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jueves, 27. enero 2022
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Peter Mayer-Telger – österreichischer Konsul in Chile

«Über die Berge hinaus in die weite Welt»

Peter Mayer-Telger ist scheidender österreichischer Konsul in Santiago. Seine Leidenschaft zu reisen und neue Horizonte zu entdecken, war für ihn wegweisend: Sie zog ihn praktisch in die weite Welt. Einen festen Rahmen gibt ihm seine diplomatische Tätigkeit – und vor allem seine Familie.

Seit vier Jahren vertritt Peter Mayer-Telger als Konsul der österreichischen Botschaft in Santiago die Interessen Österreichs. Seine Amtszeit endet im Dezember und im neuen Jahr 2022 tritt er die Folgeposition in Madrid an. Seine erste Station für das Auswärtige Amt nahm er in Indien wahr, danach folgte eine Amtsperiode im Senegal. Dort wurden auch seine mittlerweile fünf und acht Jahre alten Kinder geboren, für die Chile in den letzten Jahren zur ersten Heimat geworden ist. 

Über seine eigenen Kindheitstage erzählt der 41-Jährige: «Ich glaube, ich hatte eine recht klassische Kindheit. Meine Eltern hatten einen Schrebergarten, wo wir viel Zeit mit Familie und Freunden verbrachten. Die Sommerferien haben wir am Strand in Italien verlebt und im Winter sind wir zum Skifahren in die Berge gefahren. Besonders mit meinem Opa waren wir als Kinder sehr viel wandern. Durch ihn habe ich meine Leidenschaft für die Berge entdeckt.» Er schwärmt davon, vor kurzem erst den Cerro El Plomo, den nordöstlich von Santiago gelegenen Fünftausender, bestiegen zu haben. 

Peter Mayer-Telger wurde als mittlerer von drei Brüdern im österreichischen Kärnten geboren, genauer in Sankt Veit an der Glan, nahe Klagenfurt am Wörthersee. Nach dem Wehrdienst ist er nach Graz gegangen, wo er Jura studierte. Sein Studium habe er sich selbst finanzieren müssen. Erklärend fügt er hinzu: «Ich habe in den Semesterferien viele verschiedene Jobs gemacht. Ich war Kellner in der Schank auf vielen Bierfesten in ganz Österreich und im Baugewerbe habe ich als Maler, als Maurer oder als Monteur gearbeitet.» Zwischendurch erkundete er mit dem Motorrad weite Teile Europas. Zum Ende seines Studiums entschloss er sich, ein Auslandssemester im Erasmus-Programm der Europäischen Union im spanischen Valencia zu absolvieren. Er wollte Spanisch lernen. Dort lernte er seine jetzige Frau kennen, die ebenfalls Erasmus-Studentin war. 

Im Jahr 2006 gingen sie gemeinsam auf eine fünfmonatige Weltreise. Das sei eine aufregende Zeit und eine echte Beziehungsprobe gewesen, erinnert sich der Jurist, da sie «das erste Mal 24/7 miteinander aushalten» mussten. «In meiner Frau habe ich eine gleichgesinnte Partnerin gefunden habe, mit der ich die Welt erkunden kann. Das erleichtert mir mein Leben als Diplomat ungemein. Wir leben unseren gemeinsamen Traum und die Kinder mischen mittlerweile kräftig mit.» 

Reisen zähle also seit jeher zu seinen Leidenschaften. Er habe schon früh «über die Berge hinausgewollt», um die weite Welt zu entdecken. «Vielleicht war das sogar ein wichtiger Antrieb gewesen, um sich beim Außenministerium zu bewerben», mutmaßt der Diplomat. Während des Studiums habe er schon in internationalen Praktikumsstellen in Rumänien, Deutschland sowie bei den Vereinten Nationen breitgefächerte Auslandserfahrungen gesammelt und so Einblicke in die Arbeit und das Leben im Ausland nehmen können. Neben dem Reisen gab es für Peter Mayer-Telger weitere Gründe, sich für das Diplomatenleben zu entscheiden: «Die Herausforderung, alle vier Jahre in ein neues kulturelles Umfeld einzutauchen, neue Sprachen zu erlernen und den eigenen Horizont zu erweitern sowie die Möglichkeit, ständig neue interessante Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und professionellen Bereichen kennenzulernen und internationale Freundschaften zu schließen – all das hat mich sehr gereizt.»

In seiner Freizeit genießt der Diplomat in erster Linie die Zeit mit seiner Familie. Gemeinsam reisen sie sehr viel, sind leidenschaftliche Wanderer und Radfahrer. Ein Highlight war ihre letzte Reise, auf der sie die Inkastadt Machu Picchu in Peru erkundet haben. Doch auch Chile konnten sie vom Süden bis in den Norden bereisen, die Atacama-Wüste bei San Pedro sei dabei als Ex-
tremlandschaft eine Besonderheit gewesen. 

In diesem Jahr hat der Familienvater seinen Kindern in der Vulkanlandschaft der Nevados de Chillán das Skifahren beigebracht. Während der Skistunden sei es immer wieder zu kleinen Raucheruptionen der aktiven Schlote gekommen. Ein echter Nervenkitzel! Während der Pandemie seien sie als Familie noch mehr zusammengewachsen, stellt er fest: «Trotzdem bin ich froh, dass das Leben zurzeit gerade wieder in einigermaßen normalen Bahnen läuft.» Sein Motto sei ohnehin, sich immer auf das Positive zu konzentrieren, egal welche Steine oder Kurven das Leben bereithält.

Es sei ein gutes Gefühl, gemeinsam mit den Kindern in jenes Land zurückzukehren, wo alles begann: Spanien. Zudem stelle dieser Verlauf einen sanften Übergang zur endgültigen Rückkehr in die Heimat dar: «Wir nähern uns langsam wieder Österreich. Dort können dann auch die Kinder längerfristig Wurzeln schlagen.»

Foto: privat

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