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viernes, 7. octubre 2022
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Zum 200. Jahrestag der Schlacht am Pichincha

Wie Ecuadors Unabhängigkeit besiegelt wurde

Am 24. Mai 1822 führte die Schlacht am Fuße des Vulkans Pichincha zum Abschluss der Unabhängigkeitskämpfe der Real Audiencia von Quito von Spanien. Mit der spanischen Niederlage und der Kapitulation der spanischen Truppen am darauffolgenden Tag endete die Kolonialherrschaft Spaniens über die Provinz Ecuador und diese wurde an Großkolumbien angeschlossen. 

«Erste Unabhängigkeit»

Mit dem sogenannten «Grito» nach Unabhängigkeit hatten am 10. August 1809 die Bürger Quitos den Präsidenten der Real Audiencia Manuel Urriés Conde Ruis del Castilla – oberster politischer Vertreter der spanischen Kolonialmacht in der Provinz Ecuador – abgesetzt und einen Regierungsrat unter der Leitung von Juan Pío Montúfar eingesetzt. Der Nationalfeiertag Ecuadors erinnert an diese Anfänge des Strebens nach Unabhängigkeit von Spanien, denn bereits im Dezember 1812 fand diese «erste Unabhängigkeit» ihr Ende, nachdem spanische und königstreue Truppen aus dem Vizekönigreich Peru den Patrioten Ecuadors eine Niederlage bereiteten.   

Erst der Sieg Simón Bolívars in der Schlacht von Boyacá im heutigen Kolumbien von 1819 und das chilenisch-argentinische Heer unter José de San Martín, der Nordperu mit Hilfe peruanischer Patrioten 1820 unter seine Kontrolle gebracht hatte,  isolierte die spanische Kolonialmacht im heutigen Ecuador. Damit konnten die Patrioten in der Real Audiencia von Quito die Bindung der königstreuen Truppen in Peru durch San Martín für einen ihrer Aufstände nutzen. Dieser wurde am 9. Oktober 1820 in der Hafenstadt Guayaquil eingeleitet und führte zum Sturz der Spanier. 

Es gelang dann jedoch nicht, diese Unabhängigkeit der Küstenregion ins Hochland der Anden und in die Hauptstadt Quito zu tragen, da die spanische Militärmacht aus der südkolumbianischen Hochburg der Royalisten, aus Pasto, Unterstützung erhielt und so dieser erneute Versuch zur Erlangung der eigenen Unabhängigkeit im November scheiterte. Nun wandten sich die Separatisten aus Guayaquil an San Martín und Simón Bolívar und baten um deren Unterstützung zur Befreiung der Real Audiencia von der spanischen Kolonialmacht. Bolívar hatte bereits Pläne geschmiedet, Ecuador in sein Großkolumbien zu integrieren, und San Martín schickte nun Offiziere von Peru aus in die Provinz Quito. Die verlorene Schlacht von Tanizagua am 3. Januar 1821 brachte aber keine Wende. 

General Sucre

Bolívar hatte bereits Anfang 1820 seinen Brigadegeneral José Antonio Sucre auf die Antillen geschickt, um dort Waffen für den geplanten Ecuadorfeldzug zu beschaffen. Sucre war auch überzeugt von Bolívars Vision einer vereinigten «Patria Grande», einem Großkolumbien. Der General musste zunächst einen royalistischen Aufstand in Südkolumbien niederschlagen und so konnte er erst Anfang Mai 1821 mit etwa 650 Soldaten in Guayaquil eintreffen. Mittlerweile hatte der irische General José Mires im Auftrag von Bolívar 1.000 Gewehre sowie Munition und Kriegsgerät nach Guayaquil gebracht. Sucre hatte mit seinen Schlachten im Jahre 1821 keinen Erfolg und verlor am Ende einen Großteil seines Heeres, so dass er selbst Unterstützung aus Großkolumbien und Peru anfordern musste. Mit den Spaniern musste er einen Waffenstillstand aushandeln; dieser aber verschaffte ihm Zeit, um die benötigte Truppenunterstützung von San Martín zu erhalten. 

Nach dem Tod des von Spanien ernannten liberalen und beliebten Präsidenten Juan de la Cruz Mourgeon am 8. April 1822 kehrte der Monarchist Melchior Aymerich ins Amt des Präsidenten der Real Audiencia zurück – zuvor war er schon von 1819 bis 1821 in diesem Amt –, was das Klima für Aufstände gegen die Spanier begünstigte. 

San Martín strebte nach einer Eingliederung Ecuadors in ein unabhängiges Peru, während Bolívar Ecuador an Großkolumbien anschließen wollte. Die Spannungen zwischen San Martín und Simón Bolívar verzögerten das Vorrücken der Truppen. Im Februar 1822 hatte das vereinigte Heer, bestehend aus einer peruanisch-argentinischen und einer großkolumbianischen Division die Stadt Cuenca eingenommen. Die Spanier vermieden den direkten Kampf und zogen sich angesichts der Überzahl der Patrioten zurück. 

Im März marschierte dann Sucre nach Norden auf Quito zu. Am 21. April konnte er einen Teilsieg gegen die spanische Kavallerie in einem Gefecht bei Riobamba verbuchen. Die Spanier versuchten, Quito zu verteidigen Aymerich ordnete  Oberst Carlos Tolrá an, die zentralen Pässe südlich von Quito zu besetzen, um den Patrioten unter Sucre den Weg nach Quito zu versperren. Sucres Truppen sammelten sich am 2. Mai in Latacunga, wo sie durch Freiwillige der Umgebung und dem Bataillon «Alto Magdalena» aus Nordkolumbien unter dem Kommando von José María Córdova verstärkt wurden. 

Sucre versuchte die Pässe zu vermeiden und hinter die feindlichen Vorposten zu gelangen, indem er sich an den Flanken des Vulkans Cotopaxi bewegte und so ins Tal von Chillos südlich von Quito gelangte. Während Aymerich daraufhin die Zugangswege zu Quito mit Geschützen besetzte, blieben die Truppen Sucres vom 17. bis 19. Mai im Tal. Das Heer Sucres befand sich ab dem 21. Mai östlich des Cerro Pencillo – heute befindet sich der Hügel innerhalb Quitos –, um die Spanier zum Kampf herauszufordern. Da Aymerich aber nicht darauf einging, veränderte Sucre in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai nochmals die Stellung und zog, geführt von Indianern, bei strömendem Regen um die Flanke des Vulkans Pichincha und musste die Kavallerie am Fuß des Vulkans zurücklassen.

Um 10 Uhr morgens am 24. Mai begann dann die Schlacht am Pichincha, die im Nachhinein zum entscheidenden Sieg der Patrioten gegen die spanischen Truppen in Ecuador führte. Zunächst aber erwiesen sich die spanischen Truppen als besser ausgebildet und mit größerer Kampferfahrung als die Patrioten, jedoch unterstützte der Ire José Mires die Separatisten und versorgte sie mit neuer Munition. Um Mittag flohen dann die besiegten spanischen Truppen und ließen um die 400 Tote an den Hängen des Pichincha zurück. Sucre aber verbuchte lediglich 200 Tote und an die 400 verwundete Patrioten.  

Die Eingliederung Ecuadors an Großkolumbien

Die besiegten spanischen Truppen flohen in die Stadt und unterzeichneten dann am folgenden Tag die Kapitulationsurkunde. Man ließ Aymerich ausreisen, nahm aber 1.260 Soldaten gefangen. Ein kleiner Teil der spanischen Truppen konnte in den Süden Neugranadas und nach Venezuela fliehen, wo sie den Kampf gegen die Patrioten fortsetzten. Ecuador hatte nun die Unabhängigkeit von Spanien erlangt. Es sollte sich aber bald zeigen, dass damit keine Selbständigkeit erzielt wurde. Denn Bolívar erschien am 13. Juli 1822 in Quito und erklärte die Real Audiencia von Quito zum neuen Departement Großkolumbiens, womit er seinen Traum von Großkolumbien vollendet sah. 

Vom «Anhängsel» Großkolumbiens zur Republik Ecuador

Acht Jahre lang war Ecuador nun lediglich ein südlicher Distrikt von Großkolumbien und unterstand einem Generalpräfekten, dem venezolanischen General Juan José Flores. Dieser «Süddistrikt» Großkolumbiens wurde in drei Bezirke aufgeteilt: Im Norden das «Departamento de Ecuador» mit Quito, das «Departamento de Azuay» mit der Stadt Cuenca und schließlich das «Departamento de Guayaquil» mit der gleichnamigen Stadt als Zentrum und der gesamten Küste.      

Am 13. Mai 1830 erklärte die Versammlung der Honoratioren von Quito die Unabhängigkeit von Großkolumbien und es wurde die selbständige «Republik von Ecuador» gegründet. General Juan José Flores wurde zum obersten Regierungschef ernannt und befahl am 19. und 20. Mai die Eingliederung der anderen beiden Departements in den neuen Staat. Als Staatschef berief er am 14. August eine verfassungsgebende Versammlung in Riobamba. Die neue Verfassung konnte dann bereits am 22. September in Kraft treten, womit die Departements Azuay, Guayaquil und Ecuador sich zum neuen Staat Ecuador zusammenschlossen. 

Wie viele neue Staaten Lateinamerikas erlebte Ecuador Zeiten politischer und territorialer Instabilität. Die eigentliche Nationenbildung ist ein Prozess, den Ecuador mit vielen lateinamerikanischen Staaten teilt und der auch heute wieder viele Länder beschäftigt, sei es in der Verfassungsfrage oder im Umgang mit den Nachkommen der Ureinwohner.

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