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jueves, 2. diciembre 2021
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Vor 150 Jahren geboren – Erfinder des Spiels der Spiele Josef Friedrich Schmidt

Mensch ärgere Dich nicht!

Josef Friedrich Schmidt versuchte sich in verschiedenen Branchen, aber erst mit der Entwicklung des Brettspiels «Mensch ärgere Dich nicht» gelang ihm nach dem Ersten Weltkrieg der Durchbruch. Das Spiel ist bis heute eines der beliebtesten Brettspiele der Deutschen und gehörte über Jahrzehnte zum Grund-inventar vieler deutscher Haushalte.   

Vom Lebensmittelhändler zum Spielefabrikanten

Als Sohn des Vermessungsbeamten Friedrich Schmidt und seiner Frau Luise erblickte Josef Friedrich Schmidt am 24. November 1871 in Amberg in der Oberpfalz das Licht der Welt. Nach seiner Schulzeit begann er eine kaufmännische Ausbildung und war dann über mehrere Jahre als Angestellter tätig, bis er sich 1901 mit einem Handelsgeschäft für Lebensmittel in München selbständig machte. Er versuchte sich dann noch in verschiedenen Branchen. So befasste er sich mit der Herstellung von «chemischen Bedarfsartikeln», dann von Schuhen mit Holzsohlen, wechselte ab 1904 kurzzeitig in die Branche der Hoteliers (er führte im bayerischen Kiefersfelden ein Hotel), handelte danach mit Wein und Spirituosen und schließlich mit Eisenwaren. 

Um 1907 bastelte er in seiner Wohnküche für seine drei Söhne ein Spiel aus einem verbeulten Hutkarton und schnitzte aus Holzklötzchen Figuren dazu; er nannte es «Mensch ärgere Dich nicht». Dabei griff er auf Vorläufer aus dem 19. Jahrhundert zurück, etwa «Eile mit Weile» oder «Ludo» – letzteres kannte er selbst aus seiner Kindheit -, die aber alle auf die Grundprinzipien des alten indischen Nationalspiels «Chaupad» beziehungsweise «Pachisi» zurückgehen. In  dem Schmidt die Regeln vereinfachte, das Spiel auf einen schlichten Lauf um das Kreuz des Spielplans reduzierte und zugleich ein möglichst häufiges Schlagen von Figuren erzeugte, schaffte er ein dynamisches Familienspiel. Seine genialste Neuerung am Spiel war dann aber vor allem die einprägsame Namensgebung. 

Da Frau und Kinder sich begeistert vom Spiel zeigten, begann Schmidt auch für Freunde und Bekannte Spielsets anzufertigen. Ab 1910 begann er in seiner Werkstatt in der Lilienstraße in München eine größere Anzahl von Exemplaren herzustellen. Es zeigte sich dann aber, dass der Verkauf seiner handgefertigten Spielsets schleppend verlief. Dennoch war er überzeugt von seinem Konzept und startete ab 1914 mit der Massenproduktion. 

Werbefeldzug im Zweiten Weltkrieg

1916 wurde die «Spielfabrik J.F. Schmidt» als Gewerbe angemeldet. Als erstes Verlagslogo benutzte er seine Initialen und ein «M», das für den Standort des Unternehmens München stand: «J.F.S.M.».  Zunächst aber saß der Jungunternehmer Schmidt auf tausenden von unverkäuflichen roten Pappkartons fest. Ihm drohte die Pleite. Als werbewirksam erwies sich dann Schmidts kostenlose Abgabe von 3.000 «Mensch ärgere Dich nicht»-Spielen an das Deutsche Rote Kreuz für die verwundeten Soldaten in den Lazaretten während des Ersten Weltkriegs.

Aus dem Ladenhüter wurde eine Lieblingsbeschäftigung der Verletzten und Gebrechlichen. Eine Rotkreuzschwester bedankte sich 1916 bei Schmidt: «Sie können sich nicht vorstellen, welch große Freude Sie damit den Verwun-

deten gemacht haben.» Die genesenen Soldaten nahmen dann das Spiel bis in die Schützengräben mit. Von dort begann nach dem Ende des Krieges der Einzug in die Familien, wo es sich großer Beliebtheit erfreute. Dies brachte dem Spiel dann den wirtschaftlichen Durchbruch. Neben den aus dem Krieg heimgekehrten Multiplikatoren war auch sein günstiger Preis – ein Spiel-Set kostete damals lediglich 35 Pfennige, weniger als ein Pfund Zucker – sicherlich ausschlaggebend für den Erfolg. 1920 konnte die Spielefabrik Schmidts im deutschen Sprachraum bereits eine Million Spiele absetzen. In kurzer Zeit wurde das Spiel zum Sinnbild deutscher Gemütlichkeit. Dieser Erfolg führte zu einem raschen Ausbau des Firmensortiments. Bald wurden in der «Spielfabrik J.F. Schmidt» auch andere zeittypische Gesellschaftsspiele wie Mühle, Halma, Dame und Schach oder auch Quartette hergestellt.

Schmidts ältester Sohn Franz machte sich 1936 mit einer eigenen Spielfabrik in Nürnberg selbständig. Dabei übernahm er gegen Lizenzgebühren das gesamte Programm des väterlichen Verlags mit Ausnahme von «Mensch ärgere Dich nicht» und drei weiteren Artikeln. Dem Vorbild seines Vaters folgend, verlegte er seine Spiele unter dem Logo «F.S.N.» (Franz Schmidt Nürnberg). 

NS- und DDR-Propaganda

Die Nationalsozialisten setzten die Popularität des emotionalen Spiels für ihre politischen Zwecke ein. Es wurde als «Jugendkriegsspiel» mit der Form eines Eisernen Kreuzes, des militärischen Symbols, als Grundfläche zum «Einüben» des Soldatennachwuchses für den Ernstfall eingesetzt. Ziel dieser Version war dann die Eroberung von Paris. 

Später vereinnahmte auch die DDR das Spiel für ihre marxis-tisch-leninistische Weltsicht in den Wohnstuben der Plattenbauten mit den Plagiaten «Wir werfen raus» und «Mensch, bleib ruhig». Der Kampf gegen den Klassenfeind wurde bei der Version «Der Wettlauf um die Welt» noch origineller: Die Felder, die den Osten repräsentierten, wurden mit leuchtend blauem Wasser und grünen Wiesen sowie Fabriken ohne Schadstoffausstoß prachtvoll als Gegenbild zum Westen dargestellt, wo unschöne Wolkenkratzer aufragten und Kriegsflugzeuge die Spielfelder übersäten. 

Krieg, Konkurs und Verkauf

Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl das Unternehmen in München als auch die Fabrik von Franz in Nürnberg zerstört und dann 1948 als selbstständige Betriebe wieder in München aufgebaut. Franz änderte nun das Logo entsprechend ab in «F.S.M» (Franz Schmidt München) und verwendete als Logo schließlich die Doppeltürme der Marienkirche (auch als Frauenkirche bekannt). Nach dem Tod von Josef Friedrich am 28. September 1948 führte seine Frau die Geschäfte weiter.

In den 60er Jahren florierte das Geschäft und so erwarb man auch Lizenzen für viele Spiele aus den USA, darunter «Monopoly», «Risiko» oder «Cluedo». 1970 fusionierten die beiden Firmen zur «Schmidt Spiel + Freizeit GmbH» mit neuem Sitz in Eiching und Ingolstadt. Franz‘ Tochter Anneliese wurde mit ihrem Mann Dieter Hahne Mitinhaberin des Unternehmens. Es entwickelte sich in den 1980er Jahren zum zweitgrößten Spiele-hersteller Deutschlands und blieb bis 1997 im Besitz der Nachfahren des Firmengründers, ging dann aber nach einem Konkurs an die Blatz-Gruppe in Berlin über, die den Namen «Schmidt Spiele GmbH» bis heute weiterführt.

Zu deren beliebtesten Spielen zählt noch immer «Mensch ärgere Dich nicht». Trotz der zahlreichen Kopien und Plagiate, die im Laufe der Zeit auf den Markt kamen, wurde «Mensch ärgere Dich nicht» zum beliebtesten Spiel der Deutschen. Bis 2004 konnte man über 70 Millionen verkaufte Exemplare verbuchen. Über mehrere Generationen gehörte das spannende Spiel zur Grundausstattung jeder Familie, war so selbstverständlich wie der Kochtopf oder das Bügeleisen. In die 80er Jahre stand in drei von vier westdeutschen Haushalten irgendwo in einem Regal der knallrote Karton mit schlecht gelaunt blickenden Herren im dunklen Anzug auf dem Pappdeckel. Jedes zweite Spiel wurde damals bereits exportiert. In Italien wurde es als «Non t’arrabiare» und in Frankreich als «T’en fais pas» verkauft. Der Name Schmidt und das Logo werden bis heute fortgeführt – so lebt die Erinnerung an den «Vater» von «Mensch ärgere Dich nicht» weiter.

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