Zeiten.»

Mitte Dezember erscheint übrigens ein von Alex Strodthoff verfasstes Buch mit dem Titel «Chile: la magia al sur del mundo», das Bilder von mehr als 100 seiner Reisen enthält.

Foto: privat

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