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viernes, 9. diciembre 2022
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Deutsche Berufsschullehrer zum Praktikum am Insalco

«Interkulturelle Kompetenz schulen»

 Von Louisa Krieg

Frischer Wind am Insalco: Angehende Berufsschullehrer aus Deutschland bringen sich sechs Wochen lang am Instituto Superior Alemán de Comercio (Insalco) ein. Was sich in Deutschland schon seit langem bewährt hat, fördern die jungen Wirtschaftspädagogen nun auch in Chile: das duale Ausbildungssystem – und sehen einen großen Gewinn im trilingualen Abschluss. 

Vier angehende Berufsschullehrer aus Nürnberg und ein Student der Universität Konstanz haben sich Anfang April beim Insalco in Santiago gegenseitig abgelöst. Auf Alexander Koller, André Hertle und Claudius Hurm folgen nach ihrem sechswöchigen Praktikum Hanna Kuhn und Pierre Niederle. Ihre Universitäten haben eine Kooperation mit Insalco, wo sich interessierte Praktikanten bewerben können. Das ist für die jungen Deutschen ein guter Weg, auch ohne umfangreiche Spanischkenntnisse Land und Leute kennenzulernen. Sie sind zwischen 24 und 26 Jahre alt und absolvieren ihren Master in Wirtschaftspädagogik. Der Studiengang bereitet sie auf das Lehrerleben an Berufsschulen vor. Daneben lernen sie aber auch alles, was man in einem Unternehmen wissen muss.

Für die fünf Studenten ist es nicht das erste Praktikum. Einige von ihnen haben nach ihrer Zeit in Santiago ihr Studium in der Tasche. Andere müssen ihre Masterarbeit noch fertig schreiben, sind aber auch in den letzten Zügen. In Deutschland fehlen dann lediglich noch 48 Wochen Betriebspraktikum, bei dem sie in einem Unternehmen ihre erlernten Fähigkeiten anwenden können. Da steht statt Unterricht Human Ressources, Rechnungswesen und klassische Büroarbeit auf dem Programm.

«Wir sind hier eine große Familie»

Die Inhalte ihres Praktikums am Insalco können die werdenden Lehrer flexibel gestalten. Man lasse ihnen hier viel Freiraum, was sie sehr schätzen. «Wir können unterrichten, im Sprachunterricht unterstützen, Excel-Skills vermitteln, aber auch einfach mal nur zuschauen oder anderen Lehrkräften zur Hand gehen», erklären die Praktikanten. Neu war für sie, dass es hier beispielsweise auch SAP-Unterricht gibt – eine sinnvolle Ergänzung für die Schüler. 

Dass die Atmosphäre im Unterricht hier familiärer und entspannter ist als in Deutschland, gefalle ihnen besonders gut. Hier werden auch Lehrkräfte mit Du angesprochen. Man sei nicht so distanziert, berichten sie. «Wir sind hier eine große Familie. Es wird jedem geholfen, egal ob es um den Unterricht geht oder nicht», so André Hertle. Außerdem seien die Klassen viel kleiner. Der Unterricht mit zehn Leuten könne interaktiv gestaltet werden, was von Vorteil für alle Beteiligten sei. Ab und an werde allerdings nicht nur Deutsch gesprochen, erzählt Alexander Koller lachend, «in Prüfungen fallen auch hin und wieder spanische Wörter.» Auch Excel auf Spanisch ist für die jungen Lehrer deutlich komplizierter. Was herausfordernd sein kann, sehen sie allerdings eher als Möglichkeit, nebenbei selbst ihr Spanisch zu verbessern.

Trilinguales Diplom – Gewinn für globalen Arbeitsmarkt

Vorteile für die Studenten des Insalco sehen die Deutschen in dem dreisprachigen System. Neben Spanisch und Deutsch wird auch Buisiness-Englisch unterrichtet, was die jungen Absolventen für den globalen Arbeitsmarkt besonders interessant mache. «Für die hauptsächlich deutsch-chilenischen Arbeitgeber, mit denen Insalco kooperiert, ist das ebenfalls ein Riesengewinn.» 

Außerdem erhalten sie Diplome, die von der deutschen Industrie- und Handelskammer und in ganz Europa anerkannt werden. Ihnen stehe so die Tür für eine Karriere in Deutschland und in vielen anderen Ländern offen. Darüber hinaus sei das duale Modell generell hoch angesehen. Die Mischung aus Praxis und Theorie hat sich nicht nur in Deutschland bewährt. «Es ist nicht nur vorteilhaft, dass die Studenten ihr Wissen direkt in die Praxis umsetzen können», erklärt Hanna Kuhn und unterstreicht: «Hinzukommt, dass sie auch in interkultureller Kompetenz geschult werden. So lernt man auch die andere Kultur kennen und schaut über den Tellerrand hinaus.» So wie nun auch durch die Lehrer aus Deutschland.

Trotz langen Tagen und Unterrichtsvorbereitung bleibt den Praktikanten ausreichend Zeit, Santiago und das ganze Land kennenzulernen. «Wir haben schon längere Ausflüge unternehmen. Außerdem ist mittwochs Wandertag, kein Unterricht und so konnten wir schon viel von Santiago besichtigen», so Alexander Koller. 

Bevor es für einen Teil der künftigen Lehrer zurück nach Deutschland geht, steht noch ein Aufenthalt in Patagonien auf dem Programm. Der Nationalpark Torres del Paine darf da natürlich nicht fehlen.

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