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sábado, 1. octubre 2022
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«Unidad de Desarrollo Tecnológico» – seit 25 Jahren Forschung und Anwendung

«Ideenreiche Innovationen gefragt»

Plástico biodegradable o reciclaje de neumáticos: El instituto de investigación Unidad de Desarrollo Tecnológico (UDT) de la Universidad de Concepción participa en numerosos proyectos para hacer sostenible el medio ambiente en el futuro. Alex Berg habla en la entrevista con el Cóndor sobre la fundación del instituto, que se inauguró hace 25 años, y sobre el trabajo de investigación actual.

Wie kam es zur Gründung der «Unidad de Desarrollo Tecnológico» an der Universidad Concepción?

Als ich mich im Jahr 1993 entschloss nach Chile zurückzukehren, hatte ich zur gleichen Zeit die Entwicklung des Verfahrens zur Gewinnung von Zellstoff abgeschlossen. Das deutscheUnternehmen, bei dem ich das Verfahren entwickelt hatte, übergab mir zehn Container voll mit Equipment, und gleichzeitig erklärte sich meine Alma Mater, die Universität Concepción, bereit, ein Institut für angewandte Wissenschaften, die «Unidad de Desarrollo Tecnológico», aufzubauen. Das UDT-Gebäude wurde im August 1996, vor 25 Jahren, in Anwesenheit des Präsidenten Eduardo Frei Ruiz Tagle eingeweiht.

Am Anfang war ich ganz alleine im Boot, dann kamen langsam neue Mitarbeiter hinzu. Heute zählt unsere Mannschaft über 100 Personen. Wir entwickeln Technologien, um Erdöl nicht nur als Energiequelle zu ersetzen, sondern auch von diesem Rohstoff unabhängig zu werden, um Kunststoffe, Chemikalien und vieles mehr herzustellen. Unser Ziel ist es, unsere Welt nachhaltiger zu gestalten, durch Schließen der Rohstoffkreisläufe und durch rationelle Nutzung von Reststoffen aus der Agrar- und Forstwirtschaft.

Was ist wichtig heute bei der Arbeit eines Wissenschaftlers?

Wie wichtig die Wissenschaft ist, lässt sich leicht erkennen, wenn wir den Verlauf der Corona-Pandemie betrachten. Sehr schnell erlebten wir, wie sich die Seuche verbreitete, fanden die Ursachen und Wege, uns zu schützen und die Pandemie zu bekämpfen. Aus meiner Sicht können die riesigen Probleme, denen die Menschheit gegenübersteht, nur mittels wissenschaftlicher Beobachtung, tiefer Erkenntnis, mit Hilfe technologischer Lösungsansätze und in Rahmen internationaler Zusammenarbeit behoben werden.

Was sollte einen Wissenschaftler kennzeichnen? Vor allem Überzeugung und Freude an der Tätigkeit, die man ausübt. Ich bin überzeugt, dass die Begeisterung ein zentrales Element ist, um erfolgreich zu sein. Ausdauer und harte Arbeit gehören selbstverständlich auch dazu, da «Erfolg» – was auch immer das bedeuten mag- erst nach Jahren harten Büffelns und langer Reifezeit erlangt werden kann. Dieses war allerdingst schon immer so. Was sich wohl mit den Jahren verändert hat ist, dass in diesen schnelllebigen Zeiten dem Wissenschaftler nicht die Möglichkeit gegeben wird, seine Arbeit zu vollenden. Die Notwendigkeit der schnellen Ergebnisse stimmt häufig mit einer ordentlichen und tiefgründigen wissenschaftlichen Tätigkeit nicht überein.

Wie hat sich die Arbeit im Wissenschaftsbereich mit den Jahren verändert? Hat der Wettbewerb zugenommen?

Was Wettbewerb betrifft gebe ich zu, dass dieser zum Glück allmählich zunimmt. Chile investiert ca. 0,35 Prozent des Bruttoinlandproduktes in Forschung und Entwicklung, Deutschland dem gegenüber um die 3 Prozent. Das heißt, dass unsere Kapazität unser Wissen zu erweitern, neue Prozesse zu finden und innovative Produkte herzustellen sehr beschränkt sind. Wir benötigen dringend mehr Wissenschaftler, bessere Technik und weitsichtigere, ideenreiche Innovationen.

Was motiviert junge Wissenschaftler heute?

Die Motivation unserer jungen Wissenschaftler ist sehr vielschichtig. Ich habe das Gefühl, dass vornehmlich Möglichkeiten gesucht werden, Forschung und Entwicklung auf lange Sicht und mit adäquaten Mitteln durchführen zu können. Manche streben Grundwissen an, andere angewandte Technologie – beides ist nötig.

Was genau soll im Bereich der Kunststoffe erreicht werden?

Wir versuchen, traditionelle Kunststoffe vornehmlich in jenen Einsatzbereichen zu ersetzen, die kurzlebig sind. Verpackungsmittel machen zum Beispiel circa 40 Prozent des gesamten Kunststoffkonsums aus, werden jedoch nur für sehr kurze Zeit benutzt. Das Material kann allerdings über Jahrhunderte in unserer Umwelt verbleiben, ohne abgebaut zu werden. Es ist der Zwang der Stunde dieses Einweg-Plastik zu ersetzen. Es gibt mehrere Möglichkeiten hierzu: einerseits Biokunststoffe, die sich in der Umwelt natürlich zersetzen; Papier und Kartonprodukte in vielen Anwendungsbereichen, und neuartige Verpackungen aus natürlichen und umweltverträglichen Rohstoffen.

Wir arbeiten mit mehreren Unternehmen in diesem Bereich zusammen und haben bereits interessante Erfolge erzielt. Nur ein Beispiel: Gesichtsmasken schützen sehr effektiv gegen das Corona-Virus. Sie verursachen allerdings auch enorme Umweltschäden, da sie aus Polypropylen hergestellt werden, ein nicht natürlich abbaubarer Kunststoff. Wir entwickeln eine neuartige Maske aus Zellstoff, die eine gute Atmung erlaubt, die die Viren enthaltenden winzigen Aerosole zurückhält, hautfreundliche Eigenschaften besitzt und außerdem biologisch abbaubar ist.

Das heißt, in Ihrem Fachgebiet spielt das Thema Nachhaltigkeit eine besonders große Rolle?

Wir gleiten zurzeit vom «Zeitalter des Erdöls» zum «Zeitalter der Nachhaltigkeit» über. Das heißt, dass die fossilen Rohmaterialien nicht mehr allgegenwärtig sein werden, weil es die Natur einfach nicht verträgt. Der Ersatz kann nur von einer ressourceneffizienten Nutzung von biobasierten Rohstoffen kommen. Gleichzeitig werden diese Ressourcen über lange Zeiträume in möglichst geschlossenen Kreisläufen genutzt werden müssen.

Nachhaltigkeit bedeutet allerdingst nicht nur Umweltschonung, sondern auch ökonomische Machbarkeit und soziale Einbindung der Gesellschaft in allen wichtigen Entscheidungsprozessen. Wir bemerken es im Alltag, dass sich vieles in unserem Leben verändert. Diese technischen und sozialen Umwälzungen verursachen Unsicherheiten bei vielen Menschen, auch bei mir. Aber wir werden sie nicht vermeiden können, vielmehr müssen wir sie wohlüberlegt und besonnen in unser Leben hereinlassen.

Welche internationalen Kooperationen des Instituts gibt es?

In unserem Institut pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit mehreren deutschen Universitäten und F&E Zentren. Mit KIT in Karlsruhe arbeiten wir in den Bereichen Bioenergie und chemische Wasserstoffnutzung, mit dem Institut Fraunhofer Umsicht verbindet uns das Interesse für thermische Umsetzungsverfahren (vornehmlich Pyrolyse von Biomasse, Kunststoff und Kautschuk) und mit dem Thünen Institut suchen wir nach Möglichkeiten, neue Produkte aus Holz und Rohstoffe aus dem Forst und der Agrarwirtschaft zu entwickeln.

Was ist für Sie das wichtigste Ziel bei Ihrer Arbeit und bei der Entwicklung von Innovationen?

Mehrere Technologien, die in unserem Institut entwickelt wurden, sind schon auf den Markt gekommen, und wir sind zuversichtlich, dass weitere ihren Weg zur Anwendung finden werden. Unser vornehmliches Ziel liegt nicht in einer hohen Zahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, sondern viel mehr in der tatsächlichen Anwendung von neuen Erkenntnissen und innovativen technologischen Lösungsansätzen in der Praxis.

Die Fragen stellte Silvia Kählert.

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