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jueves, 1. diciembre 2022
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Porträt – Philip Bartsch

Stellvertretender Geschäftsführer der AHK Chile

Von Stuttgarts Weinbergen zu internationaler Verantwortung

«Carpe Diem» – «Nutze den Tag» – ist Philip Bartschs Lebensmotto. «Dein Leben ist wie ein dickes Buch, es ist deine Geschichte. Jedes Jahr ist ein Kapitel, und jeder Tag eine Seite. Nutze jeden Tag, mach was draus und schreib deine eigene Geschichte. Niemand mag langweilige Bücher!»

Der 1985 in Waiblingen bei Stuttgart geborene Philip Bartsch erinnert sich gern an seine Kindheit: «Wir haben in einer kleinen Sackgasse mitten in den Stuttgarter Weinbergen gewohnt und jeden Tag drauβen Fuβball spielen können. Und wir waren immer auf Reisen. Meine Eltern haben groβen Wert darauf gelegt, dass meine jüngere Schwester und ich viel von der Welt sehen. Wir waren innerhalb Europas und auch in den USA, Mexiko und Kanada unterwegs – immer mit dem Wohnmobil», erinnert er sich. 

Schon in der Schule zählten Englisch und Gemeinschaftskunde zu Philips Lieblingsfächern. Er interessierte sich für Politik und Gesellschaftswissenschaften und suchte einen Studiengang, der international ausgerichtet war. So wählte er «European Studies», und da er gern im Ausland und auf Englisch studieren wollte, fiel die Wahl auf Maastricht in den Niederlanden. «Das Studium war eine tolle Mischung aus Politik, Europäischem Recht und Wirtschaft. Mir war recht früh klar, dass ich gern auch in anderen Ländern arbeiten möchte.» 

Während seines Masterstudiums lernte Philip seine zukünftige Frau kennen, die chilenische und peruanische Wurzeln hat. Das bewog ihn dazu, ein Work & Travel in Peru zu machen:«Dort arbeitete ich bei einem Reisegroßhändler, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Arbeit war spannend, aber eben nur ein Übergangsjob. 2013 bewarb ich mich auf eine Stelle bei Fraport in Peru. Die Firma hat mich für ein knappes Jahr nach Saudi-Arabien geschickt.» Anschließend wollte man ihn in Deutschland einsetzen. Zur gleichen Zeit erhielt er ein sehr gutes Angebot von Samsung, das er annahm: «Ich habe dann verschiedene Regionen betreut, wie Berlin, den kompletten ostdeutschen Raum, Bremen und den Großraum Stuttgart. So habe ich auch noch viel von Deutschland kennenlernen können.»

2019 kam er mit seiner Frau nach Chile, wo diese ein Arbeitsangebot erhalten hatte und heute als Unternehmensberaterin bei McKinsey tätig ist. Mit dem 2020 geborenen Sohn Mateo spricht Philip nur Deutsch, und so wird zu dessen heutigem Wortschatz – Bagger, Feuerwehr, Wasser, Milch, Danke, Bitte – zweifellos noch einiges dazu kommen! 

Von 2019 bis 2021 hatte er eine eigene Firma, die Waren aus Peru und Chile nach Deutschland exportierte und von dort importierte. Über seine Erfahrung berichtet er: «Das Geschäft lief am Anfang gut, wurde aber dann durch die Corona-Pandemie enorm schwierig. Für Samsung konnte ich bis 2020 noch aus dem Homeoffice arbeiten und habe danach als externer Unternehmensberater in der Firma eines Bekannten die Umstrukturierungen, die durch Corona nötig wurden, zusammen mit der Geschäftsführung ausgearbeitet und implementiert.» Daneben absolvierte er an der Universidad Católica ein Online-Diplom für Führungskräfte in digitaler Transformation. 

Seit Januar dieses Jahres ist Philip Bartsch Leiter für Marktberatung und Projekte sowie stellvertretender Geschäftsführer der AHK Chile. «Die Welt der deutschen Industrie- und Handelskammern kannte ich bereits aus Saudi-Arabien und finde es sehr spannend, die deutsche Wirtschaft vom Ausland aus zu unterstützen. Erstens passt es genau zu meinem Studium, zweitens kann ich so meine Muttersprache sowie mein deutsches Netzwerk nutzen und drittens finde ich es einfach fantastisch, das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden. Als die Stelle frei wurde, musste ich mich einfach bewerben und mein Glück versuchen und bin unheimlich dankbar und froh, dass es geklappt hat. Auch wenn es sehr viel Arbeit ist, kann ich mir keine schönere Aufgabe vorstellen».

Als ein sehr kulturoffener Mensch will Philip immer Land und Leute kennenlernen und nicht nur in einer «Touristen-Blase» bleiben. Deshalb reist er sehr gern und so oft es geht. Er war unter anderem schon in Brasilien, Südafrika, Frankreich, Schottland, im arabischen Raum und hat natürlich auch Peru und Chile erkundet. Hier gefällt ihm besonders der Süden: Osorno, Frutillar, Chiloé, Chillán und die Seen Llanquihue und Todos los Santos. Kennenlernen möchte er gern Patagonien und die Atacama-Wüste, aber auch noch viele andere Länder. Deshalb vermisst er an Deutschland die dort gültigen 30 Urlaubstage im Jahr… und natürlich seine Familie und Freunde. «Ich würde gern mal wieder zu VfB Stuttgart-Heimspielen gehen und schwäbisches Essen genieβen», wünscht er sich. In der wenigen Freizeit spielt er Tennis, liest und kocht gern, mag Brettspiele und trifft sich mit Freunden und der Familie seiner Frau. 

«Menschen treten einem beinahe überall sehr freundlich und offen gegen, wenn man ernstgemeintes Interesse an ihnen und ihrer Kultur zeigt», ist seine Erfahrung und stellt fest: «Natürlich muss man flexibel sein, sich anpassen und seine (deutschen) Denkmuster abstreifen. Man muss unvoreingenommen Neues kennenlernen und nicht nach der Bestätigung seiner vorgefassten Vorstellungen suchen.» Das sei ihm besonders in Saudi-Arabien schwergefallen: «Ich musste mit mir kämpfen, um manche Verhaltensweisen als ‚andere Kultur‘ zu akzeptieren. Menschenrechte und Gleichberechtigung sind für mich jedenfalls nicht verhandelbar.»

Foto: AHK Chile

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