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viernes, 20. mayo 2022
Inicio Porträt Andreas Klein - Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile

Andreas Klein – Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile

Manager und Netzwerker für demokratische Werte

Nach sechs Jahren Leitung des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) verlässt nun Andreas Klein Chile Richtung Singapur (siehe auch Seite 5). Er brachte viel Auslandserfahrung in Mazedonien und den baltischen Staaten mit. In Chile führte der Politikwissenschaftler unter anderem die «Klimawoche» ein und sorgte dafür, dass die KAS eine Plattform zur Information über den Verfassungsprozess unterstützt.

«Vor allem in der Zeit der Pandemie, die für niemanden einfach war, haben wir erlebt, wie gut vieles in Chile funktioniert – unter anderem die vorbildlich organisierte Impfkampagne.» Das habe ihm allergrößten Respekt abgenötigt, unterstreicht Andreas Klein und stellt auch fest, dass «wir uns auch als Familie immer hier gut aufgehoben gefühlt haben».

Chile sei immer «das Land seiner Träume» gewesen. Daher habe er sich 2016 sofort auf die Stellenausschreibung der KAS beworben: «So eine Chance hat man nur einmal im Leben.» Der Abschied fällt seiner Frau, seinen elf- und 14-jährigen Töchtern und ihm nun schwer. 

In neuen Orten ankommen, Kontakte aufbauen – das habe er schon als Kind gelernt: «Mein Vater war 35 Jahre im Dienst bei der Bundeswehr und so waren meine beiden Brüder und ich es gewohnt, umzuziehen.» Andreas Klein ist in Freiburg geboren und aufgewachsen und hat in Bonn sein Abitur gemacht sowie Politische Wissenschaft, Neuere Geschichte und Romanische Philologie studiert. Während seines Studiums erhielt er ein Stipendium der KAS, mit dem er ein Jahr in Finnland Interkulturelle Kommunikation studierte. 

Gleich nach Studienabschluss 2000 wurde sein Organisationstalent auf die Probe gestellt: Der 27-Jährige erhielt den Auftrag für die KAS in Mazedonien (seit 2019 Nordmazedonien) als einer der jüngsten Auslandsmitarbeiter ein Büro neu aufzubauen. Nun hieß es «Learning by Doing», meint Klein, denn: «Es war ein Sprung ins kalte Wasser – direkt vom Hörsaal in ein Land voller Spannungen.» Genau das scheint ihm aber zu liegen: Ein Job, in dem Improvisation gefragt ist, schnell eine neue Sprache zu lernen und ein Netzwerk aufzubauen. 

Die Region war von den Jugoslawienkriegen gezeichnet, «wenn auch Mazedonien das einzige Balkanland war, das nicht direkt betroffen war», wie der Politikwissenschaftler bemerkt. Eine seiner Aufgaben war es, zur Verständigung zwischen den verschiedenen Volksgruppen beizutragen:
65 Prozent der Bewohner Mazedoniens sind orthodox, rund 25 Prozent Albaner und muslimisch. «Außerdem gehörte dazu, für die uns verbindenden europäischen Werte zu werben – während im Balkan der Nationengedanke immer noch verbreitet war», beschreibt Klein seine Hauptaufgaben.

Nach vier Jahren in Skopje ging es für ihn mit der KAS zurück nach Deutschland – zunächst in die Zentrale der Stiftung nach Berlin, anschließend als Leiter des KAS-Bildungsforums nach Düsseldorf. Im Jahr 2007 übernahm er wieder die Leitung eines KAS-Büros im Ausland an, dieses Mal in Riga, das für Lettland, Litauen und Estland zuständig ist. Die Baltischen Länder hatten während der Weltfinanzkrise 2008/09 einen wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften – heute steht die Region wegen des Ukraine-Krieges wieder im Interesse der Weltöffentlichkeit. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung in Lettland und Estland sind Russen, die von der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg und der Eingliederung der Region, bewusst angesiedelt worden waren. Klein erinnert sich: «Den Balten stecken 45 Jahre Besetzung durch die Sowjetunion in den Knochen, begleitet von Deportationen und der Unterdrückung der eigenen Kultur. Sie warnten schon vor 15 Jahren vor einer zu großen Abhängigkeit von Russland.» In den baltischen Staaten setzte sich der KAS-Mitarbeiter vor allem für die Förderung der demokratischen Parteien und der Integration der Länder in die europäischen Strukturen ein.

Bei seiner Ankunft 2016 in Chile habe er ein Land vorgefunden, in dem «in den vergangenen gut 25 Jahren der friedliche Übergang zur Demokratie gelungen ist, in dem sich eine Mittelschicht herausgebildet hatte, eine beeindruckende Infrastruktur aufgebaut worden war und ein relativ gut funktionierendes Gesundheitssystem entstanden  ist». Die Parteienzusammenarbeit mit den chilenischen Christdemokraten habe zunächst im Vordergrund gestanden. Außerdem organisierte der Projektmanager mit seinem Team von drei wissenschaftlichen Mitarbeitern und drei Verwaltungskräften Veranstaltungen wie die jährlich stattfindende Klimawoche und beriet Kommunen bei der Implementierung von transparenten Verwaltungsstrukturen. Seit dem Jahr 2020 setzt die KAS einen Schwerpunkt auf die Unterstützung des Verfassungsprozesses, zum Beispiel über die Nachrichtenplattform VT Noticias, die täglich über den Verfassungsprozess und die Entwicklung in der Verfassungsversammlung berichtet. Neben der Projektarbeit zählt auch die Berichterstattung über sein Einsatzland zu seinen Aufgaben. «Besonders seit 2019 gab es viele Anfragen der Presse und anderer Institutionen in Deutschland zu Chile. Dann unterstreiche er die großen Erfolge Chiles, wie «die Digitalisierung, die durch die Pandemie einen weiteren Schub erfahren hat und von der wir in Deutschland einiges lernen können». Vor allem imponiere ihm in Chile immer wieder die Bereitschaft, «etwas Neues auszuprobieren – auch wenn nicht immer alles beim ersten Versuch gelingt.» 

Auch ihn selbst hat Chile herausgefordert, etwas Neues zu wagen: «Als echter Flachland-Tiroler habe ich mich zu einem Trecking-Fan entwickelt. Die chilenischen Anden werden mir besonders fehlen!»

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