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lunes, 25. octubre 2021
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Viva Mexiko – 200 Jahre Unabhängigkeit

Über elf Jahre lang zog sich in Neuspanien der Unabhängigkeitsprozess hin, der 1810 mit den ersten Aufständen begann, sich zu einem blutigen Bürgerkrieg steigerte und dann 1821 vorwiegend auf diplomatischem Weg seinen Abschluss fand.   

Antonio de Iturbide, der Mann der Stunde

1820 trat eine bedeutende Wende in der Geschichte Spaniens und Hispanoamerikas ein, als sich in Spanien Truppen gegen die absolutistische Regierungsform Fernando VII. erhoben und unter der Führung von Mayor Rafael del Riego eine Verschwörung anzettelten, die schließlich den König verpflichtete, die liberale Verfassung von 1812 wieder in Kraft zu setzen. Damit wurde nicht nur eine konstitutionelle Monarchie, sondern auch die Selbstverwaltung von Kommunen und Provinzen sowie ein Parlament eingeführt. Zugleich wurden aber auch Rechte und Privilegien des Klerus aufgehoben und Bürgerrechte garantiert. 

Die neuen Verordnungen riefen in Neuspanien eine heftige Reaktion hervor. Waren bisher die Aufstände wesentlich von liberalen und progressiven Ideen getragen, so rief nun die liberale Verfassung den Widerstand konservativer Kräfte hervor. Der Klerus fürchtete um seine Vorrechte, die Kolonialverwaltung um ihre Machtkompetenzen und die Militärs um Aufstiegschancen und Adelsprivilegien. 

So bildete sich eine Gruppe konservativer Kleriker und hochgestellter Persönlichkeiten, um sich gegen liberale und freimaurerische Einflüsse zu wehren. In der sogenannten Verschwörung von «La Profesa» – so nannte der Volksmund die Kirche «Oratorio de San Felipe Neri» in Mexiko-Stadt – standen sie für ein monarchistisch regiertes Neuspanien ein. 

Nach erstem Zögern leistete der Vizekönig Juan Ruiz de Apodaca im Mai 1820 den Eid auf die Verfassung, womit er selbst fortan als «Jefe Político Superior» (Oberster Politiker) der Provinz Neuspanien galt. Am 20. August wurde die Tätigkeit des Jesuitenordens und auch Rechtsbefugnisse der Inquisition eingestellt. Diese Maßnahmen riefen die Gruppe von «La Profesa» auf den Plan, um nun die Unabhängigkeit auszurufen. Sie sahen einen Infanten als Monarchen des unabhängigen Mexiko vor und konnten Apodaca überzeugen, Oberst Agustín de Iturbide, den sie als ihren Vertrauten erachteten, zum Befehlshaber der Truppen im Süden gegen die Aufständischen unter Vicente Guerrero zu ernennen. 

Iturbide war konservativ und religiös geprägt, ein Vertreter der kreolischen Oberschicht Mexikos. Seine steile militärische Karriere hatte 1816 einen Rückschlag erlitten, als der Vizekönig ihn vom Kommando enthob, da man ihm übermäßige Grausamkeiten gegen Rebellen und zudem Korruption vorwarf. Nun aber schien für ihn eine neue Chance gekommen. Während er sich offiziell der Niederschlagung der Aufständischen im Süden widmen sollte, nahm er ab 1820 geheime Verhandlungen mit Vicente Guerrero, dem Anführer der Aufständischen, auf.

«Plan von Iguala» 

Trotz aller inoffiziellen Kontakte zwischen dem Oberst und dem Rebellenführer kam es Ende 1820 zu kleineren Gefechten zwischen den spanischen Truppen und den Aufständischen. Mit Briefen versuchte er, Guerrero als Verbündeten zu gewinnen, indem er die gemeinsamen Interessen an der Unabhängigkeit hervorhob. Am 10. Februar 1821 trafen sie sich, um einen gemeinsamen Frieden zu besiegeln, ein Ereignis, das als «Abrazo de Acatempan» (Umarmung von Acatempan) bezeichnet wird. Guerrero und seine Rebellen unterstellten sich fortan den Befehlen von Iturbide. Gemeinsam mit Guerrero erarbeitete er im Februar 1821 einen Plan für den Weg zur Unabhängigkeit. Ziel war es, möglichst viele Gruppen einzubinden und mit Garantien für die gemeinsame Sache zu gewinnen. Der «Plan de Iguala» oder auch «Plan der Drei Garantien» war entscheidend dafür, dass die Vereinigung der bisher rivalisierenden Interessengruppen ermöglicht und damit der Weg zur Unabhängigkeit geebnet wurde. Der Katholizismus als Staatsreligion wurde festgeschrieben, zugleich dem Klerus die bisherigen Freiheiten und Privilegien garantiert. Vorgesehen ist eine absolute Unabhängigkeit unter einer konstitutionellen beziehungsweise moderaten Monarchie. Unter den Leitworten: «Religión, Independencia, Unión» (Religion, Unabhängigkeit und Einheit) sollten Spanier und «Amerikaner» beziehungsweise «Mexikaner» im Rahmen der nationalen Unabhängigkeit vereint werden. Nachdem Guerrero und seine Rebellen bereits einen Teil dieses Plans bildeten, galt es nun, spanische Truppen vom Übertritt in die Unabhängigkeitsbewegung zu überzeugen. Hier wandte Iturbide wieder seine Diplomatie an und schrieb Briefe an seine Offizierskollegen, an Bischöfe und an die kolonialen Autoritäten. Ziel war es, ein «kaiserlich-mexikanisches» Heer zu bilden. Da die Spanier kaum noch über militärische Mittel verfügten, um an eine Offensive zu denken, beschränkten sie sich auf die Kontrolle der Städte und Festungen.  

Da Juan Ruiz de Apodaca der schwierigen Lage nicht mehr gewachsen schien, wurde er am 5. Juli 1821 zum Rücktritt gezwungen. Inzwischen konnte Iturbide Offiziere, Soldaten und auch zahlreiche Stadträte auf seine Seite bringen. Am 3. August wurde Puebla eingenommen, und so blieben schließlich nur noch Veracruz und Mexiko-Stadt unter der Kontrolle Spaniens.

Der Nachfolger von Apodaca, Generalleutnant Juan O’Donojú, traf Ende 1821 in Veracruz ein und erfuhr, dass nur das Fort San Juan de Ulúa noch unter spanischer Kontrolle stand, Mexiko-Stadt jedoch nicht mehr vollständig gesichert werden konnte. Er ging daher auf Verhandlungen mit Iturbide ein. Nach Vorgesprächen unterzeichnete Juan O’Donolú als oberste Autorität Neuspaniens am 24. August den Vertrag von Códoba, der sich weitgehend an den «Plan von Iguala» anlehnte und somit die Unabhängigkeit von Neuspanien besiegelte. Die Spanier mussten abziehen, sollten aber für ihren verlorenen Besitz entschädigt werden. Diese Klausel des Vertrags sollte Mexiko noch lange finanziell belasten. 

Die Unabhängigkeitserklärung

Am 27. September 1821 zog Antonio de Iturbide in Mexiko-Stadt ein. Am nächsten Tag wurde die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben. Zuerst unterzeichnete sie Iturbide, dann Antonio Joaquín Pérez Martínez, der Bischof von Puebla, und schließlich auch Juan O’Donoju (der nur zwei Wochen später verstarb) sowie weitere 33 Personen. Die ersten Sätze der Unabhängigkeitserklärung lauteten:

«Die mexikanische Nation, die seit 300 Jahren weder ihren eigenen Willen noch freie Stimme hatte, tritt heute aus der Unterdrückung heraus, in der sie gelebt hat. Die heroischen Bemühungen Ihrer Kinder wurde gekrönt; und dieses ewiglich denkwürdige Unternehmen ist vollendet, das ein Genie, der in höchster Bewunderung und Lob, Liebe und Ruhm für sein Vaterland, in Iguala begann, fortsetzte und ausführte, indem er fast unüberwindliche Hindernisse überwand.».

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