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jueves, 27. enero 2022
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Zum 200. Jahrestag der ersten Unabhängigkeitserklärung von Santo Domingo

Eine geteilte Insel 

Ankunft von Christoph Kolumbus auf Hispaniola

Christoph Kolumbus betrat bei seiner ersten Amerika-Reise 1492 die Insel Hispaniola.  Er ließ das Fort La Navidad aus den Trümmern seines an Weihnachten zerstörten Schiffs Santa Maria errichten. Später gründete er dort eine Siedlung – das erste Zentrum der spanischen Kolonisation in Amerika.

Die einheimischen Tainos nannten die Insel Kiskeya  oder auch Ayití  (gebirgiges Land), woraus die heutigen Bezeichnungen «Quisqueya» und «Haiti» entstanden. Haiti hieß also ursprünglich die gesamte Insel und ist heute der Staat im Westteil. Hispaniola, Jamaika, Kuba und Puerto Rico bilden zusammen die Großen Antillen.

Afrikanische Sklaven

Christoph Kolumbus  gab der Insel den Namen La Isla Española, den die Engländer  zu Hispaniola verballhornten. Die Insel wurde in der Kolonialzeit politisch in einen spanischen Ostteil, Santo Domingo (oder San Domingo) genannt (nach der gleichnamigen Stadt), und einen französischen Westteil, Saint Domingue (oder Saint-Domingue), getrennt. Aus dem Ostteil wurde die Dominikanische Republik, aus dem Westteil Haiti.

Nachdem von den ursprünglich zwischen 400.000 bis etwa drei Millionen auf der Insel lebenden Ureinwohnern weniger als 20.000 übriggeblieben waren, begannen die spanischen Eroberer ab 1500 Sklaven aus Afrika auf die Insel Hispaniola zu bringen. Das 1503 eingeführte Encomienda-System zwang die indigenen Einwohner unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Flüchtige wurden getötet und ein großer Teil starb an den aus Europa und Afrika eingeschleppten Seuchen, gegen die Ureinwohner keine Abwehrkräfte hatten. Die afrikanischen Sklaven wurden zunächst als Goldwäscher, später im Zuckerrohranbau eingesetzt.

«Haitianische Revolution»

Ab 1625 geriet Haiti zunehmend unter die Kontrolle von französischen Kolonisten und Freibeutern. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ordnete der spanische König an, dass alle Bewohner der Insel in die Region von Santo Domingo auf der Ostseite übersiedeln sollten, um die Zusammenarbeit mit den Piraten zu verhindern. Dies leistete allerdings der französischen Kolonisation des Westteils Vorschub. 1697 trat Spanien das spätere Haiti im Vertrag von Rijswijk an Frankreich ab. 

In Saint Dominique bauten die Franzosen die Plantagenwirtschaft erheblich aus und erlebten eine außerordentliche wirtschaftliche Blütezeit. In den 1780er Jahren kamen etwa 40 Prozent des Zuckers und 60 Prozent des Kaffees, den die Europäer konsumierten, aus dieser reichsten französischen Kolonie. Dieser Teil der Insel wuchs zum weltweit größten Produzenten von Zucker und war 1789 auch in der Kaffee-, Baumwoll- und Indigoproduktion Weltmarktführer.

Im August 1791 erfolgte dann der Aufstand der Sklaven unter der Führung von François Dominique Toussaint-Louverture. Die «Haitianische Revolution» führte zu Massakern an der weißen Bevölkerung, zur Abschaffung der Sklaverei, dann zu deren Wiedereinführung, schließlich zur erneuten Abschaffung und zur französischen Invasion der Insel, die aber dann sogleich von den Militärs der Mulatten vertrieben wurden. 

«España Boba»

Anfang 1804 erklärte Jean-Jacques Dessalines, ein früherer Offizier in der französischen Armee und Führer des haitianischen Aufstandes, die Unabhängigkeit von Haiti. Der frühere Sklavenstaat wurde damit zum ersten Gebiet, das sich in der Neuen Welt von der europäischen Kolonialherrschaft befreite. 

Während sich in Haiti die Rivalitäten zwischen Mulatten und Schwarzen verschärften und zur Trennung vom Norden und Süden führten, verlor 1808 Haiti die Herrschaft über Santo Domingo. Die spanische Bevölkerung gemeinsam mit der britischen Marine besiegte die Haitianer 1809, sodass sie sich in den Westteil der Insel zurückziehen mussten und Santo Domingo wieder unter spanische Herrschaft kam. Die Spanier zeigten aber wenig Interesse am Wiederaufbau der Kolonie, wohl auch wegen der französischen Invasion in Spanien. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang, da die Verbindungen zum Mutterland sowie zu den anderen spanischen Kolonialprovinzen während der Unabhängigkeitskriege unterbunden wurden. Diese Epoche wird «España Boba» («dummes Spanien») genannt. 

Die «flüchtige» oder «erste» Unabhängigkeit von Santo Domingo

Der kreolische Schriftsteller José Núñez de Cáceres gründete eine Gruppe von Verschwörern, die auf die Unabhängigkeit von Spanien drängten. Die Gruppe teilte sich bald: Die einen wollten den Anschluss an Haiti, da der Mulatten-General Jean-Pierre Boyer, der seit 1818 Haiti zu einer vereinten Republik umformte, nun danach strebte, auch den anderen Teil der Insel einzubinden. Cáceres Ziel aber war der Anschluss an Großkolumbien. Daher schickte er im Frühjahr 1821 eine Gesandtschaft zu Simón Bolívar, der jedoch bereits an der Befreiung Ecuadors beteiligt war. Es zeigte sich, dass vorerst keine militärische Hilfe erwartet werden konnte. Die spanische Autorität verlor an Kraft und so gelang es den Verschwörern, sich die Unterstützung der Offiziere zu sichern. Am 8. November erklärte der Kommandant Andrés Amarante die Unabhängigkeit. Wie ein Lauffeuer breitete sich die Bewegung aus und Cáceres sah sich nun gedrängt, die Unabhängigkeitserklärung voranzutreiben. 

Am 1. Dezember rief er dann in Santo Domingo den «Estado Independiente de Haiti Español» (Unabhängigen Staat Spanisch-Haiti) aus. Die Unabhängigkeit des Ostteils der Insel blieb ein «flüchtiges» Ereignis, denn diese erste Unabhängigkeit fand schon am 8. Februar 1822 ihr Ende, indem sie an Saint Domingue angeschlossen wurde, wo sie bis 1844 dann verblieb. Da sich Cáceres Wunsch einer Angliederung an Großkolumbien nicht verwirklichen ließ, fügte er sich dem Willen der Schwarzen und Mulatten, sodass es zur Annexion Santo Domingos an Haiti kam. Es folgte die Verstaatlichung der spanischen Kirchengüter, die Abschaffung der Sklaverei und die Einrichtung einer effizienten Verwaltung nach französischem Vorbild. 

«Zweite» Unabhängigkeit 1844

Frankreich erkannte schließlich nach vergeblichen Wiedereroberungsversuchen 1825 die Republik Haiti an – unter der Bedingung, dass Plantagenbesitzern hohe Entschädigungssummen gezahlt werden sollten. Korruption und Armut sollten bis heute das Land lahmlegen. Ein Erdbeben 1842 führte zu erheblichen Zerstörungen der Stadt Cap-Haitien. 

Boyer regierte als Präsident bis zu seinem Sturz 1843 durch eine Verschwörung. Sein Nachfolger wurde Charles Rivière-Hérard, der eine neue Verfassung einführte und dadurch erneut einen offenen Aufstand auslöste. 

In diesen Unruhen erkämpfte sich Santo Domingo seine «zweite» Unabhängigkeit: Am 27. Februar 1844 erfolgte die Unabhängigkeit des Ostteils der Insel als Dominikanische Republik. 

Beide Teile erlebten unruhige Zeiten. Verschuldung, Korruption, Militärputsche, US-Interventionen und eine andauernde politische Instabilität kennzeichnen die Entwicklung der Insel. Während in der Dominikanischen Republik der Tourismus zu Einnahmen beiträgt, ist Haiti noch immer das «Armenhaus» der Karibik. Die Ideale der Französischen Revolution und der Unabhängigkeit haben bis heute wenig Früchte getragen.

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