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miércoles, 28. septiembre 2022
Inicio Porträt Stefan Seitzer - Schulleiter der Deutschen Schule Concepción

Stefan Seitzer – Schulleiter der Deutschen Schule Concepción

Immer wieder über den «Tellerrand» hinausgeschaut

Foto: Deutsche Schule Concepción

Stefan Seitzer leitet seit August 2021 die Deutsche Schule Concepción (DS Concepción). Lehrerfortbildung, Berufsorientierung oder Digitalisierung – der Englisch-, Politik- und Wirtschaftslehrer hat sich in seiner beruflichen Laufbahn immer wieder für Themen interessiert, die über den reinen Fachunterricht hinausgingen und zu einer Weiterentwicklung der Schule beitrugen.

«Es war der Wunsch meiner Frau und mir, dass wir als Familie mit unseren Kindern gemeinsam etwas Neues erleben wollen», erklärt Stefan Seitzer, warum er sich Anfang des vergangenen Jahres auf die ausgeschriebene Stelle des Schulleiters in Concepción beworben habe. «Eine Zeit im Ausland nimmt man besonders intensiv wahr, Augen und Ohren sind offen für neue Erfahrungen» – so habe er selbst es mehrmals erlebt. 

Vor 51 Jahren ist Stefan Seitzer in Winnipeg in Kanada geboren, als sein Vater aus beruflichen Gründen dort arbeitete. Auch im Rückblick sieht er diese Zeit als große Bereicherung an. Mit sieben Jahren kehrte er mit seinen drei Geschwistern und Eltern nach Deutschland zurück, nach Einbeck in Niedersachsen, nahe Göttingen, wo er aufgewachsen ist, und sein Abitur absolviert hat. 

Offen für neue Erfahrungen zeigte sich der junge Mann bereits vor Beginn seines Studiums: Direkt nach dem Abitur arbeitete er bei dem bis heute aktiven Verein Amsel (Aktion Multiple Sklerose Erkrankter) in Baden-Württemberg. Während seines Zivildienstes, der heute quasi durch das Freiwillige Soziale Jahr abgelöst wurde, half er Multiple-Sklerose-Erkrankten, dass sie trotz ihrer eingeschränkten Mobilität in ihrem Zuhause weiterleben konnten. «Eine unglaublich wichtige Erfahrung» sei dies für ihn gewesen: «Es zeigte mir, mit wie wenig Mitteln und Einsatz man Menschen helfen kann.»

Sowohl während als auch nach dem Abschluss seines Lehramtsstudiums in Anglistik und Politikwissenschaften an der Universität Tübingen zog es ihn immer wieder ins Ausland. Stationen waren ein Studienaufenthalt in Montréal in Kanada als auch Lehrtätigkeiten für Deutsch als Fremdsprache in Monterrey in Mexiko, Atlanta und Georgia in den USA. Das Referendariat leistete er am Seminar Esslingen und an zwei Gymnasien in Geislingen und Göppingen ab.

So wie sich Stefan Seitzer für neue Kulturen und Sprachen interessierte, so war er auch immer wieder in seiner beruflichen Laufbahn offen für neue Aufgaben. Während der acht Jahre am Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden-Echterdingen, seiner ersten Stelle, war er neben der Lehrtätigkeit für die Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Außerdem engagierte sich Seitzer zwei Jahre lang im Wissenschaftsministerium von Baden-Württemberg, wo er das Projekt «Studienbotschafter» leitete – ein Konzept der Studienorientierung für Abiturienten.

Bis zu seiner Ankunft in Chile war er Abteilungsleiter an einem Tübinger Gymnasium und in der Lehrerfortbildung und im Regierungspräsidium Tübingen als Koordinator tätig. So wie er selbst gerne über den «Tellerrand» hinausschaut, hat er auch den Schülern «neue Lernorte» eröffnet. Seitzer qualifizierte sich nach dem Studium zusätzlich für das Fach Wirtschaft, das er neben Englisch und Politik auch unterrichtete. In diesem Fach hat er zum Beispiel 2019 mit einem Schüler-Team an einem Wirtschaftsplanspiel des Bundesverbands deutscher Banken teilgenommen. Die fünf Schüler beschäftigten sich mit der Konjunkturlage, dem Zeichnen von Aktien und diskutierten über ihr Marketingbudget – und erreichten von 745 Teams aus Deutschland den vierten Platz.

«Mich interessieren besonders gesamtschulische Fragen: Wie kann sich die Schule angesichts von gesellschaftlichen Veränderungen weiterentwickeln», erklärt er und betont: «Eine Schule, die nicht in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess ist, kann die Zukunft nicht bestehen.»

Was die DS Concepción angeht, sieht der Schulleiter konkret die Digitalisierung als nächste wichtige Herausforderung an, die sie als Schule angehen wollen: «Wenn alle Schüler ein eigenes Tablet haben, wird es keine Kopien und Bücher mehr geben. Auch Präsentationen laufen über das Tablet. Man kann viel besser kooperieren, weil die Geräte miteinander vernetzt sind.» 

An seiner neuen Aufgabe als Schulleiter an der Deutschen Schule Concepción gefällt ihm die Gestaltungsfreiheit, die kurzen Wege und die Arbeit im Team: «Kommunikation ist dabei das Schlüsselwort. Wir sind in zwei Leitungsteams organisiert – einer Kleinen Schulleitung sowie der Pädagogischen Schulleitung. Gemeinsam sprechen wir regelmäßig über die anstehenden Themen.»

Man merkt dem Pädagogen an, dass er seine Arbeit mit Leidenschaft angeht. Das Interesse für diesen Beruf hat sich anscheinend schon früh abgezeichnet. In der zweiten Klasse haben seine Mitschüler und er einen Aufsatz über einen Ausflug schreiben sollen. Seinem Lehrer war aufgefallen: «Ich war der einzige Schüler, der seine Erlebnisse aus der Sicht eines Lehrers erzählte.»

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