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sábado, 1. octubre 2022
Inicio Porträt Cäcilie Schildberg - Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Chile

Cäcilie Schildberg – Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Chile

«Für das bessere Zusammenleben aller»

Dr. Cäcilie Schildberg ist Ende Februar als Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) mit ihrer Tochter Salome in Santiago angekommen. Das Interesse an der Politik, an gesellschaftlichem Engagement sowie an neuen Ländern und Kulturen führte sie zu ihrer neuen Arbeitsstelle bei der deutschen politischen Stiftung in Chile.

Wie so oft im Leben kommt es anders als geplant – und es wird trotzdem gut: So erging es auch Cäcilie Schildberg mit ihrem angestrebten Beruf. Eigentlich wollte sie Journalistin werden und war auch schon auf dem Weg ins Medienfach. Nach dem Schulabschluss an einem Essener Gymnasium entschied sich die Abiturientin, an der Ruhr-Universität Bochum, Politikwissenschaft, Geschichte und französische Literatur zu studieren. Ein Studium von mehreren Disziplinen, «damit ich mir entsprechendes Wissen aneignen konnte und weiß, worüber ich schreibe», erklärt sie. Während Praktika bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der spanischen Hauptstadt und einer Pariser Presseagentur in Frankreich sammelte die Studentin erste Erfahrungen. 

Ihre Magisterarbeit im Fach Politik über «Das Verhältnis von deutscher Sozialdemokratie und spanischen Sozialisten nach dem Ende des Franco-Regimes» wurde mit einer 1,0 benotet. Darauf folgte das Angebot einer Promotionsstelle. Doch auch nach der Auszeichnung ihrer Doktorarbeit über «Politische Identität und Soziales Europa» mit einem Dissertationspreis der TU Dortmund war die Wissenschaft keine dauerhafte Alternative. Genauso wenig wollte Cäcilie Schildberg, wie ihr inzwischen bewusst geworden war, weiterhin einen Beruf im Journalismus ergreifen, sondern lieber «politisch und praktisch arbeiten». 

Sie stellt fest: «Der während meiner Magisterarbeit entstandene Kontakt zur FES war ausschlaggebend.» Voraussetzung für die Arbeit bei der FES, der ältesten der sechs staatlich geförderten parteinahen Stiftungen in Deutschland, war die SPD-Mitgliedschaft. Sie sei zwar eine «Revier-Blume», in Essen geboren und in Gelsenkirchen aufgewachsen, doch aus einem sozialdemokratischen Haushalt stamme sie nicht: «Ganz im Gegenteil: Meine Eltern standen eher der CDU nahe. Und als Jugendliche hatte ich schon viele Diskussionen, vor allem mit meinem Vater, und er haderte mit meiner Entscheidung, SPD-Mitglied zu werden und bei der FES zu arbeiten.» Zum Ende seines Lebens hin habe er ihr aber bestätigt, stolz auf ihren Werdegang und ihre Entscheidung zu sein. Sie selbst habe diesen Schritt, Parteimitglied zu werden, sehr bewusst getan: «Viele engagieren sich für Themen, die sie selbst betreffen: in ihrem Stadtteil, innerhalb ihrer Arbeit. Ich will mich aber darüber hinaus positionieren. Mir geht es um einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz und das bessere Zusammenleben aller.»

Bei der Stellensuche nach ihrer Promotion bewarb sie sich bei der FES und wurde vor die Auswahl gestellt: Bonn oder Buenos Aires. «Da mein damaliger Mann einverstanden war, war für mich die Entscheidung klar – nämlich Buenos Aires.» Das Fernweh habe sie schon immer umgetrieben, sagt sie. Bereits mit 15 Jahren verbrachte die Schülerin ein Jahr in Rennes in der Bretagne, war später einige Monate zu einem Jugendaustausch in den USA, dann in Australien sowie als Doktorandin für ein Forschungsprojekt in Brüssel. Somit zog die kleine Familie 2010 mit der ein Jahr vorher geborenen Tochter für anderthalb Jahre nach Argentinien. «Diese Zeit war sehr prägend für mich», erzählt die Politikwissenschaftlerin zurückblickend. Ihrem damaligen FES-Büroleiter Achim Wachendorfer in Buenos Aires habe sie viel zu verdanken und während der Projektassistenz in dem argentinischen Landesbüro viel gelernt, was ihr nun auch
in Chile zugutekommen werde. 

Die vergangenen zehn Jahren verbrachte Cäcilie Schildberg in der Zentrale der FES in Berlin: bis 2021 drei Jahre im Asienreferat, davor sieben Jahre als Referentin für Soziale Gerechtigkeit, wo die Themen Internationale Sozialpolitik und Geschlechtergerechtigkeit unter anderem eine große Rolle spielten. Stolz sei sie vor allem auf ihre Zusammenarbeit mit der Mayor Group Women der Vereinten Nationen. Bei der Debatte um die Globalen Nachhaltigkeitsziele konnte sie mit der zivilgesellschaftlichen Vertretung für Frauen an den Text-Formulierungen mitarbeiten. Letztere seien in solchen internationalen Abkommen wichtig, erklärt sie, da «diese dann in der nationalen Politik durchaus als Hebel für Veränderungen verwendet werden können». 

Was ihre Arbeit in Chile angehe, werde unter anderem auch die geschlechtergerechte Gestaltung ein Thema für sie sein, wie «das Sichtbarmachen und die verstärkte Anerkennung von Sorgearbeit, sei es Aufgaben in der Familie oder sei es die Betreuung von Kindern und alten Menschen, was nach wie vor meistens von Frauen geleistet wird». Die überwiegende Zahl von Ministerinnen in der neuen chilenischen Regierung sieht die Büroleiterin als positives Zeichen. Es reize sie an ihrer neuen Aufgabe, am gesellschaftlichen Wandel in Chile teilzunehmen.

Auf welche Art und Weise sie in Chile nach der Arbeit gut entspannen kann, hat die 45-Jährige schon erfahren: «In Quintay haben meine Tochter und ich das Meeresrauschen des Pazifiks wirklich beeindruckt – man spürte die Kraft der Natur.» Ebenso begeisterte Mutter und Tochter ein Ausflug in den Cajón de Maipo: «Der abenteuerliche Weg dorthin hat sich gelohnt: Die Farben des Embalse del Yeso sind fantastisch. Für weitere Naturentdeckungen gibt es für uns in Chile noch viel Luft nach oben!»

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