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miércoles, 7. diciembre 2022
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«Verzahnung von Theorie und Praxis schafft Synergie-Effekte»

Gordan Nikolic, Leiter der Kaufmännischen Berufsschule in Chile

Gordan Nikolic, Leiter des Insalco
Foto: Insalco

Seit Anfang August dieses Jahres leitet Gordan Nikolic das Instituto Superior Alemán de Comercio (Insalco). Der Nachfolger von Thomas Mittelstraß ist selbst Berufsschullehrer und hat die vergangenen 13 Jahre an einer Esslinger Berufsschule gearbeitet. Im Insalco wird er auch selbst im Ausbildungsgang Groß- und Außenhandelsmanagement die Fächer Spezielle Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen unterrichten.

Gleich vom ersten Tag an habe der Wirtschaftspädagoge an Meetings teilgenommen. Mithilfe des eingespielten Insalco-Leitungsteams sei er gut in seine neue Aufgabe eingeführt worden und habe einen Überblick erhalten. Als ein wichtiges Ziel sieht er für die nächste Zeit: «Das Angebot von Ausbildungsplätzen ist der eigentliche Engpass und da gibt es noch, zusammen mit der AHK, viel zu tun.» Auch im privaten Gespräch ist ihm aufgefallen: «Viele Unternehmen in Chile kennen das duale System nicht, das ein deutsches Erfolgsmodell ist. Daher sollten wir auch unter den Unternehmern mehr Partner für die duale Ausbildung begeistern und gewinnen.»

Duales System bekannter machen

Die Verzahnung von Theorie und Praxis schaffe viele Synergie-Effekte. In Deutschland, wo es dieses System bereits seit über 50 Jahren gibt, sei das schon selbstverständlich: «In Chile werden wir deshalb in nächster Zeit noch einmal verstärkt die Werbetrommel für das Insalco rühren.» Eine der vielen Ideen sei, kurze Videos mit den Auszubildenden zu drehen, um über die duale Ausbildung zu informieren und deren Vorteile aufzuzeigen. 

Dezember sei die heiße Bewerbungsphase für die Bewerber mit Auswahltests und -gesprächen: «Wir haben bereits jetzt mehr als 40 Bewerber für das nächste Schuljahr, was eine gute Zahl für den Oktober ist.» Es werde einen Termin am Insalco geben, an dem sich die potenziellen Ausbildungsbetriebe und die qualifizieren Bewerber kennenlernen können: «Bisher haben wir immer alle Interessenten erfolgreich unterbringen können.»

Office-Skills gefragt

So wie die Insalco-Mitarbeiter die Auszubildenden in Unternehmen besuchen, um festzustellen, ob die Unternehmen alle Voraussetzungen für die Ausbildung erfüllen, so ist auch das Insalco im Gespräch mit den Firmen. Gordan Nikolic ist dabei aufgefallen: «Die Unternehmen fordern verstärkt Office-Skills, wie Excel, Word und PowerPoint.» Langfristig könnten die Office-Skills mit einem zusätzlichen Zertifikat verbunden werden, was auch die Berufschancen verbessern würde: «Denn das ist unser Ziel als Insalco: gut qualifizierte Fachkräfte auszubilden.» Der Insalco-Leiter betont außerdem: «Wir fördern auch die Digitalisierung und so planen wir, unseren PC-Raum umzugestalten und zu modernisieren.»

Was die Vorteile für die Auszubildenden angeht, sei «es sicherlich ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass man nach dem Abschluss in der Regel übernommen werde». Positive Erfahrungen machte Gordan Nikolic auch selbst, als er nach einem Realschulabschluss zuerst eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert hat: «Junge Menschen suchen nach Orientierung und da kann vor allem der Praxisbezug hilfreich sein, seinen eigenen Weg zu finden.»

Offen für neue Kooperationen und Erfahrungen

Bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit: Gordan Nikolic (von links), Rektor und Dozent, Stefanie Hornung, Dozentin, Karl-Heinz Ruzsitska, Dozent, Sandra Rodríguez Gericke, Akademische Leiterin und Dozentin, Carolina Díaz Vergara, Dozentin, Alex Lopetegui, Geschäftsführer, und Gricel González Merin, Dozentin

Aus Sicht der Unternehmen habe die Ausbildung gegenüber einem Studium den Vorteil, dass sich die Studierenden während der Ausbildung mit dem Unternehmen identifizieren. Auch wenn ein Absolvent studieren möchte, kann das für das Unternehmen eine Chance sein, einen noch besser qualifizierten Mitarbeiter zu erhalten: «Es gibt viele Möglichkeiten in so einem Fall. Zum Beispiel kann der Student oder die Studentin nebenbei weiter bei dem Unternehmen arbeiten.»

Auch das Insalco sei offen für neue Kooperationen und Kontakte: «Daher werden wir – die kaufmännischen Berufsbildungszentren weltweit – im März einen eigenen Stand auf der Didacta 2023 in Stuttgart haben. Durch Netzwerkarbeit kann eine neue Partnerschaft mit einer Hochschule entstehen oder das Kennenlernen von angehenden Berufsschullehrern ist möglich, die bei uns ein Praktikum machen.»

Was die 13 Dozenten des Insalco angeht, stände ein Teil noch im Berufsleben, arbeite selbständig in der Wirtschaft und bringe auf diese Art und Weise viele Erfahrungen mit in den Unterricht ein. Seit diesem Jahr unterrichtet Jürgen Winkel als Dozent beim Insalco. Der 70-Jährige war vor über 20 Jahren auch schon an der Berufsschule in Santiago tätig, hat danach an anderen Auslandsschulen als Leiter gearbeitet und sei eine große Bereicherung für das Insalco, stellt der Pädagoge fest. 

Mitte Oktober nimmt Gordan Nikolic in Stuttgart an einem SAP-Kurs teil, um die Studierenden in Zukunft in SAP zu unterrichten. Denn: «Viele ansässige Ausbildungsbetriebe arbeiten mit dieser Unternehmenssoftware.» 

Die Zusammenarbeit mit den Firmen sei ein «Nehmen und Geben»: «Unsere Auszubildenden lernen in den Unternehmen einen Beruf und das Insalco bildet sie so weiter, dass sie den beruflichen Anforderungen gerecht werden.»

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