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lunes, 5. diciembre 2022
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Robert Tauss – Bierbrauer und Gastronom

«Die wichtigsten Entscheidungen werden am Biertisch gefällt»

Robert Tauss ist gebürtiger Karlsruher und hat im oberbayrischen Weihenstephan Brauwesen studiert. In Chile konnte sich der Bierexperte den Wunsch einer eigenen Brauerei erfüllen. Der erste chilenische Biergarten in Limache zieht seither viele Gäste an.

«Ich habe mit Freunden die Biergärten der Region abgeklappert und dachte mir: Das hätte ich auch gerne», erzählt der gelernte Brauereimeister. Vom Vorlesungssaal wechselte Robert Tauss ins Handwerk und begann seine zweijährige Lehre in der kleinen Schlossbrauerei Mickhausen bei Augsburg. Besonders dankbar ist er dafür, dass er hier «alle Schritte von der Pike auf» erlernt hat. So konnte der Karlsruher seine Leidenschaft in Chile zum Beruf machen. Seit 2005 lädt er in seine Cervecería Tauss Bräu in Limache ein, wo die Gäste deutsche Bierspezialitäten genießen können. Im ersten Biergarten Chiles werden, je nach Saison, neben Hefeweißbier sieben Biersorten angeboten. Dazu werden authentische deutsche Gerichte wie Currywurst, Kassler und Käsespätzle serviert. Für den Unternehmer stehen frische und natürliche Zutaten – ganz entsprechend dem Reinheitsgebot – im Mittelpunkt.

Nach der Lehre hat er als Geselle weitere zweieinhalb Jahre in einer Brauerei in Ettlingen verbracht. Das Studium Brauwesen sollte das Ganze abrunden. Vorher stand allerdings noch ein Zwischenstopp in Südamerika auf dem Plan. Robert Tauss begeistert sich nicht nur für Bier, sondern auch für diesen Kontinent und seine Kultur. «Meine Eltern haben nie aufgehört, von ihrer Brasilienreise zu schwärmen, deshalb war für mich schon früh klar, dass ich Lateinamerika auch bereisen möchte. Natürlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass es mich mal ganz hierher verschlagen würde», erzählt er. Nur mit den Worten «gracias und cerveza» im Gepäck zog es ihn schließlich nach Chile, wo er ein dreimonatiges Praktikum bei der Cervecera CCU Santiago absolvierte. Um die Sprache zu lernen, hat sich der junge Deutsche damals fast ausschließlich mit spanischsprachigen Leuten umgeben. So hat es auch nicht lange gedauert, bis er seine chilenische Frau kennen und lieben lernte.

Nach weiteren drei Monaten, in denen Robert Tauss bis Kolumbien gereist ist, ging es zurück nach Deutschland. In Weihenstephan hat gleich das dreijährige Studium des Brauwesens der Technischen Universität München begonnen. Hier wendete sich das Blatt und seine Freundin folgte ihm einige Zeit später für ein Praktikum nach Deutschland. Danach arbeitete der Diplom-Braumeister rund vier Jahre lang im Labor der Spaten-Franziskaner-Löwenbräu-Gruppe in Freising, doch «die Idee, zurück nach Chile zu gehen, lag immer in der Luft», erzählt er.

Der kleinen Familie war bewusst, dass der Schritt in die Selbstständigkeit riesig sein würde und «dass wir viel Arbeit und Energie in die Idee investieren müssen, insbesondere da zu der Zeit zwei der drei Kinder schon auf der Welt waren». Die Abenteuerlust und der Gedanke, etwas Eigenes auf die Beine stellen zu können, seien allerdings stärker gewesen, und so machte sich die Familie im Jahr 2004 auf nach Santiago. Sieben Wochen lang suchte der damals 34-Jährige gemeinsam mit seiner Frau nach einer geeigneten Bleibe, bis sie schließlich das perfekte Grundstück in Limache anmieten konnten. 

Die Familie arbeitete hart und nur mit viel Teamgeist und Herzblut konnten sie alles aus sich und dem großen Grundstück herausholen. Ganz nach dem Motto: «Tagsüber bauen, nachts brauen», arbeitete Robert Tauss jetzt statt 37, 100 Stunden in der Woche. Von Anfang an konnte er so Gäste in Limache willkommen heißen. Bald war außerdem klar: «Jede Brauerei sollte auch einen Biergarten haben.» Die große Eröffnung wurde 2006 gefeiert. 

Das deutsche Bier kommt an und auch Robert Tauss ist mehr als zufrieden. «Ich bin sehr stolz auf das, was wir hier aufgebaut haben», erzählt der 52-Jährige. «Bier, gutes Essen und eine tolle Umgebung» – das mache die Biergartenkultur aus und begeistere auch die Chilenen. «Egal ob Familientag, Geschäftsessen oder Junggesellen-Ausflug – hier kommt jeder gerne her und die wichtigsten Entscheidungen werden am Biertisch gefällt», lacht er.

Für ihn war es keine große Herausforderung, sein Leben in Deutschland hinter sich zu lassen. «Meine Familie hat mir immer Flügel gegeben, und mich bei all meinen Entscheidungen unterstützt.» Dies möchte er auch an seine Kinder weitergeben. Sein ältester Sohn studiert momentan in Offenburg, in der Nähe seiner Heimat, Maschinenbau.

Robert Tauss ist besonders dankbar für die Geschäftsbeziehungen, die sich zu Freundschaften entwickelt haben. So versorgt er beispielsweise die «kleine Kneipe» in Providencia seit zwölf Jahren mit dem deutschen Bier. Die Leute wissen die Frische und die natürliche Herstellung zu schätzen, betont er und fügt hinzu: «Frischer als wir verkauft es keiner.»

Für die nahe Zukunft hat Robert Tauss große Pläne. Bald soll die Brauerei erweitert werden und auch das zehnte Bierfest in Limache findet bald statt. Die Besucher können sich endlich wieder auf ein kleines bisschen Oktoberfest-Feeling freuen. Wenn da noch Zeit bleibt, schwingt sich der Unternehmer auf sein Motorrad. Am liebsten fahre er nach Tongoy und genieße dort Meeresfrüchte oder frisches Ceviche. Bei der Frage nach seinem Lieblingsgericht kommt er allerdings ins Stocken, denn auch einer gegrillten Schweinehaxe kann der Deutsche nicht widerstehen.

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