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jueves, 11. agosto 2022
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Alex Ruf – Schweizer Honorarkonsul in Concepción

«Traditionen an die nächste Generation weitergeben»

Foto: Cassandra Ruf

Alex Ruf ist seit März 2020 Schweizer Honorarkonsul in Concepción. Seine ersten Aufgaben für die Botschaft ergaben sich durch die Pandemie. Der Chemie-Ingenieur, Unternehmer und Hotelbetreiber hat bis heute engen Kontakt zu seinen Schweizer Verwandten in dem Ort Trüllikon im Kanton Zürich.

Der Stammbaum der Familie Ruf reicht bis in das Jahr 1545, erzählt Alex Ruf. Seine Urgroßeltern Rodolfo Ruf und Selma Schweitzer sind aus der Schweiz nach Chile ausgewandert und haben sich in Chile kennengelernt. Rodolfo war 18 Jahre alt, als er mit seinen Eltern und neun Geschwistern im Januar 1884 in Traiguén angekommen ist. Bereits nach vier Monaten starb die Mutter der Kinder. Später heiratete Rodolfo Selma und eines ihrer sieben Kinder war Ernesto, der Großvater von Alex Ruf, der mit der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Margarita Tanner eine Familie gründete. 

Sein Urgroßvater Rodolfo, der in der Landwirtschaft arbeitete, hatte so wie viele Auswanderer damals auf eine bessere wirtschaftliche Situation in der neuen Heimat gehofft, manche der Auswanderer seien auch wieder zurückgekehrt. «Sie bekamen nichts geschenkt und mussten hart arbeiten», sagt Alex Ruf. Er ist bis heute stolz auf die Anstrengungen und Leistungen seiner Vorfahren und auf seine Schweizer Herkunft. Das war für ihn auch eine Motivation, vor acht Jahren den Schweizer Club gemeinsam mit den Mitgliedern des Vorstands wiederzubeleben. Sechs Jahre lang war er bis 2020 Vorsitzender der Colectividad Suiza de Concepción. Er betont: «Es ist wichtig, dass wir als Schweizer Gemeinschaften uns miteinander austauschen, uns gegenseitig unterstützen und die Traditionen an die nächste Generation weitergeben.» Es sei ihnen gelungen, wieder mehr Familien und jüngere Menschen für den Club zu gewinnen, der inzwischen rund 80 Mitglieder hat. In Zukunft planen sie Projekte mit Jugendlichen wie einen Schüleraustausch in die Schweiz. Im Jahr 2019 war der Club Gastgeber für ein Treffen aller Schweizer Clubs in Chile und auch viele Angehörige der Botschaft waren gekommen. 

Alex Ruf ist 1959 in Concepción geboren und verbrachte seine Schulzeit in der Deutschen Schule: «Ich habe viele gute Erinnerungen an die deutschen Lehrer.» Ein besonders schönes Erlebnis seien jedes Jahr die einwöchigen Klassenfahrten gewesen: «Das war eine Gemeinschaftserfahrung für alle Schüler wie zum Beispiel in dem Heim in Contulmo.» Ein Musiklehrer habe damals eine Kinderoper mit ihnen einstudiert, die zwei Mal im Teatro Municipal in Santiago aufgeführt wurde. Die deutsche Sprache und Kultur unterstützt er bis heute als Vorstandmitglied des Goethe-Zentrums, des Instituto Chileno Alemán de Cultura de Concepción.

Nach seinem Schulabschluss studierte Alex Ingeniería Química, arbeitete in verschiedenen großen Unternehmen, zunächst als Prozessingenieur, später übernahm er Führungspositionen im Managementbereich. Mit zwei Partnern gründete er ein Unternehmen in Concepción und ist außerdem im Vorstand des chilenischen Fachverbandes für Zellstoff und Papier aktiv.

Gleichzeitig betreibt der Unternehmer mit seiner Frau das Hotel Libertador Bernardo O`Higgins in Chillán. Trotz Pandemie habe der Hotelbetrieb keinen Schaden genommen. «Als Schweizer bin ich konservativ, was die Finanzen angeht», meint der 62-Jährige schmunzelnd. Aufgrund des geringen Angebots von Hotels und der gleichzeitigen Anreise vieler Techniker, die im Computer- und Gesundheitsbereich benötigt wurden, herrschte während der Pandemie ein Mangel an Unterkünften: «Wir waren zeitweise ausgebucht.» Seine Frau Marta Marchessi ist als Zahnärztin in Concepción tätig. In ihre Fußstapfen ist Tochter Vanessa getreten, die ebenfalls Ärztin ist, Cassandra ist Wirtschaftsingenieurin und die jüngste Tochter Alexia studierte Betriebswirtschaftslehre.

Eine ganz neue Herausforderung sei für ihn das Amt des Schweizer Konsuls gewesen und er sagt: «Es ist sehr motivierend für mich, in einer Botschaft mit sehr professionellen und gut vorbereiteten Leuten zu arbeiten. Außerdem befinde ich mich in einem Umfeld, in dem Schweizer Werte täglich gelebt werden: großer Einsatz, Seriosität und Zuverlässigkeit. Und das alles in einem hervorragenden Arbeitsumfeld!» Ihm gefalle die Verbindung von «Schweizer Traditionen mit der modernen, multikulturellen Schweiz, die führend in Bildung, Forschung und bei Innovationen ist» sowie die Pflege von Beziehungen zu lokalen Behörden, Universitäten und Schweizer Unternehmen, die Förderung der Kultur und die Unterstützung der Schweizer. 

Eine seiner ersten Aufgaben im Februar 2020 war es, die Schweizer Touristen in der Region Bio Bio zu kontaktieren: «Ich hatte mit fünf Schweizern Kontakt aufgenommen und habe sie unterstützt, damit sie mit der Swiss Air wieder in die Schweiz zurückkehren konnten.» Auch Medikamente mussten organisiert werden. Bis heute sei er mit einigen von ihnen in Kontakt.

Während der Pandemie habe sich das Botschaftsteam jeden Tag um 9 Uhr per Video getroffen – «genau pünktlich war jeder am Bildschirm, diese Schweizer Pünktlichkeit hat mir sehr imponiert», meint der Konsul schmunzelnd. Inzwischen treffe sich das Team alle zwei Wochen. 

Alex Ruf reist im Durchschnitt jedes zweite Jahr in die Schweiz, erst im November letzten Jahres war er zu Besuch bei seinen Verwandten in Trüllikon. Neue Impulse für seine neue Aufgabe erwartet er bei einem Treffen der Schweizer Honorarkonsule weltweit im nächsten Jahr in Bern.

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