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domingo, 3. julio 2022
Inicio Interview Zum 70. Geburtstag des Organisten Mauricio Pergelier

Zum 70. Geburtstag des Organisten Mauricio Pergelier

Historische Musik aus Guatemala zum Klingen gebracht

Ein Deutscher perfektionierte sein Können und eine Kärntnerin führte ihn nach Österreich: Der in Viña del Mar geborene Organist Mauricio Pergelier tritt auch noch mit 70 Jahren mit seinem Instrument auf. Außerdem widmet er sich der Musik aus historischen Manuskripten aus dem guatemaltekischen Hochland.  Dem Cóndor erzählt er über seine Musiker-Laufbahn.

Was bedeutete es für Ihre Laufbahn, dass der deutsche Organist und Komponist Guntram Hecht Sie in Viña del Mar del Mar/Valparaíso unterrichtete? 

Mein Interesse an der Orgelmusik begann, als ich noch zur Schule ging. Nach einigen Jahren des Studiums hatte ich das Glück, meinen geliebten Maestro Guntram Hecht zu treffen, der bei dem bedeutenden Organisten Karl Straube in Leipzig studiert hatte. Guntram Hecht lebte vier Jahre lang in Chile, und es war ein großes Glück, dass er mich als Lehrer unterrichtet hat. Später studierte ich spanische Renaissancemusik bei Antonio Baciero in Burgos und Segovia. Und es folgte das Studium des Cembalos.

Wie kam es, dass Sie nach Kärnten/Österreich gekommen sind?

Nach einigen Konzertreisen in Deutschland und Österreich entschlossen meine Frau Edith und ich uns, nach Klagenfurt zu ziehen, wo ich die Möglichkeit hatte, als Organist, Chorleiter und Orgellehrer zu arbeiten.

Welches sind die weiteren Stationen Ihrer Musiker-Laufbahn?

In Chile gab ich eine Reihe von Orgelkonzerten in verschiedenen Städten des Landes. Außerdem arbeitete ich 20 Jahre lang als Organist in der deutschen lutherischen Kirche von Valparaíso und als Organist der großen Cavaille-Coll-Orgel der «Iglesia de los Sagrados Corazones».

Ich leitete den Chor der Universidad Federico Santa María, war Professor für Geschichte der Kirchenmusik und Gregorianik am Pontificio Seminario Mayor de Valparaíso und gründete und leitete den Chor der Universidad de Los Andes in Santiago. 

Es folgten in Europa viele Orgel- und Cembalokonzerte wie in Deutschland, der Schweiz, Finnland, Italien und Slowenien sowie CD-Aufnahmen auf verschiedenen historischen Instrumenten in diesen Ländern. Ich gab Meisterkurse für Orgelstudenten, für spanische Renaissancemusik, unter anderem die Musik von Conrad Paumann.

Was würden Sie als besondere Höhepunkte bezeichnen?

Höhepunkte für mich waren mehrere Einladungen zum Festival der ältesten Orgel der Welt in Sion in der Schweiz, einem Instrument aus dem Jahre 1390. Auch auf der ältesten Orgel in Deutschland, der in Ostönnen aus dem Jahr 1450, gab ich Konzerte und es wurde eine CD aufgenommen. Ein anderes bemerkenswertes historisches Instrument, das ich spielte, ist in der «Chiesa della Santissima Annunziata» in Siena. Diese Kirche, in der sich die Orgel aus dem Jahr 1514 befindet, gehört zu dem Gebäudekomplex und ehemaligen Krankenhaus, in dem einst die heilige Katharina von Siena wirkte.

Können Sie etwas über Ihre aktuelle Arbeit sagen?

Jetzt bin ich als Lehrer im Ruhestand, aber ich arbeite immer noch als Organist und Chorleiter in der alten Abtei von Viktring, die ein wunderschönes Instrument aus dem Jahr 1720 besitzt. In Viktring haben wir ein Kammerensemble, mit dem wir Konzerte und Musik für verschiedene liturgische Feste gestalten, besonders in dieser Zeit der Pandemie.

Gemeinsam mit dem Kirchenchor haben wir im Laufe der Jahre viele Konzerte gegeben, die ein Repertoire vom Mittelalter bis zu modernen Komponisten umfassen. Unter anderem sind wir im Markusdom in Venedig und im Dom von Siena aufgetreten.

Trotz der Pandemie konnten wir im August 2021 mit unserem Ensemble ein Konzert mit Werken aufführen, die ich aus den alten Huehuetenango-Handschriften aus Guatemala aus den Jahren 1570 bis 1640 musikwissenschaftlich bearbeitet habe. Die meisten dieser Werke wurden zum ersten Mal aufgeführt und es war eine jahrelange Beschäftigung mit diesem Thema vorweggegangen. Für dieses Konzert wurden viele historische Instrumente verwendet, darunter das Cembalo, das Clavichord und die Orgel und verschiedene Blasinstrumente.

Welche Projekte und Pläne haben Sie für 2022?

Für 2022 planen wir eine CD mit unserem Ensemble, das diese Werke aufführen wird. Ein weiteres Projekt für 2022 ist die Herausgabe eines Buches mit dem Thema «El Coral», das eine CD mit verschiedenen Beispielen aus dem gregorianischen Gesang enthalten soll.

Haben Sie auch manchmal Heimweh?

Natürlich vermisse ich Chile, meine Heimat, und natürlich würde ich sehr gerne wieder meine Verwandten und meine Freunde aus der Schulzeit wiedertreffen!

Die Fragen stellte Silvia Kählert

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