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viernes, 9. diciembre 2022
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Shackleton und wie Chile die Endurance-Mannschaft rettete

100 Jahre nach seinem Tod wurde nun sein Schiff, die «Endurance», wiederentdeckt: 1922 war Ernest Shackleton während einer Expedition in Südgeorgien mit 47 Jahren an einem Herzschlag gestorben. Der Entdecker gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Antarktisforschung. 

Shackleton wurde 1874 in Irland geboren. Sein Vater gab aufgrund von Missernten 1884 die Landwirtschaft auf, wurde Arzt und die ganze Familie zog nach London. Der junge Mann heuerte als Seekadett auf einem Schiff der britischen Handelsflotte an. Gleich in diesem Jahr erlebte er die Umrundung von Kap Hoorn. Nach einer erfolglosen Expedition zum Südpol im Ballon, Ausflügen in den Journalismus und die Politik bricht er 1907 ein zweites Mal zur Antarktis auf. Als Leiter der zweijährigen sogenannten Nimrod-Expedition stellte er einen Rekord in der größten Annäherung an einen der beiden geographischen Erdpole auf, musste aber noch 180 Kilometer entfernt vom Südpol umkehren. Für diese Leistung wurde Shackleton von König Edward VII. zum Ritter geschlagen.

Endurance-Expedition

Von 1914 bis 1917 dauerte die legendäre Endurance-Expedition, offiziell British Imperial Trans-Antarctic Expedition. Nachdem es Roald Amundsen drei Jahre zuvor bereits als erster Mensch bis zum Südpol geschafft hatte, setzte sich Shackelton ein neues Ziel: Er will die Antarktis komplett durchqueren. 

Shackletons Plan sieht vor, mit der «Endurance» die Antarktis im Gebiet der Weddell-See zu erreichen, anzulanden und den Marsch durch den Eiskontinent anzutreten. Eine zweite Gruppe soll derweil mit dem Schiff Aurora zur gegenüberliegenden Seite der Antarktis fahren und zur Weddell-Gruppe vorstoßen.

Von Eis zermalmt

Die «Endurance» verläßt Plymouth am 8. August 1914. Mitte Januar 1915 wird das Schiff von Packeis in der Weddell-See eingeschlossen. Die folgenden zehn Monate wartet die Mannschaft auf eine Lücke im Eis. Zunächst bietet die «Endurance» ihnen noch eine sichere Zuflucht vor Kälte und Sturm. Das ändert sich, als mit Beginn der wärmeren Jahreszeit Stürme riesige Eisschollen auf das Schiff zutreiben. Das Segelschiff gerät unter immer stärkeren Druck. Shackleton lässt die Crew aufs Eis umziehen, ihr Lager nennen sie Ocean Camp.

Während die «Endurance» allmählich vom Eis zermalmt wird, gelingt es den Männern noch, Nahrungsvorräte und die drei Beiboote aus dem Schiff zu bergen. Einen Monat nach dem Untergang der «Endurance» bricht die Expedition auf. Warmes Wetter hat allerdings den Untergrund aufgeweicht und macht den Weitermarsch unmöglich. Erneut muss ein Lager auf dem Eis aufgeschlagen werden: das Patience Camp. Über drei Monate müssen sie hier ausharren. 

Am 8. April bricht das Eis unter Patience Camp auf, mit knapper Not retten sich die Männer in die Boote. Der Kapitän und hervorragende Navigator Frank Worsley schafft es, die Boote durch Sturm und Nebel nach Elephant Island zu steuern – ein verlassenes windiges Stück Felsen nördlich der antarktischen Halbinsel. Ihre Lage bleibt prekär, denn die Insel liegt abseits der Routen von Walfängern.

Überlebenskampf im tosenden Meer

Es blieb nichts anderes übrig, als mit einem Boot Hilfe zu holen – was einen Höllenritt bedeutete: 1.500 Kilometer durch das stürmischste Seegebiet der Erde in einem winzigen Beiboot. Am 24. April 1916, neun Tage nach dem Erreichen von Elephant Island, sticht die James Caird mit sechs Männern wieder in See. Frank Wild wurde als Leiter der auf Elephant Island zurückbleibenden Gruppe ausgewählt.

Durchnässt, halb erfroren und sehr geschwächt schaffen es die Männer 16 Tage nach ihrem Aufbruch dennoch Südgeorgien auf der unbewohnten Seite der Insel zu erreichen. Neun Tage Erholung, dann bricht Shackleton zusammen mit Worsley und Thomas Crean zu einem letzten Gewaltmarsch durch hohe Berge und Gletscher auf. Die restliche Crew der James Caird wird einen Tag später von Walfängern geborgen. 

Die chilenische Yelcho

Bis zur Rettung der auf Elephant Island Gestrandeten vergeht allerdings noch einige Zeit. Drei Rettungsversuche scheitern, weil die ausgeschickten Schiffe das Packeis nicht brechen können. Erst der vierte Rettungsversuch führte zum Erfolg. Mitte August bat Shackleton die chilenische Regierung, ihm die Yelcho zu leihen, einen kleinen, stabilen Dampfer. Das Wachboot der chilenischen Marine hatte bereits bei einem vorhergehenden Rettungsversuch des Schiffs Emma geholfen. Die Regierung stimmte zu, und am 25. August 1916 brach die Yelcho unter der Leitung von Kapitän Luis Pardo («Piloto Pardo») nach Elephant Island auf. Nun gelang es: Das Meer war offen und im Nebel konnte das Schiff an die Insel heranfahren. 

Um 11.40 Uhr am Morgen des 30. August hob sich der Nebel, das Lager wurde gesichtet, und innerhalb einer Stunde waren alle Männer von Elephant Island sicher an Bord. Daraufhin brach die Yelcho wieder nach Punta Arenas auf. 

Obwohl der Polarforscher scheiterte, wurde die Expedition berühmt. Er hatte seinem Schiff alle Ehre gemacht und nie aufgegeben: So überlebten dank Ernest Shackelton alle Mannschaftsmitglieder trotz der äußerst widrigen Umstände.

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