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sábado, 10. diciembre 2022
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Erste Runde der Präsidentenwahl

Kast und Boric kommen in Stichwahl

El 21 de noviembre, Chile elige a dos candidatos polarizados. Tras las masivas protestas y los violentos disturbios de 2019, algunos esperan un cambio en la sociedad, otros lo temen.

Santiago de Chile (dpa) – Der rechte Kandidat José Antonio Kast hat die erste Runde der Präsidentenwahl gewonnen. Der Deutsch-Chilene kandidierte für die Frente Social Cristiano und kam bei der Wahl am Sonntag auf 27,9 Prozent der Stimmen. Der frühere Studentenführer Gabriel Boric, der Kandidat des linken Parteienbündnisses Apruebo Dignidad, erhielt 25,8 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt Servel mitteilte. Beide vertraten unter den insgesamt sieben Kandidaten die äußeren Ränder des politischen Spektrums und galten in den letzten Wochen laut Umfragen vor der Wahl als die zwei aussichtsreichsten Kandidaten für das Präsidentenamt.

Traditionelle Bündnisse abgeschlagen

Knapp gelangte überraschend dem Populisten Franco Parisi mit 12,8 Prozent auf Platz 3. Der Ingenieur und ehemalige Fernseh- und Radiomoderator lebt in Alabama in den USA. Ihm werden verschiedene Vergehen vorgeworfen wie die ausstehende Zahlung von Alimenten für seine Söhne.

Weit abgeschlagen sind Sebastián Sichel mit 12,7 Prozent und Yasna Provoste mit 11,6 Prozent, die Kandidaten der bisher führenden Bündnisse. Es ist das erste Mal seit der Rückkehr zur Demokratie 1990, dass es die traditionellen Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Bündnisse nicht in die Stichwahl schaffen. Yasna Provoste der christdemokratischen Partei sprach sich bereits für die Stichwahl für den linken Kandidaten Gabriel Boric aus.

Die beiden Vertreter der äußeren Ränder des politischen Spektrums werden nun am 19. Dezember aufeinandertreffen. Die Wahlbeteiligung von 46,6 Prozent entsprach der üblichen Höhe bei Wahlen in Chile.

Parlament, Kongress und Senat

Ebenfalls neu gewählt wurden die Mitglieder des Parlaments, des Kongresses und die Hälfte des Senats.

Was das Parlament angeht verteilen sich künftig die 155 Abgeordneten auf 21 Parteien und zwei Unabhängige, nämlich Francisco Pulgar und Carlos Bianchi. 74 Abgeordnete sind Mitglied einer rechten Partei und 79 Abgeordnete einer linken. Das heißt, das linke Lager verliert vier Sitze gegenüber der vorherigen Wahlperiode und hat dadurch im Kongress eine sehr knappe Mehrheit von zwei Stimmen.

Die stärkste Partei im Kongress bleibt trotz Verlust von sechs Sitzen die Renovación Nacional mit 25 Sitzen. Die zweitstärkste Partei ist mit 23 Abgeordneten die Unión Demócrata Independencia (UDI), die drei Sitze nach der Wahl verloren hat.

Evópoli kommt auf vier Sitze. Die Partei gehört mit RN und UDI zum Wahlbündnis Chile Podemos Más, das mit 53 Abgeordneten Sitze verliert.

Dafür erlangte das rechte Lager wie das Wahlbündnis Frente Social Cristiano 15 Sitze. Dieses setzt sich zusammen aus der Partido Republicano von José Antonio Kast mit 14 Sitze und dem Partido Conservador Cristiano, der auf einen Sitz kam. Der Partido de la Gente von Franco Parisi gelangen auf Anhieb sechs Sitze. Diese rechten Parteien waren bisher nicht im Parlament vertreten gewesen.

Noch zersplitterter zeigt sich das Wahlergebnis bei den Mitte-Links-Parteien. Hier verteilen sich die Stimmen auf die vier Wahlbündnisse: Nuevo Pacto Social, Apruebo Dignidad, Dignidad Ahora und Partido Ecologista Verde. Der Nuevo Pacto Social kommt auf 37 Sitze und hat damit deutlich verloren. Im Parteienbündnis Nuevo Pacto Social ist die Sozialistische Partei die stärkste Kraft, gefolgt von den Christdemokraten mit acht Sitzen. Auf ebenfalls 37 Sitze kommt Apruebo Dignidad. In diesem Bündnis sind die Kommunisten mit zwölf Sitzen die stärkste Partei.

Im Senat ist eine Pattsituation entstanden, da 25 rechte Senatoren 25 linken gegenüberstehen. Erstmals haben es zwei Kandidaten der kommunistischen Partei sowie ein Kandidat der Republikaner in den Senat geschafft.

José Antonio Kast Rist

José Antonio Kast ist 1966 als jüngstes von neun Kindern von Michael Kast Schindele und Olga Rist Hagspiel geboren. Das Ehepaar stammt aus dem Allgäu, wo ihre ersten beiden Kinder geboren wurden. Im Jahr 1950 wanderte die Familie nach Chile aus.

José Antonio Kast besuchte die Deutsche Schule Santiago und studierte im Anschluss Jura an der Universidad Católica. Der Deutsch-Chilene hat gemeinsam mit seiner Frau María Pía Adriasola acht Kinder. Sein Bruder war der Wirtschaftswissenschaftler, Minister und ehemalige Direktor der Zentralbank Miguel Kast. Außerdem ist er der Onkel des Senators Felipe Kast, der der Partei Evópoli angehört.

Der Rechtsanwalt und Katholik engagiert sich seit vielen Jahren als Politiker. Er fungierte als Stadtrat in Buin und im Anschluss als Abgeordneter im Parlament. Zunächst war er Mitglied UDI, gründete dann aber die Partido Republicano.

Kast tritt für weniger Steuern, weniger Staat, gegen Abtreibungenund gegen die Einwanderung Vorbestrafter ein. Während der chilenischen Proteste 2019 lehnte er die gewalttätigen Ausschreitungen und die Zerstörung von privatem und öffentlichem Eigentum ab und verteidigte das Konzept von Law and Order. Er unterstützte in Brasilien den Wahlkampf von Präsident Jair Bolsonaro.

Gabriel Boric

Der in Punta Arenas geborene Gabriel Boric ist kroatischer Abstimmung (der Cóndor berichtete). Er studierte Rechtswissenschaften an der Universidad de Chile in Santiago, schloss aber sein Studium nicht mit einem Abschluss ab, sondern widmete sich der Politik. Von 2011 bis 2012 war Boric der Vorsitzende der la Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile und  einer der Hauptanführer der Studentenproteste im Jahr 2011.

Der 35-jährige Kandidat des linken Wahlbündnisses «Apruebo Dignidad» setzt sich für den Ausbau des Sozialstaats, Klimaschutz und für Frauenrechte ein. Er war bisher Abgeordneter für die Region Magallanes und den chilenischen Teil der Antarktis.

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