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domingo, 7. agosto 2022
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«Die Unbestechlichen» von Brian de Palma

Al Capones ungewöhnlicher krimineller Lebenslauf hat Stoff für zahlreiche Filme gegeben. Darunter nimmt «Die Unbestechlichen» von Brian de Palma zweifellos einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert ein. Bezeichnend in dieser Produktion ist, dass Capone nicht die zentrale Figur ist, sondern eine Sondereinheit, die Agent Eliot Ness während der Prohibition gründet, um dem mächtigsten Mafiaboss Chicagos das Handwerk zu legen. Capone hat den illegalen Alkoholhandel in seiner Gewalt, und etliche Beamte, darunter Polizisten und sogar Richter, kassieren von ihm Bestechungsgelder. Es heißt, er sei eigentlich der Bürgermeister der Stadt. Um der Korruption und den knallharten Methoden Capones Herr zu werden, entschließt sich Ness dazu, ebenfalls Verfahrensweisen anzuwenden, die die Grenzen des Legalen überschreiten. 

Al Capone erscheint in dem zweistündigen Streifen kaum 30 Minuten. Der Zeitraum genügt jedoch seinem Darsteller Robert De Niro, um eine facettenreiche, widersprüchlige Persönlichkeit zu kreieren: In einer Szene ermordet er auf brutalste Weise einen seiner Mitläufer mit einem Baseballschläger, in einer anderen lässt er sich in der Oper von dem Tenor zu Tränen rühren.  

Meisterregisseur de Palma zieht alle Register seines Könnens: Er holt nicht nur aus seiner ausgezeichneten Darstellerriege Beachtliches heraus, sondern gestaltet die verschiedenen Szenenabläufe, darunter eine entscheidende Gerichtsverhandlung, mit maximaler Spannung. Die Schießerei im Bahnhofsgebäude, in der der Kinderwagen mitsamt Baby die Treppe hinabtrudelt, ist ein Klassiker des gekonnten Filmschnitts. 

«Die Unbestechlichen» stellt mit seiner direkten, gewandten Erzählweise und Schneidetechnik eine Ereuerung des Gangsterfilm-Genres dar. Gleichzeitig frischt er einige Charakteristika von Klassikern auf.

Der Platte liegen verschiedene informative Dokumentationen bei, in denen einige Mitwirkende von der Entstehung des Films erzählen. Brian de Palma verrät zum Beispiel, dass das Studio ihm Bob Hoskins als Al Capone aufzwingen wollte. Es war nicht leicht für ihn, seinen Favoriten Robert De Niro durchzusetzen, der zudem horrende Honoraransprüche stellte. Als dies endlich glückte, musste De Niro binnen weniger Wochen 17 Kilogramm zunehmen, um der Figur einigermaßen zu ähneln. Kameramann Stephen H. Burum offenbart, dass er in Schwarzweiß drehen wollte, um die Atmosphäre der damaligen Zeit besser wiedergeben zu können, fügt aber sogleich hinzu, dass er den Vorschlag nicht zur Sprache brachte, denn: «Man wird es uns nicht erlauben.»

Und schließlich kommt die Mitarbeit Ennio Morricones zur Sprache. Der Komponist sah sich den geschnittenen Film an und ließ sich alsbald gegen acht Motive einfallen, die de Palma sogleich zusagten. Besonders begeistert zeigte sich der Regisseur über Morricones Einfall, die Schießerei auf dem Bahnhof mit Musik aus einer Spieldose zu begleiten. 

Der Kino-Trailer vervollständigt das Bonus-Angebot.   

«The Untouchables», USA, 1987. Regie: Brian de Palma. Produktion: Art Linson. Drehbuch: David Mamet. Musik: Ennio Morricone. Kamera: Stephen H. Burum Ton: Jim Tanenbaum. Schnitt: Jerry Greenberg, Bill Pankow. Mit Kevin Costner, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy García, Robert De Niro u. a. Spieldauer: 119 Min. 

  • Bild ****
  • Ton ****
  • Darbietung *****
  • Extras ***

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