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domingo, 26. junio 2022
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Wein im Gegenverkehr

Ein Containerschiff ist unterwegs von San Antonio nach Hamburg. Ein anderes fährt in die Gegenrichtung. Irgendwo im Atlantik schwimmen sie aneinander vorbei. Beide haben auch einige Weinkisten an Bord: Riesling aus dem Rheingau für chilenische Kunden und Carmenère aus dem Aconcagua-Tal für deutsche. Das Besondere? Auf den Etiketten beider Weinsorten steht Baron Knyphausen…

Familienweingut mit langer Tradition

Das Traditionsweingut Baron Knyphausen liegt in der Gemeinde Eltville-Erbach im deutschen Weinanbaugebiet Rheingau. Das Anwesen befindet sich auf dem «Draiser Hof», der 1141 von Mönchen des Zisterzienserordens der Abtei Eberbach als Nebengebäude für die Bewirtschaftung von Weinbergen und Ackerland in Eltville und Erbach errichtet wurde. Der Weinberg und die dazugehörigen Ländereien wurden 1818 von der Familie der Freiherren zu Knyp-
hausen erworben.

Die Weinberge umfassen rund 14 Hektar Rebfläche in den Lagen Hohenrain, Marcobrunn, Michelmark, Steinmorgen (Erbach), Sandgrub (Kiedrich) und Rheinberg (Eltville) und sind zu 75 Prozent mit Riesling bepflanzt. An den Hängen des Rheingaus dominieren die Südlagen, dazu der kühlende Strom – beste Bedingungen für diese Rebsorte, aber auch für Spätburgunder. Außerdem füllt das Weingut Baron Knyphausen einen «Rheingauer Gemischten Satz» mit den autochthonen, teils seltenen Sorten Elbling, Gewürztraminer, Silvaner, Gelber Orléans, Weißer Heunisch (Gouais Blanc) und Roter Riesling sowie Sekt ab. In Jahren mit geeigneten klimatischen Bedingungen werden zusätzlich edelsüße Weine von der Auslese bis zum Eiswein aus bis zu dreimal von Hand gelesenen Trauben gekeltert. Das Weingut ist Gründungsmitglied der Charta Rheingau und seit 1972 Mitglied im VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter). Der Familienbetrieb produziert jährlich etwa 60.000 Flaschen Wein und bewirtschaftet daneben ein kleines Boutique-Hotel, eine Veranstaltungslocation und Gastronomie. 

«Nachwuchs» im Aconcagua-Tal

Auf der anderen Seite der Welt hatte der auf dem deutschen Familiengut in Eltville geborene und aufgewachsene Edzard Freiherr zu Innhausen und Knyphausen 2007 das Anwesen Santa Teresa bei Llay-Llay im chilenischen Aconcagua-Tal erworben und 2015 hier auf 2 Hektar die ersten Reben angepflanzt. In der alten Hacienda Santa Teresa mit ihrem Herrenhaus und dem hundertjährigen Park, der 2008 zum Nationalen Historischen Denkmal erklärt wurde, produziert die Viña Barón Knyphausen außergewöhnliche Rotweine, wobei die Reben und Trauben auf natürliche und ökologische Weise angebaut werden, mit Tropfenbewässerung, ohne Pestizide oder andere chemische Produkte. Das Terroir des Aconcagua-Tals ist mit hervorragenden Bedingungen für den Weinbau gesegnet: fruchtbare Böden, intensive Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit und Nebel vom Pazifik und Wind, der die Weinberge belüftet (in der indigenen Mapudungun-Sprache bedeutet Llay-Llay übrigens «starke Winde»). 2019 wurden bereits mehr als 11.000 Flaschen Carmenère und Syrah (Shiraz) abgefüllt, die hier besonders gut gedeihen. «Etwa 1.000 Flaschen exportieren wir nach Deutschland, wo sie über das dortige Weingut der Familie, das derzeit von meinem älteren Bruder Gerko und meinem Neffen Frederik geführt wird, auf den Markt kommen», berichtet Edzard zu Knyphausen. Im Gegenzug importiert er vier Riesling-Weine und Sekt aus Eltville-Erbach nach Chile. 

Nachdem er seit 1979 fast ausschließlich in verantwortungsvollen Posten für das deutsche Unternehmen Ferrostaal in unterschiedlichen Ländern tätig war – von 1994 bis 2007 beispielsweise als Geschäftsführer der MAN Ferrostaal Chile S.A.C. – hat er sich damit einen Lebenswunsch erfüllt. Im Moment denkt die Familie darüber nach, das Wohnhaus in Vitacura aufzugeben und ganz nach Llay-Llay überzusiedeln. Hier werden inzwischen auch Weinverkostungen und Mittagessen angeboten und für Tagungen oder Familienfeiern steht Platz zur Verfügung.

Weinbau in zwei Welten

In Deutschland werden vorwiegend Weißweine angebaut, und das meist in kleinen und mittleren Betrieben, von denen 2020 rund 11.000 gelistet waren. Die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach sind mit 238 Hektar Anbaufläche das größte Weingut der Bundesrepublik. 

In Chile dagegen dominiert der Rotwein, der vorwiegend von großen Unternehmen angebaut wird, obwohl in letzter Zeit die Zahl kleinerer Betriebe mit Anbauflächen von 20 bis 50 Hektar zunimmt. Viña Concha y Toro ist das größte unter den Weingütern des Landes nach Weinbaugebiet und Marktanteil. Die Aktiengesellschaft besitzt 4.500 Hektar Weinberge in Chile und weitere Anbaugebiete in Argentinien.

In Deutschland wacht der Verband Deutscher Prädikatsweingüter über die Güteklassen der edlen Tropfen, während in Chile Qualitätsparameter durch professionelle Weinproben oder nationale und internationale Wettbewerbe gesetzt werden.

Trotz aller Unterschiede: Baron Knyphausen vereint mit seiner mehr als 200-jährigen Erfahrung in der Weinherstellung die hervorragendsten Terroirs des Rheingaus in Deutschland und des chilenischen Aconcagua-Tals in einer Familie.

Mehr Informationen unter: www.baron-knyphausen.de

Anmeldungen bei der Hacienda Santa Teresa bei Llay-Llay für Weinverkostungen, Mittagessen, Tagungen oder Feiern: vinabaronknyphausen@gmail.com oder Andrea Tapia +56988372741

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