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jueves, 2. diciembre 2021
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Christine Kaufhold – Studentin und Unternehmerin

Heimatbewusste und geschäftstüchtige Deutsch-Chilenin

Christine Kaufhold – Studentin und Unternehmerin

Im Jahr 2018 wurde Christine Kaufhold zur «Reina del Campeonato Nacional de Rodeo» gekürt und kürzlich jagte sie in Eiseskälte im geblümten traditionellen Kleid der «china chilena» eine Skipiste den Vulkan Llaima hinunter. Der Süden Chiles hält die junge Frau in seinem Bann. Die Studentin der Betriebswirtschaft gründete vor Kurzem mit ihrem Bruder ihr eigenes Unternehmen Puro Vino in Temuco.

Christine Kaufhold stammt aus Temuco, wo sie bis heute lebt und sich wohl fühlt. Zunächst lebte sie mit ihrer Familie auf dem Lande, nahe dem Stadtgebiet. Doch beim Erdbeben im Jahr 2010 wurde das Wohnhaus so stark beschädigt, dass die Familie in die Stadt umzog – damals war Christine zehn Jahre alt. In Temuco ging sie auf die Deutsche Schule und seit 2018 studiert sie dort an der Universität Betriebswirtschaft. Sie ist die Jüngste von fünf Geschwistern. Gerade einmal 22 Jahre alt, hat sie vor kurzer Zeit gemeinsam mit ihrem sieben Jahre älteren Bruder Ricardo eine Firma gegründet: Puro Vino ist ein Weinhandel mit regionalem Vertrieb um die Stadt Temuco. Die Geschwister arbeiten mit acht verschiedenen Winzern zusammen, die hochwertigen Wein in der Zentralzone Chiles herstellen, und verkaufen diesen an Restaurants, Privatleute oder kleine Geschäfte. Sie selbst liefern die Weinflaschen aus. 

Die Gründungsidee kam während der Pandemie auf. «Mein Bruder und ich leben noch immer unter einem Dach, während unsere älteren Geschwister schon eigene Familien haben. In der Pandemie kon-
zentrierte sich unser Leben, wie das der meisten anderen Mensch auch, auf das zu Hause. Wir hatten Zeit und Ruhe, unsere Geschäftsidee zu entwickeln», berichtet die junge Frau. Eigentlich habe sie jedoch vorgehabt, ein Semester in Deutschland zu studieren. Die Pandemie sei diesem Plan jedoch in die Quere gekommen, erzählt die Studentin. Obwohl sie ihr Studium erst im nächsten Jahr beenden wird, könne sie ihr theoretisches Wissen schon jetzt in ihr Unternehmen einbringen. Ihr Zuständigkeitsbereich erstrecke sich auf Social Media und die Logistik, beschreibt sie weiter. Ihr Studienfach begeistere sie und sie habe auf jeden Fall die richtige Wahl getroffen. Ihr Bruder – ebenfalls Betriebswirt – habe zudem schon einige Jahre Berufserfahrung sammeln können. Eine solide Basis ist gegeben!

Die angehende Betriebswirtin genießt jedoch auch ihre Freizeit: Sie fährt gern Ski oder ist mit dem Fahrrad unterwegs. Auch Kochen macht ihr Spaß sowie Zeit mit ihren Freunden zu verbringen und die deutschen Traditionen mit der Familien zu zelebrieren.

Ihr Deutschland-Austausch während der Schulzeit fand zum Jahreswechsel 2015 und 2016 statt. Die 22-Jährige erinnert sich: «Ich verbrachte diese Zeit in einer Gastfamilie, die in einem Dorf ungefähr eine Stunde von Ulm entfernt wohnte. In dieser Zeit lernte ich beispielsweise auch, wie man die wunderschönen Strohsterne bastelt, die überall zur Weihnachtszeit aufgehängt werden.» 

In der Zukunft möchte Christine Kaufhold auf jeden Fall noch in Deutschland studieren: Auch wenn es mit dem geplanten Austauschsemester noch nicht geklappt hat, möchte sie später ein Aufbaustudium machen – am liebsten in Ulm. «Doch immer im Ausland zu leben, kann ich mir nicht vorstellen», meint sie. Denn mit ihrem Heimatland Chile fühlt sich die junge Frau eng verbunden. Diese Verbundenheit hat sie vor Kurzem auf einer Skipiste am Vulkan Llaima in einer spontanen Aktion öffentlich demonstriert. Am 17. September – el Día del Huaso y la Chilenidad – fuhr sie auf Skiern mit der chilenischen Flagge in der Hand im traditionellen Kleid den Hang hinab. «Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte diese Idee. Meine Familie hat nicht geglaubt, dass ich es wirklich mache. Es hat mir großen Spaß gemacht, auch wenn es ein wenig kalt war», bemerkt sie. Gern erinnert sich die junge Frau auch an den Moment, als sie im Jahr 2018 zur «Reina del Campeonato Nacional de Rodeo» gekrönt wurde. In einem langwierigen Prozess mit Vorentscheidungen und unterschiedlichen Prüfungen wurde sie zunächst Siegerin der Zona Sur de Lautaro. Dann gewann sie schließlich in Rancagua auch die Endrunde. Sie sei stolz darauf, die Traditionen ihrer Heimat zu pflegen und weiterzutragen, betont sie an, diese dürften nicht in Vergessenheit geraten.

Am Vulkan Llaima war sie während der Pandemie gemeinsam mit ihrer Familie oft unterwegs. Der weite Naturraum habe einen gesunden Ausgleich zum eingeschränkten Leben während der Quarantänezeit geboten. Das Familienleben habe sich intensiviert: Sie seien gemeinsam viel gewandert und auch das Kartenspielen gehöre wieder zum Abendprogramm. Und nicht zuletzt ist ja auch während dieser Zeit ihre Geschäftsidee geboren und in die Tat umgesetzt worden – Puro Vino versorgt die Region mit guten Weinen. Im Stadtgebiet von Temuco wird sogar gratis ausgeliefert. Und noch etwas hat Christine Kaufhold während der Zeit des zwangsläufigen Rückzugs gelernt: «Man muss das Leben in jedem Moment so gut es geht genießen, und zwar mit den Menschen, die einen treu begleiten. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt.»

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