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viernes, 9. diciembre 2022
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Dr. András Drexler – Ungarischer Botschafter mit deutschem Hintergrund

«Deutsch oder Tischtennis?»

Foto: Karla Berndt

Seit Oktober 2018 lebt Dr. András Drexler in Santiago. Voraussichtlich noch ein Jahr wird er als ungarischer Botschafter sein Land in Chile vertreten, dann steht für die Diplomatenfamilie ein erneuter Umzug an.

Ende des 18. Jahrhunderts waren seine Vorfahren väterlicherseits als «Donauschwaben» aus Baden-Württemberg nach Ungarn eingewandert. Hier widmeten sie sich zunächst der Seilherstellung, später dann der Konditorei. Teilweise war auch die Familie seiner Mutter aus Deutschland nach Ungarn gekommen – «ihre Wurzeln sind je ein Drittel deutsch, polnisch und ungarisch», erklärt András. Der Nachname seines Urururgroβvaters Carl war übrigens Opel, und von Beruf war er Autobauer. Außerdem war dieser Familienzweig auch Organisator der evangelischen Gemeinde und Gründer und Erbauer einer evangelischen Kirche in Ungarn.

Geboren wurde András Drexler im November 1968 am Plattensee und wuchs mit seinen drei Geschwistern im Kurort Hévíz auf. Nebenbei: Der Heilsee in Hévíz ist mit einer Fläche von rund 4,4 Hektar der größte natürliche und biologisch aktive Thermalsee der Welt. Dieser wird durch eine Thermalquelle aus einem Krater in
38 Metern Tiefe gespeist. Die Quelle ist mit 410 Litern pro Sekunde derart ergiebig, dass sich das Wasser innerhalb von etwa 84 Stunden komplett austauscht. Hier kann man das ganze Jahr über baden, denn die Wassertemperaturen des Sees betragen im Sommer 33 bis 36 Grad, im Winter immerhin noch 23 bis 25 Grad. 

Die Erziehung im Elternhaus und später in der Mittelstufe war streng, aber schön, erinnert er sich. In dem Benediktiner-Gymnasium, wo András vier Jahre im Internat lebte, wurde auch Wissen vermittelt, das im damaligen sozialistischen Ungarn tabu war – etwa zum Volksaufstand 1956. Der wissbegierige Junge hatte bereits an der Grundschule eine wichtige Wahl zu treffen: Sollte er Deutsch oder lieber Tischtennis lernen? Er entschied sich für die deutsche Sprache, die er noch heute fast fehlerfrei spricht. Auβerdem beherrscht er Englisch und Spanisch und natürlich seine Muttersprache Ungarisch. Er begann eine Ausbildung in Tourismus und Hotellerie, in deren Rahmen er Spanisch lernte und ein Stipendium in Spanien erhielt. Schlieβlich studierte er an der Universität für Wirtschaftswissenschaften in Budapest Internationale Beziehungen und Diplomatie, promovierte zum Thema «Die Rolle Spaniens bei den Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Lateinamerika» und entschied sich für eine Aufnahmeprüfung am ungarischen Auβenministerium, bei dem er dann ab 1998 für EU-Angelegenheiten und ungarisch-deutsche Beziehungen zuständig war. 

Ab 2001 führte ihn sein Weg nach Deutschland, als Austauschdiplomat an das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten und danach als Diplomat an die Botschaft von Ungarn in Berlin. «Besonders interessant und beeindruckend war 2004 der Beitritt Ungarns zur Europäischen Union. Auβerdem ist die deutsche Hauptstadt ein toller Ort zum Leben und Wohnen. Und nicht zuletzt habe ich von der Organisation beim Auswärtigen Amt viel gelernt – vor allem die ‚Kompetenzabgrenzung‘: Für jedes Thema und jede Anfrage gibt es einen Spezialisten, der dann auch wirklich als Experte das entsprechende Fachwissen hat!»

Nach weiteren Jahren an der ungarischen Botschaft in Argentinien und als Botschafter in Kuba ist Dr. András Drexler seit 2018 in Chile zu Hause. Dass die Chilenen gemeinhin als «Preuβen Lateinamerikas» beschrieben werden, kann er nur unterstreichen: «Hier scheint es vielleicht mehr Disziplin und Ordnung zu geben als in anderen Ländern der Region.» 

Seine Frau Adel ist Zahnärztin, die beiden Jungs, neun und zwölf Jahre alt, besuchen die zweisprachige (Spanisch und Englisch) The Southland School in Santiago. Auf meine Frage nach seinen Hobbies antwortet András: «Meine Familie!» Gerade in der Zeit der Pandemie seien sie viel enger zusammengerückt und verbringen mehr Zeit miteinander als zuvor. Bei der Frage nach seinen beeindruckendsten Reisen denkt er etwas länger nach. «Ägypten, Syrien und der Libanon als exotischere Ziele, aber auch an Puerto Rico habe ich tolle Erinnerungen. Innerhalb von Chile finde ich die Atacama-Wüste besonders beeindruckend – solch eine faszinierende Landschaft muss man einfach gesehen und erlebt haben. Und dann möchte ich die Karibik-Inseln gern noch genauer kennenlernen.» 

Wenn der Tisch mit seinen Lieblingsspeisen aus Ungarn, Deutschland und Chile gedeckt würde, gäbe es den typischen Gulasch aus seinem Heimatland, Bratwurst mit Kartoffelsalat und gegrillten Rippenbraten – eine bunte Vielfalt, genauso, wie András in seinem Beruf unterschiedliche Kulturen lebt.

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