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sábado, 25. junio 2022
Inicio Porträt Karin Jürgensen - Dekanin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Universidad de los Andes

Karin Jürgensen – Dekanin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Universidad de los Andes

Engagierte Ökonomin mit Familie als Energiequelle

Seit drei Jahren ist Karin Jürgensen Dekanin der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der Universidad de Los Andes. Die Professorin liebt nicht nur ihre Arbeit als Wissenschaftlerin, sie fühlt sich auch im Kreis ihrer Kollegen und Studenten gut aufgehoben. Das hat ihr ebenso wie das enge Verhältnis zu ihren fünf Kindern und zu ihrer großen deutsch-chilenischen Familie in der schweren Zeit nach dem Tod ihres Mannes Francisco Rosende vor sechs Jahren geholfen.

Ihre Mathelehrer an der Deutschen Schule Santiago haben ihr die Türen für das anschließende Wirtschaftsstudium an der Universidad Católica geöffnet. «Ich hatte sehr gute Lehrer an der DS Santiago», erzählt Karin Jürgensen über ihre Schulzeit. Der Deutschlehrer hat die Schülerin auch noch in anderer Hinsicht gefördert: «Er schlug mir vor, am Lesewettbewerb teilzunehmen.» Mit dem Buch «Die unendliche Geschichte» von Michael Ende überzeugte die Zehntklässlerin – der überregionale Wettbewerb in Valdivia folgte. Als sie auch bei diesem und dem nächsten siegte, erhielt sie von der DS Santiago einen besonderen Preis: ein Stipendium für den dreimonatigen Schüleraustausch in Deutschland. «Meine Eltern waren zuerst gar nicht begeistert, weil ich erst 16 Jahre alt war – schließlich ließen sie mich aber doch gehen.» Die drei Monate bei Familie Utsch in Horb am Neckar werde sie nie vergessen – und die Freundschaft dauert bis heute an: «Herr Utsch brachte als Jäger oft Wild mit nach Hause und Frau Utsch kochte so einen leckeren Hirschbraten mit Sauce!» Auch bei ihrem nächsten Deutschlandaufenthalt dieses Jahr stehe der Besuch ihrer «Austauschschwester» Wiebke Utsch auf dem Programm.

Bereits Karins Vater Edgard hatte die Deutsche Schule in Osorno besucht: «Mein Großvater Thomas kam als 30-Jähriger aus Flensburg in Chile an. Meine Großmutter Franziska Caesar war gebürtige Schweizerin». Da der Großvater sehr früh starb, musste seine Frau sehen, wie sie mit fünf kleinen Jungen allein zurechtkam und Karin erzählt: «Oma Panchi arbeitete in der DS Osorno als Köchin und kochte jeden Tag für etwa 100 Kinder. So konnte sie ihren fünf Söhnen den Besuch an der Schule ermöglichen.» 

Viele Jahr später, im Jahr 2016, musste auch ihre Enkelin den frühen Tod ihres Mannes verkraften. Als 24-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften hatte Karin ihren späteren Mann Francisco Rosende an der Universidad Católica kennengelernt: «Er war mein Professor und elf Jahre älter als ich. Es war die große Liebe.» Er habe sich als der «deutscheste» der Familie bezeichnet. «Tatsächlich war er immer superpünktlich, ganz ehrlich und aufrichtig und ein ganz bescheidener Mensch, der zum Beispiel am liebsten ein ganz einfaches Auto fuhr», erinnert sie sich lächelnd und fügt an: «Sein größtes Vergnügen war eine Tasse echter Bohnenkaffee.» Alle Menschen in seinem Umfeld habe der Dekan der Wirtschaftswissenschaften der Universidad Católica mit größtem Respekt behandelt, stellt Karin fest. 

So furchtbar die Krankheit Krebs sei, sie habe ihnen elf Monate geschenkt, um sich «in Liebe vorzubereiten, Abschied zu nehmen, Danke zu sagen», sagt sie. Nach dem Tod ihres Mannes sei sie von ihrer Familie und ihren Kollegen immer liebevoll umgeben gewesen. Karin macht eine umarmende Bewegung: «Außerdem ist man in einem Haus voller Kinder nie allein, immer ist etwas los und man muss für sie da sein. Ein großes Glück sind für mich auch meine Eltern, Edgard Jürgensen und Patricia Elbo, die mich bis heute mit Rat und Tat unterstützen.» Auch ihr Glaube gibt ihr immer großen Halt. 

Eine weitere Energiequelle ist ihre Arbeit. Einige Jahre war sie Mitglied des Vorstands der Enami und seit 2019 ist sie Vorstandvorsitzende der Administradora de Fondos de Cesantía (AFC): «Gerade in dieser Zeit der Pandemie ist dies eine besonders wichtige Einrichtung: Arbeitslose erhalten von der AFC sechs Monate weiter ihren Lohn ausgezahlt.» Im Jahr 2021 wurde Karin Jürgensen Mitglied des Vorstands von Empresas Copec, und 2018 wurde sie vom Mercurio als Unternehmerin mit dem «Premio 100 Mujeres Líderes» ausgezeichnet.

Die Wirtschaftswissenschaften haben die 54-Jährige immer fasziniert: «Es ist vor allem der „Werkzeugkasten“, den uns diese Wissenschaft an die Hand gibt und uns hilft, die Lage zu analysieren und Entscheidungen zu treffen.» Über 20 Jahre ist die Ökonomin an der Universidad de Los Andes tätig. Erfreut berichtet sie: «Dieses Semester bieten wir erstmals den Studiengang „International Business“ an, der fast ganz auf Englisch stattfindet und für den sich über 200 Studenten für die 45 Plätze beworben haben.» Zehn neue Dozenten seien dafür eingestellt worden und geplant sei, dass weitere zehn für eine noch bessere Betreuung der Studenten sorgen. 

Was die Pandemie angeht, hatte die Universität sich bereits aufgrund der sozialen Unruhen ab 2019 auf digitalen Unterricht eingerichtet: «Daher konnten wir Anfang 2020 automatisch mit Online-Vorlesungen starten, haben aber, sobald es möglich war, immer wieder Präsenzunterricht angeboten.»

Ein weiteres Anliegen der Universidad de Los Andes sei auch die Vermittlung von ethischen Werten: «Unsere Studentinnen und Studenten sollen nicht nur fachlich bestens ausgebildet werden. Wir geben ihnen auch Werte mit auf den Weg wie Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, solidarisches und integres Verhalten.» Die Vermittlung dieser Werte an junge Menschen liegt Karin Jürgensen auch persönlich am Herzen: «Es ist im Sinne des geistigen Vermächtnisses meines Mannes».

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